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Spieletest: Neverwinter Nights 2 Auf lange Winternächte programmiert

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Knochenbrechen für Silbersplitter

Los geht's beschaulich. Das Kaff Westhafen hat sich herausgeputzt für das Erntefest, zu dem sich seine Bewohner traditionell in mehr oder minder friedlichen Wettbewerben messen. Klar, dass sich ein waschechter Held dabei nicht mit der Rolle des Zuschauers begnügt. Zusammen mit zwei Freunden zaubert und wetteifert der Hauptcharakter erfolgreich dem Finale entgegen, das, eines brutalen Überfalls wegen, kein versöhnliches Ende findet. Auf der Suche nach mysteriösen Silbersplittern haben dunkle Schergen das beschauliche Dorf in Blut getränkt. Noch während die Bewohner den Schock verdauen, macht sich der Held auf, das Geheimnis um das lange gehütete Artefakt zu lüften.

Kein Luftschloss: Im Laufe des Abenteuers dürfen Spieler eigene Festungen unterhalten und die Verteidigung gegen Angreifer organisieren.

Was folgt ist kampfbetonter Fantasyalltag. In wechselnder Begleitung durchstreift der Held eine so märchenhafte wie gefährliche Welt; monsterverseuchte Ruinen, Höhlen und Verliese inklusive. Bis zu vier Charaktere gleichzeitig darf man unter seine Fittiche nehmen. Wer als dumpfer Krieger reist, profitiert von der Achtsamkeit seiner Begleiter, die etwaige Fallen aufspüren und zum Teil selbstständig entschärfen.

Im Kampfgetümmel agieren die Mitstreiter hingegen nicht immer glücklich. Heilzauber kommen oft spät oder gar nicht und Nahkämpfer vergessen gelegentlich, wo sie hingehören. Glücklicherweise lassen sich wie gewohnt auch im Pausenmodus Befehle erteilen, ferner darf der Spieler jedes einzelne Mitglied des Heldenhaufens persönlich an die Kandare nehmen.

Neverwinter Nights 2

Hinsichtlich der Steuerung versuchen die Entwickler einen Spagat. Allerdings bleibt es beim Versuch, Vogelperspektive und indirekte Steuerung mit Schulterperspektive und (fummeliger) Direktsteuerung per Keyboard unter einen Hut zu kriegen. Auf der Suche nach einer zufriedenstellenden Perspektive wird außerdem zu viel Zeit damit verbracht, die störrische Kamera nachzujustieren. Immerhin blenden sich die meisten 3D-Objekte automatisch aus, statt bei einem Szenenwechsel den Blick zu verstellen.

Da sich "Neverwinter Nights 2" in Sachen Look&Feel von Rollenspielen mit hohem Actionfaktor unterscheidet, ist der grafische Vergleich mit derartigen Konkurrenten zum Hinken verurteilt. Letztlich entscheidet jedoch das Auge - und dies eindeutig zugunsten von Spielen wie "TES IV: Oblivion" oder "Dark Messiah of Might and Magic".

Akustisch ist "Neverwinter Nights 2" mit der Konkurrenz gleichauf. Die Tatsache, dass einige musikalische Themen des Vorgängers recycelt wurden, lässt sich mit dem Bestreben der Entwickler nach Kontinuität rechtfertigen. Kein Vorwurf somit. Vertont wurden nur Schlüsseldialoge, diese aber sehr gut. Trotz der eher düsteren Grundstimmung bleibt Platz für amüsante Kabbeleien zwischen den charakterlich oft sehr unterschiedlichen Mitstreitern.

Tiefgang ohne Ladehemmungen

Endlos scheinende Spieltiefe, lupenreines Rollenspielflair und jede Menge Quests mit teils verschiedenen Lösungswegen täuschen nicht darüber hinweg, dass "Neverwinter Nights 2" leicht zopfig wirkt. Eine Folge vielleicht des strengen Regelwerks, das jeden Actionfunke während des Kampfes erstickt. Überholt und im Sinne des Wortes störend ist der modulare Aufbau der Spielewelt, die sich im Gegensatz zu "Titan Quest" nicht ohne dauernde Ladeunterbrechungen dreht.

Wer nach den zuletzt auf Kurzweil getrimmten Action-Rollenspielen Lust auf Tiefgang verspürt, tätigt mit "Neverwinter Nights 2" aber sicher keine Fehlinvestition. In der Summe haben Produzent Obsidian und Publisher Atari viel anzubieten, zum Beispiel einen erweiterten Editor sowie eine Solospielzeit von ca. 50 Stunden nebst gut bestücktem Netzwerkmodus.

Steckbrief
Sound 8 von 10% 81%
Grafik 13 von 15%
Spielspaß 14 von 15%
Multiplayer 8 von 10%
Bedienung 5 von 10%
Preis/Leistung 13 von 15%
Hardwareanforderung 11 von 15%
Langzeitspielspaß 9 von 10%

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Michael Dees
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