Dotcom-Boom oder solider Aufschwung
Web 2.0: Die nächste Blase?
Internet & Netzwelt
Soziale Netzwerke und Video-Plattformen machen in diesen Tagen mit kostspieligen Übernahmen und Millionen-Finanzierungsrunden von sich reden. Manch ein Kritiker fühlt sich angesichts derartiger Entwicklungen an den ersten Dotcom-Boom erinnert, der mit zahllosen Pleiten endete. Web 2.0-Anhänger argumentieren dagegen, dass die wirtschaftliche Basis heute solider sei als zu Anfang des Jahrzehnts.
Anfang Januar war es so weit: Die Betreiber des sozialen Netzwerks StudiVZ verkauften ihre Plattform für mehr als 50 Millionen Euro an den Holtzbrinck-Verlag.
StudiVZ wiederholte damit eine Erfolgsgeschichte anderer deutscher Dotcom-Millionäre. 1999 kopierten eine Reihe von Berliner Jungunternehmern das eBay-Geschäftsmodell mit der Auktions-Plattform Alando. Nur sechs Monate nach der Gründung verkauften sie Alando für 43 Millionen US-Dollar an eBay.
Milliarden für Firmen ohne Einnahmen
Die Millionen-Übernahme von StudiVZ gibt Kritikern Rückenwind, die dem Web 2.0-Boom ein schnelles Ende prophezeien. Dabei stützen sie sich auf die Geschichte des ersten Dotcom-Booms: Nur einen Monat nach der Alando-Übernahme begann an der US-Börse der Kurssturz der Technologie-Unternehmen. Mit einem Jahr Verspätung platzte die Blase 2001 schließlich auch in Deutschland, und zahlreiche Dotcoms meldeten Konkurs an.
Glaubt man den Web 2.0-Kritikern, dann wiederholt sich in diesen Tagen eben jenes Szenario. Tatsächlich gibt es Anzeichen, die für eine zweite Blase sprechen: Ende der Neunziger wurden hunderte Millionen in Dotcoms ohne existierendes Geschäftsmodell investiert. Letztes Jahr gab Google für YouTube 1,65 Milliarden US-Dollar aus. Die Video-Plattform verzeichnete zu diesem Zeitpunkt keine nennenswerten Einnahmen.
580 Millionen für MySpace
Doch es gibt auch Unterschiede zum ersten Dotcom-Boom. Während Startups damals schon kurz nach der Gründung an Aktien dachten, sind Börsengänge heute die Ausnahme. Stattdessen bemühen sich Firmengründer eher darum, von den Großen der Branche aufgekauft zu werden. Google, Yahoo, Microsoft und Rupert Murdochs News Corporation haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Internet-Unternehmen aufgekauft, um ihre eigenen Angebote aufzubessern.
Für Schlagzeilen sorgte dabei neben der YouTube-Übernahme nicht zuletzt auch der Kauf der MySpace-Plattform. Rupert Murdoch war das soziale Netzwerk Mitte 2005 im Paket mit einigen anderen Angeboten insgesamt 580 Millionen Dollar wert. Kritiker sprachen damals von einer bodenlosen Überschätzung der grellbunten Teenie-Plattform.
Knapp ein Jahr später bewies Murdoch, dass er MySpace keineswegs überschätzt hatte. Google erklärte sich bereit, News Corporation mit mindestens 900 Millionen Dollar an der MySpace-Werbevermarktung zu beteiligen.
Pleiten gehören dazu
Natürlich bedeuten solche Erfolgsgeschichten nicht, dass der Web 2.0-Boom nicht ohne Pleiten auskommen wird. Erste Anzeichen für solche Konsolidierungen gab es bereits in den letzten Wochen: So entließ das kalifornische Startup Filmloop.com vor wenigen Tagen die meisten seiner Mitarbeiter, nachdem ein Verkauf der Firma gescheitert war.
Der einflussreiche Branchen-Blogger Michael Arrington hält solche Entwicklungen jedoch für normal: "Das Geschäftsmodell von Venture Kapital-Gebern basiert darauf, dass die meisten ihrer Investitionen floppen. Die Hoffnung ist, dass ein oder zwei von zehn Investitionen sich bezahlt machen."
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