Cheaten: Die Nervensäge des eSport-Gerüsts
Aequitas und Co.: Gleichheit nur für gläserne Gamer?
Die nächste Stufe des Cheatens gelingt über Makro-Befehle: Sie ermöglichen das Ausführen bestimmter Tastatur- und Mauseingaben, die im Gegensatz zum Spieler deutlich schneller und präziser ausgeführt werden können. Analysieren diese dann auch noch den Spielablauf und reagieren situationsabhängig, spricht man von Bots. Traurige Berühmtheit haben hier vor allem Aimbots erlangt, die automatisch sichere Kopfschüsse ausführen.
Auch Speedhacks sind bei Cheatern beliebt, da die Geschwindigkeit der Figur kurzzeitig enorm erhöht wird. Anderen Spielern fallen solche Mogeleien aber relativ schnell auf: "Cheater kann man recht leicht erkennen, wenn sie entweder Dinge tun, die nicht menschenmöglich sind - oder in kurzer Zeit enorme Leistungssteigerungen verzeichnen", berichtet Oliver Stahl, Liga-Spieler bei AGSF.esports e.V. von seinen Erfahrungen aus der Praxis.
Ein weites Feld der gängigen Cheats arbeitet zudem über Grafikmanipulation: Dabei setzt sich das Cheat-Tool als eine Art Proxy zwischen Grafikkarte und das eigentliche Spiel. Die Ausgabedaten wie Position, Blickrichtung und Zielbewegungen können damit abgegriffen und sichtbar gemacht werden. Blend- und Rauchgranaten bei "Counterstrike" verlieren so ihre negative Wirkung, Wallhacks lassen die Gebäude halbtransparent erscheinen - oder zeigen wahlweise nur Gegner an, die sich dahinter verschanzen. Farbige Spikes geben dem Cheater unmissverständliche Hinweise, wann er ins Visier genommen wird.
Da viele dieser einzelnen Cheats die Angewohnheit hatten, sich gegenseitig bei der dubiosen Arbeit zu behindern, eroberten ab 2001 die ersten Multihacks die Szene. Hier wurden die beliebtesten Cheats in Rundum-Sorglos-Paketen zusammengefügt, die unauffällig über Tastatur-Kommandos aktiviert werden konnten. Unangefochten waren dabei Aimbots, Wallhacks und No-Recoil-Exploits. Da solche Multihacks zunehmend auch auf offiziellen Turnieren zum Einsatz kamen und schwer nachzuweisen waren, wurde in Spieler-Gemeinde der Aufschrei nach Anti-Cheat-Software laut.
Um dem Übermaß an Cheaterei Einhalt zu gebieten, wurden Anti-Cheat-Tools entwickelt. In ihrer Funktionsweise unterscheiden sie sich allerdings zum Teil deutlich: Blizzards Programm Warden läuft bei Partien von "World of Warcraft" im Hintergrund und liest in unregelmäßigen Abständen den Arbeitsspeicher aus, um Prozesse von Cheat-Software zu suchen. Das Verfahren scheint erfolgreich zu sein: Die Zahl wegen Cheatens gesperrter CD-Keys liegt im hohen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Bereich. Leider auf Kosten der Privatsphäre: Warden liest nämlich den kompletten RAM aus, was genau davon zu Blizzard zurückgesendet wird, ist nicht bekannt.
Seit Jahren erfolgreich auf dem Markt der Anti-Cheat-Tools ist Punkbuster. Das Programm arbeitet über ein Client-Server-Prinzip wie auf einer LAN-Party und überwacht die angeschlossenen PCs. Auch hier wird der Arbeitsspeicher observiert, zudem aber noch ausgewählte Bereiche auf der Festplatte - etwa die Speicherorte von Savegames und Spieldateien. Punkbuster arbeitet dabei ähnlich wie die Shield-Funktion eines Virenscanners und meldet dem Server, wenn verdächtige Dateien entdeckt werden. Der Betreiber des Servers, meist der Ausrichter von Turnieren, kann über Punkbuster jederzeit Screenshots von den PCs machen - als eine Art präventives Beweisfoto.
Gegen Manipulation des eigenen Codes wehrt sich Punkbuster durch den Abgleich der Prüfsummen; wurde an der Software gewerkelt, schlägt sie Alarm. Diesem ausgeklügelten System sind bisher knapp 50.000 Cheater auf den Leim gegangen, die auf punkbusted.com namentlich erwähnt aufgelistet werden. Etwa 30 Spiele werden von Punkbuster unterstützt, darunter auch erfolgreiche Titel wie "Prey", "Quake 4" und die "Battlefield"-Reihe.
