Sachverstand statt Ultrazoom und Megapixel
Der große Einkaufsberater: Camcorder
Jan Johannsen
Durch die Verbreitung von DVD-Playern und Breitbandanschlüssen war es nie so einfach und attraktiv wie heute, Filme zu archivieren oder ins Netz zu stellen. Digitale Videokameras erfreuen sich seit Jahren konstant hoher Beliebtheit. Aber welcher Camcorder der beste für die eigenen Bedürfnisse ist und welche Eigenschaften tatsächlich wichtig sind, wissen selbst Fachverkäufer nicht immer. Wir zeigen, dass technische Daten nicht alles sind und worauf man stattdessen achten sollte.
Inhalt
- Das Speichermedium
- Fazit Formate und Medien
- Die Ausstattung
- Die Preise
- Was braucht eine Profi-Kamera?
- Fazit
Alle gängigen Speichermedien aus der Welt der Computer sind auch bei den modernen Camcordern vertreten: Speicherkarten, Festplatten, DVDs und MiniDV-Kassetten. Aber vor allem im Bereich der preisgünstigen Einsteigercamcorder setzt sich die SD-Speicherkarte immer mehr als Standard durch. Trotzdem ist keines dieser Formate veraltet oder moderner als andere, wie manche Verkäufer gerne erzählen. Jedes dieser Medien hat Vor- und Nachteile, sei es bei der Aufnahmedauer, der Qualität, bei der Weiterverarbeitung oder beim Preis. Mit der Entscheidung für ein Speichermedium legt man meist auch das Aufnahmeformat fest und entscheidet über die Fähigkeiten des Camcorders. Einige Hersteller wie Canon oder Panasonic haben Kameramodelle im Angebot, die zwei verschiedene Speichermedien vereinen. Zum Beispiel Speicherkarten mit Festplatten oder einem internen Flash-Speicher.
SD-Speicherkarten bieten viele Vorteile. Sie sind klein und haben zum Beispiel im Vergleich zu einer DVD entsprechend wenig Einfluss auf die Größe des Kameragehäuses. Sie brauchen auch kein mechanisches Laufwerk und sind dadurch unempfindlich gegen Erschütterungen. Inzwischen gibt es sie auch mit ausreichend Speicherplatz für lange Filme, die den Kamera-Akku an seine Leistungsgrenze bringen. Die größten Modelle mit einer Kapazität von 32 Gigabyte kosten aktuell etwa 120 Euro, 16 Gigabyte erhält man schon für unter 40 Euro.
Selbst günstige Camcorder für unter 100 Euro verfügen inzwischen über eine Auflösung, die für Webvideos heruntergerechnet werden muss. Wer seine Videos weiter bearbeiten möchte und auch mal in HD-Qualität zeigen möchte, sollte darauf achten, dass sie mindestens eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln besitzt. Manche Hersteller übertreiben vor allem bei den Fotoauflösungen und ziehen als Spitzenwerte interpolierte, also hochgerechnete Bilder heran. Überprüfen Sie also genau, ob es sich bei den Angaben um die wirkliche Auflösung oder einen rechnerisch erreichbaren Wert handelt.
Die Speicherkartenmodelle schreiben die Daten stark komprimiert als MPEG2 oder MPEG4. Hochwertige MPEG2 SD-Karten-Camcorder können in der HD-Qualitätsstufe etwa zwölf Stunden auf 16 Gigabyte speichern. Gerade MPEG4 benötigt zwar wenig Platz, eignet sich aber auch nur schlecht zur Nachbearbeitung und wird meist nur bei sehr billigen Kameras verwendet. Es gibt allerdings auch Kameras für die professionellen Anwender, die auf Speicherkarten schreiben. Panasonics P2-Serie setzt beispielsweise auf große Speicherkarten, verwendet aber ein professionelles Aufnahmeformat.
Durch die Robustheit eignen sich die besseren Modelle hervorragend, um zum Beispiel beim Sport eingesetzt zu werden. Wer schon immer einmal beim Bungeejump oder Mountainbiken filmen wollte, sollte zu diesen Modellen greifen. Da die MPEG2-Modelle die Daten aber als "MOD"-Container speichern, können die meisten Videoschnittprogramme diese Dateien nicht bearbeiten.
Festplatten sind zwar teuer, aber bieten dafür viel Platz. Die meisten Modelle haben 30 bis 60 Gigabyte Kapazität. Einige bringen es sogar auf 120 oder mehr Gigabyte. Die günstigsten Festplattenmodelle liegen bei 500 Euro, die teureren bei rund 1.000 Euro. Im Profi-Bereich finden Festplatten ebenfalls Verwendung, in der Regel jedoch nur als externe Speichermedien.
Die meisten der Consumer-Festplattencamcorder zeichnen das Bildmaterial als MPEG2 auf. Die Hersteller versprechen Aufnahmelängen von bis zu 60 Stunden. Diese werden aber höchstens mit niedrigen Qualitätseinstellungen erreicht. In der besten Qualitätsstufe reicht der Platz aber immer noch für einige Stunden, zumindest theoretisch, denn kaum ein Kameraakku hält länger als zwei bis drei Stunden durch.
Wie bei den Karten-Kameras auch ist das MPEG-Bild nicht ideal, um am Computer bearbeitet zu werden. Zudem werden die Daten wie bei den Speicherkarten oft als "MOD"-Container gespeichert, mit dem Schnittprogramme nichts anfangen können. Deshalb ist man zum Anschauen und Bearbeiten der Dateien auf die mitgelieferte Software angewiesen. Apple Mac-Nutzer gehen dabei meist leer aus.
Festplattengeräte sind die Dauerläufer unter den Camcordern. Sie haben die längste Aufnahmedauer. Jedoch sind die Formate alles andere als kompatibel. Wer ernsthaft mit dem Material arbeiten möchte, sollte zu einem anderen Medium greifen.
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