Verkehrte Netzwelt: Hinsetzen, Hefte raus, Vista ist da!
Sicherheit: Vor Spionen und sich selbst geschützt
Fest steht: Vista sieht moderner aus als sein Vorgänger. Doch Gegenwind bekommt Microsoft direkt aus zwei Richtungen; die Puristen fühlen sich auf ihrer "Klickibunti"-Kampfschiene bestätigt und wettern weiter gegen die unnötig aufgebauschte Optik. Die andere Kritik entsteht bei den Benutzern, die mit ihrem Computer immer ein bis vier Generationen zurückhinken. Ihre Systeme werden von der Grafik-Offensive überfordert, daher werden die ganzen visuellen Leckerbissen kurzerhand wieder abgeschaltet. Doch warum dann ein neues Betriebssystem kaufen?
Auch an dieser Stelle noch einmal die nackten Zahlen: Damit ein Computer Vista capable ist - er also mit der Home basic-Edition klar kommt -, sollte er mit 800 MHz takten, 512 Megabyte RAM besitzen und mit einer Grafikkarte gesegnet sein, die DirectX 9 darstellen kann. Premium ready, also bereit für Microsofts Ultimate-Edition, ist der PC allerdings erst mit einem GHz, einem Gigabyte Arbeitsspeicher, einer DirectX 10-fähigen Grafikkarte mit mindestens 128 Megabyte RAM und 40 Gigabyte Platz auf der Festplatte. Windows-typisch müssten diese Angaben allerdings nach oben korrigiert werden, wie auch ein Selbstversuch von netzwelt verdeutlichte.
Wenn Microsoft die Werbetrommel rührt und das erste Aha-Erlebnis verarbeitet ist, werden stets die Fragen nach den Funktionen laut. Hier wird gerne das neue Sicherheitskonzept ins Feld geführt, das Vista schon von Beginn an deutlich besser schützen soll als das noch bei XP der Fall war. Microsoft hat viele Sicherheitsaspekte ins Boot geholt: Verbesserte Firewall, Windows Defender gegen Spyware, Benutzerkontosteuerung, Phishing-Schutz im Internet Explorer 7.
Aber mal unter uns: Wer sich ein wenig mit Computern beschäftigt, benutzt als Firewall Zone Alarm / Sygate, Spybot / Ad-Aware kümmert sich um Malware und gesurft wird wohl eher mit Opera / Firefox. Zum Glück hat Microsoft nicht auch noch einen Virenscanner fest mit an Bord, Monopolisierungsgefahr war da der Grund. Welchen Zweck haben also diese ganzen Bonusprogramme, wenn sie sowieso deaktiviert und durch bessere und Windows-unabhängige Freeware ersetzt werden?
Der Gedanke kommt auf, dass hier der unbedarfte End-Endanwender ins Auge gefasst wurde: Vista installieren und los. Oder frei nach dem Slogan einer deutschen Versicherung: "Benutzen Sie, wir kümmern uns um den Rest". Und dieser Punkt ist ein großes Kompliment, das Windows Vista trotz allem gemacht werden muss: User, die keine bis wenig Ahnung von Computern haben, werden mit diesem Betriebssystem glücklich. Schwerwiegende Fehler können nicht gemacht werden, denn die Benutzerkontosteuerung ruft konsequent den Ausnahmezustand aus, wenn wichtige Einstellungen verändert werden - sozusagen als Äquivalent zum bösen Blick oder mahnenden Zeigefinger.
Neue Funktionen: Impuls oder Implementierung?
Einen so großen Schritt nach vorne, wie seinerzeit XP durch Kombinieren von 98/ME mit der NT-Serie, macht Vista jetzt nicht. Zwar hat Microsoft das Betriebssystem in vielen Bereichen verbessert und Optik, Sicherheit sowie die Bedienung den Anforderungen der Zeit angepasst, die oben angekündigte Revolution bleibt allerdings aus. Zu viel kennt man bereits von Mac OS X und den diversen Open-Source-Programmen im Netz. Da Sie aber hoffentlich zu Beginn brav das Heft rausgeholt haben, können Sie sich jetz mal ans Schreiben begeben. Hausaufgabe: Ein Absatz zum Thema "Werde ich mir Vista direkt in 2007 kaufen?", abzugeben in Forum unter diesem Artikel. Viel Erfolg.
Links zum Thema
- Windows Vista Beta 1 im Test
- Windows Vista Beta 2 im Test
- Offizielle Homepage
- Windows Vista: Der erste Release Candidate steht zum Download bereit
- Vista-Optik in XP einbauen
