Digitales Doping - Von Moglern und ihren Werkzeugen
Cheaten: Die Nervensäge des eSport-Gerüsts
Gaming
Ein schneller Blick um die Ecke: Der Platz scheint leer, eine einzige Laterne hüllt die Szenerie in fahles Licht. Trotzdem erst einmal einen Schritt zurück, Waffe nachladen und auf die Kollegen warten. Hier ist es sicher. Plötzlich fällt ein Schuss, die Sicht verschwimmt - tot. Für diesen schläfengenauen Treffer hinter massiven Mauern gibt es nur eine Erklärung: "Leute, haltet die Augen offen. Wir haben hier einen Cheater auf der Karte!"
Wer im Internet spielt, begegnet ihnen früher oder später unvermeidlich: Mogler, Pfuscher, mit unmenschlichen Reaktionen und unfehlbarer Schusstechnik. Cheater sind dafür berüchtigt, anderen den Spaß zu verderben und gelten als unreif und geltungsbedürftig. Grund genug, das Thema Cheaten einmal ausführlich zu beleuchten: Was ist Cheaten, wie funktioniert es und welche Abwehrmaßnahmen können getroffen werden?
Speziell der eSport misst Cheating große Bedeutung bei und entwickelt Software, die auf absolute Fairness abzielt. Dass dabei teilweise auch die Privatsphäre der Spieler auf der Strecke bleibt, wird bei bis zu sechsstelligen Gewinnsummen der Turniere toleriert.
Inhalt
- Die Talentfrage: Woher nehmen, wenn nicht cheaten?
- Wett(b)rüsten: Das Anti-Anti-Cheat-Tool
- Mogelpackungen: Von Käfern und Ostereiern
- Kein Wallhack für "Die Siedler": Was wird becheatet?
- Cheatkunde: Blitzschnell, unsichtbar und mit Kopfschussgarantie
- Aequitas und Co.: Gleichheit nur für gläserne Gamer?
- Cheaten im eSport: Höchstens "unter ferner liefen"
- Prävention: Aufklärung statt Algorithmen
Die Talentfrage: Woher nehmen, wenn nicht cheaten?
Zu der Frage, warum Spieler cheaten und sich nicht auf ihre eigenen Fähigkeiten beschränken, ließen sich umfangreiche psychologische Untersuchungen durchführen. Oft steckt im Kern allerdings der Unmut darüber, dass andere so viel besser sind - und das Unvermögen, daran etwas zu ändern. Gerade Neulinge, die ein Spiel für sich entdecken, werden schnell mit absoluten Könnern konfrontiert, sobald sie im Netzwerk oder Internet zocken möchten. Und bei der Frage "Wochenlang üben oder kurz ein Cheat-Programm installieren?" siegt nicht selten die Faulheit.
Die wenigsten geben dabei offen zu, Cheats zu benutzen. Hier zeigt sich auch oft eine gute Portion Unreife, wenn Spieler die unglaublichen Reflexe auf ihre angebliche Begabung schieben und die Spielerfahrung anderer Menschen trüben. Zwar nutzen hauptsächlich jüngere Anfänger solche verpönten Helferlein, doch auch fortgeschrittene Spieler nutzen oft Cheat-Tools - aus Notwehr. Das sogenannte Retaliation Cheating zielt darauf ab, Cheater zu jagen und mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, falls diese Unheil stiften wollen. Diese "Auge um Auge"-Taktik ist zwar nicht sehr erwachsen, oft aber der einzige Weg, übereifrigen Cheatern auf einem Server Einhalt zu gebieten.
Wett(b)rüsten: Das Anti-Anti-Cheat-Tool
Warum aber werden Cheats überhaupt geschrieben? Ähnlich wie beim Hacken von Websites oder Cracken von Programmen geht es weniger um das Produkt als vielmehr um das Zurschaustellen der eigenen Fähigkeiten. Reputation, Aufmerksamkeit und eine Art sportlicher Ehrgeiz sind hauptsächlich die Beweggründe; das ist auch der Grund, warum die meisten Cheatprogramme öffentlich zugänglich sind und kostenlos heruntergeladen werden können.
Die zweite Gruppe der Cheat-Programmierer handelt aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten: Cheats bleiben der Öffentlichkeit verborgen und können gekauft werden. Wenn diese dann noch gut sind, lässt sich tatsächlich Geld verdienen - denn solche privaten Cheats sind draußen kaum bekannt und können damit von Anti-Cheat-Tools nur schwer ausgehebelt werden.
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