Tutorial: Der Weg zum eigenen Webradio
Live365.com
Wer über Webspace bei einem der großen Provider verfügt und zudem noch Root-Rechte besitzt, kann den Shoutcast-Server auch auf diesen Webspace installieren. Dort ist der Server ständig und vor allem immer unter derselben IP-Adresse zu finden, so bleibt der Link zu Ihren Radiosender immer gleich. Die Einstellungen des DSP müssen dazu nur geringfügig verändert werden, lediglich die Adresse muss von LocalHost auf die Adresse des Servers umgestellt werden.
Der größte kommerzielle Anbieter für Webradios ist Live365.com. Dort bekommen Sie für zehn Dollar im Monat einen Basisaccount, mit dem Sie allerdings auch nur maximal zehn Hörer gleichzeitig erreichen können. Sollen es hundert Hörer werden, ist gleich eine monatliche Gebühr von 45 Dollar fällig. Da scheint die Verwendung von Shoutcast auf dem eigenen Webspace zumindest die günstigere Lösung zu sein.
Vom Piraten zum echten Hörfunker
Solange Sie Shoutcast nur dazu verwenden, um Ihre eigene Musik über das Internet auf Ihrer Arbeitsstelle oder in der Uni zu hören, ist keine GEMA-Gebühr fällig. Erst wenn Fremde diese Musik zu hören bekommen, müssen Sie Lizenzen erwerben. Die GEMA bietet eine Lizenz für Webradios für 30 Euro an, das Webradio darf allerdings nicht über mehr als drei URLs erreichbar sein, nicht mehr als 2.700 unterschiedliche Hörer haben und die Einnahmen aus diesem Projekt dürfen nicht höher sein als 430 Euro.
Die GEMA vertritt die Rechte der Künstler und Autoren, doch es gibt noch zusätzlich die GVL, die sich für die ausübenden Künstlern und Tonträgerhersteller einsetzt. Und auch die GVL möchte eine Lizenzgebühr für die Ausstrahlung von urheberrechtlich geschützter Musik. Für nicht kommerzielle Wecaster wird pro Titel und Hörer eine Gebühr von 0,0005 Euro fällig, wahlweise kann auch pauschal eine Gebühr von 0,0015 Euro pro Minute und Hörer geleistet werden. Daraus ergibt sich monatlicher Grundpreis von etwa 65 Euro.
Wenn Sie selbst musizieren und Ihre selbst geschriebenen Klaviersonaten über den Äther schicken wollen, werden diese Posten natürlich nicht fällig, da Sie selbst Urheber sind. Gleiches gilt, wenn Sie nur Geschichten erzählen oder Reportagen senden möchten, damit werden keine Urheberrechte verletzt und GEMA und GVL haben keinen Grund Geld einzufordern.
Fazit
Früher ging die Gefahr für Piraten von kleinen gelben VW-Bussen aus, die im Auftrag der Post illegale Sendemasten aufgespürt haben. Heute wird im Netz nach illegalen Sendern gesucht. Wer wirklich Lust am eigenen Radio bekommen hat, sollte es erst einmal mit Shoutcast vom eigenen Rechner versuchen. Wer dabei ein großes Publikum erreicht und Spaß daran findet, sollte auch die Künstler daran teilhaben lassen und GEMA und GVL bezahlen.
