Sieben Gründe, warum sich manche überlegenen Produkte nie durchsetzen konnten

Formatkriege: Die Verlierer der Technikgeschichte

Michael Knott

In Hollywoodfilmen gewinnt am Ende immer das Gute. Das weiß man schon in dem Moment, in dem man sich in den Kinosessel fallen lässt und auf das Ende der Werbung wartet. In der Welt der Technik sieht es allerdings ganz anders aus. Der Markt wird von verschiedenen Faktoren bestimmt, von denen der Preis nur einer ist.

Inhalt

  • Grund eins: Technische Daten
  • Grund zwei: Marktmacht
  • Grund drei: Gezielte Behinderung
  • Grund vier: Fehlendes Interesse der Kunden
  • Grund fünf: Falsche Firmenpolitik
  • Grund sechs: Image
  • Grund sieben: Schlechtes Timing

Kennen Sie noch Video2000? Hat Ihre externe Festplatte zwar USB 2.0, aber kein FireWire? Oft ist es der Preisdruck, der das günstigste Produkt als Sieger dastehen lässt. Manchmal sind es auch andere Dinge. Dinge, auf die man spontan nicht kommen würde. Pornos zum Beispiel. Ja richtig: In den Achtzigerjahren half das reichhaltige Angebot schlüpfiger Filme der VHS zum Durchbruch. Die direkte Konkurrenz, das von Philips und Grundig entwickelte Video2000, verzichtete auf ein derartiges Filmangebot, da Philips keine Sexfilme auf seinem Medium anbieten wollte.

Vielleicht tut man der Angelegenheit Unrecht, wenn man die Gründe nur auf das Filmangebot schiebt. Auch beim aktuellen Kampf der Giganten, der HD DVD gegen die Blu-ray-Disc, hatten beide Lager anfangs starke Filmstudios auf ihren Seiten. Dennoch ist die Auswahl der Inhalte für ein Medium ein erhebliches Kriterium. Technisch war auch Video2000 dem VHS-Standard haushoch überlegen. Allerdings wurde das System von Anfang an von Startschwierigkeiten geplagt: verzögerter Start im Vergleich zur Konkurrenz, höhere Preise und Gerüchte über technische Probleme. Sobald dann auch noch die Käufer wegbleiben, schließt sich der Teufelskreis: keine verkauften Geräte, keine Filme...

Netzwelt hat sieben Gründe gesammelt, warum sich auch die noch so fortschrittliche Technik oft nicht durchsetzen kann. Zumeist treten diese Gründe selbstverständlich nicht alleine auf, sondern mehrere Faktoren kommen zusammen.

Grund eins: Technische Daten

Die Leistung auf dem Papier ist im Consumerbereich oft entscheidendes Kaufkriterium. Wer größere, imposantere Zahlen vorweisen kann, bekommt im Handel vom Kunden den Vorzug gegenüber dem Regalnachbarn von der Konkurrenz. Megapixel, Megahertz und Gigabyte: Größe zählt. Aber nicht immer lässt sich aus den nackten Zahlen ein Bild der Realität zusammensetzen. Ein Beispiel hierfür ist das Duell von FireWire und USB 2.0.

Bereits zu Beginn hatte die Schnittstelle zur Datenübertragung, FireWire, Schwierigkeiten. Die Entwickler von Apple verlangten zu hohe Lizenzgebühren, sodass viele andere Hersteller sich weigerten, die Schnittstelle zu lizenzieren. Dies rächt sich längst. Denn der aufgemotzte USB-Anschluss, USB 2.0, hat FireWire in der Verbreitung längst den Rang abgelaufen. Und USB 3.0 steht bereits in den Startlöchern.

Das Duell "FireWire gegen USB" ist die Fortsetzung eines Jahrzehnte alten Kampfes. Denn USB wurde von Intel entwickelt, FireWire von Apple. Die beiden ehemaligen Kontrahenten machen längst gemeinsame Sache. Ein solches Happy-End gab es für FireWire aber nicht. Denn spätestens seit der Einführung von USB 2.0 war die Vorentscheidung im Kampf um die Vorherrschaft gefallen.

Doch der Hauptgrund gegen FireWire liegt nicht in den Lizenzkosten. Denn auf den ersten Blick hat USB 2.0 einen eindeutigen Vorteil: Die Spezifikationen versprechen 480 MBit/s Datenübertragung, während FireWire lediglich 400 MBit vorweisen kann. Deshalb und weil USB an jedem Rechner vorhanden ist, entscheiden sich viele wohl für diese naheliegende Lösung. Doch in der Praxis ist USB keineswegs überlegen, oft sogar im Nachteil.


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Verwirrende Vielfalt: die unterschiedlichen Steckervarianten von USB und FireWire

Dabei war USB ursprünglich nur für einfache Peripherie wie Mäuse und Tastaturen entwickelt worden und nicht für die Datenübertragung. Aus diesem Grund schleppt die Schnittstelle einige Nachteile mit sich herum. Denn FireWire ist im Gegensatz zu USB netzwerktauglich. Ein normales FireWirekabel kann zwei Rechner zu einem Netzwerk verbinden. Sogar gegenüber Ethernet, der Standard-Netzwerkschnittstelle, hat Apples Außenseiter ein paar Vorteile: Durch ein intelligenteres Zeitmanagement werden Konflikte und Datenkollisionen vermieden. Durch diese Stabilität in der Datenübertragung eignet es sich hervorragend für sensible Aufgaben, wie das Übertragen von Multimedia mit hoher Datenrate.

Die Geräte haben eigene Controller, was eine Steuerung durch einen "Host" wie bei USB überflüssig macht. An einem einzigen FireWire-Bus können bis zu 63 Geräte in einer Reihe hängen. Denn FW kann seriell, also zu einer wahren Gerätekette, verkabelt werden.


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Links die Prozessorlast mit FireWire, rechts mit USB (Klick vergrößert)

Durch die fehlende eigene Steuerung erhöht sich bei USB "High Speed" auch die Belastung des Prozessors durch große Datenübertragungen. In unserem Test wurde die CPU mit USB circa fünfmal so stark belastet. Deshalb eignet sich FireWire für anspruchsvolle Aufgaben weit besser. Externe Festplatten zum Beispiel sollten deshalb wenn möglich mit FireWire betrieben werden.



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6 Kommentare im Forum
tk69: Firewire verloren? Gerade jetzt, wo mehr und mehr die Video-Verarbeitung ins eigene Haus einzieht, ist Firewire nicht mehr wegzudenken. Es gibt genügend Geräte auf dem Markt, die FW haben. Durch Apple Kooperation mit Intel ist FW's Zukunft gesichert,... weiter »
pittiplatsch72: Zitat: Zitat von tk69 Firewire verloren? Gerade jetzt, wo mehr und mehr die Video-Verarbeitung ins eigene Haus einzieht, ist Firewire nicht mehr wegzudenken. Es gibt genügend Geräte auf dem Markt, die F... weiter »
reggaemaN: Habt ihr diesen Artikel, in etwas anderer Form, nicht schonmal gehabt ? Ändert natürlich nichts daran, das er toll ist, um das mal so nebenbei zu betonen xD Wieder was schlauer weiter »
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24. Februar 2008