Auf lange Winternächte programmiert

Spieletest: Neverwinter Nights 2

BioWare - wer jetzt an glückliches Gemüse oder zufrieden geschlachtete Tiere denkt, hat eines der beliebtesten Rollenspiele der letzten Jahre sehr wahrscheinlich verpasst: "Neverwinter Nights" von der kanadischen Firma BioWare. Der Nachfolger stammt aus anderem Hause. Demzufolge war die Neugier vieler Rollenspielfans mit leichter Skepsis durchmischt.

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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Kein Held von der Stange
  2. 2Knochenbrechen für Silbersplitter
  3. 3Tiefgang ohne Ladehemmungen

Von einem Blitzeinstieg à la "Gothic 3" oder "Dark Messiah of Might and Magic" trennen "Neverwinter Nights 2"-Spieler Dutzende Mausklicks. Hier kommt der Charaktererstellung noch Bedeutung zu, dem Alter Ego darf sogar eine individuelle Herkunft auf den Leib geschneidert werden. Wer das zugrunde liegende Regelwerk "Dungeons & Dragons" (Version 3.5) nicht zu schätzen oder deuten weiß, orientiert sich bei der Heldenerschaffung auf Programmempfehlungen.

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Kein Held von der Stange

Passionierte Rollenspieler, die Fantasiewelten nötigenfalls mit Stift und Papier beleben, nehmen das Angebot einschlägiger Rassen und Klassen dankend an. Von der Wahl der Rasse über die Gestaltung des Outfits bis zur Festlegung einer passenden Stimme - die Palette reicht vom nervösen Magier zum psychopathischen Barbar - kann eine gute halbe Stunde vergehen.

Auch bei der weiteren Entwicklung des Helden oder der Heldin hat der Spieler alle Fäden in der Hand. Die Erledigung zahlreicher Haupt- und Nebenquests sowie das damit verbundene Austreiben diverser Talentbäume formt anfängliche Schwächlinge zu wehrhaften Abenteurern. Ob und wie diese von Nichtspielercharakteren aufgenommen werden, hängt von der Tragweite persönlich getroffener Entscheidungen ab. Brutalos, die verletzte Milizionäre mit dergleichen Kaltblütigkeit meucheln wie verhandlungswillige Gegner und jede diplomatische Multiple-Choice-Option kategorisch ausklammern, sammeln nicht wirklich viele Grußkarten an. Den Spielverlauf können gewisse Handlungen durchaus in andere Bahnen lenken.

Knochenbrechen für Silbersplitter

Los geht's beschaulich. Das Kaff Westhafen hat sich herausgeputzt für das Erntefest, zu dem sich seine Bewohner traditionell in mehr oder minder friedlichen Wettbewerben messen. Klar, dass sich ein waschechter Held dabei nicht mit der Rolle des Zuschauers begnügt. Zusammen mit zwei Freunden zaubert und wetteifert der Hauptcharakter erfolgreich dem Finale entgegen, das, eines brutalen Überfalls wegen, kein versöhnliches Ende findet. Auf der Suche nach mysteriösen Silbersplittern haben dunkle Schergen das beschauliche Dorf in Blut getränkt. Noch während die Bewohner den Schock verdauen, macht sich der Held auf, das Geheimnis um das lange gehütete Artefakt zu lüften.

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