Open-Source-Entertainer: Ichbinleise PC MP 5 im Test
Viereckige Augen vorprogrammiert
Im Gegensatz zu einem PC mit dem Media Center von Windows XP oder Vista, dem Microsoft nur zwei TV-Tuner gleichzeitig zumutet, kann der MP 5 mit bis zu drei und auf Anfrage sogar fünf Empfängern umgehen. Praktisch ist das vor allem, wenn man eine Sendung sehen und trotzdem eine andere nicht verpassen will. Eine weitere Besonderheit von MediaPortal ist, dass es im Störungsfall einfach auf einen alternativen Tuner umschaltet. Etwa wenn bei einem Sturm die Satellitenschüssel vom Dach fliegt, die terrestrische Antenne aber noch steht. Das funktioniert allerdings nur bei Sendern, die parallel auf mehreren Übertragungswegen ausgestrahlt werden.
Mehrminütige Sendersuchläufe können sich MP-5-Besitzer getrost sparen, denn alle über den Astra-Satelliten erhältlichen TV- und Radiosender sind bereits eingetragen. Wegen der regionalen Angebotsunterschiede dauert es bei DVB-T gerade mal 20 Sekunden länger. Hier weiß MediaPortal wegen vorgefertigter Frequenztabellen bereits ungefähr, wo es nach Fernsehsendern suchen muss. Pay-TV-Nutzern kommt das so genannte "CI-Modul" entgegen, das Decoder-Karten wie die Premiere-SmartCard schluckt. Dem kostenlosen Fernsehklau wurde laut MediaPortal ein wirksamer Riegel vorgeschoben: "Legal oder gar nicht".
Von hinten wie von vorne bietet der MP 5eine Menge Anschlussmöglichkeiten.
Anschlüsse en masse
Abgesehen von den Antennenanschlüssen der drei im Testgerät untergebrachten TV-Tuner bringt auch das Mainboard des PC MP 5 eine gehörige Portion Kontaktfreude mit. Unter anderem verfügt das Asus M2NPV-VM über eine digitale und analoge Monitorschnittstelle sowie Gigabit-LAN, FireWire und acht USB-Ports. In zwei zusätzlichen Slot-Blenden stecken digitale und coaxiale Audio-Anschlüsse sowie weitere für Component- und S-Video. Sehr nützlich finden wir außerdem den leicht entnehmbaren Wechselrahmen für eine weitere Festplatte.
Unter dem Blechkleid steht ein PCI-Express-x16-Anschluss bereit, der nachträglich eine flotte Spiele-Grafikkarte aufnimmt, sofern die Platzverhältnisse und das 350-Watt-Netzteil dies zulassen. Ab Werk gibt es diese allerdings nicht, trotzdem bleibt die Garantie auch weiterhin erhalten. Bei anschließenden Software-Problemen könnte der Support jedoch eingeschränkt sein, da Soft- und Hardware im Rahmen des Joint Ventures zwischen Hersteller MR Computertechnik und MediaPortal penibel aufeinander abgestimmt wurden. Vorn komplettiert das üppige Angebot ein praktischer Kartenleser für die gängigsten Speichermedien.
ichbinleise PC MP 5 im Test
....die etwas klapprigen Frontblenden, hinter denen sich der Lightscribe-Brenner, ein Festplatten-Wechselrahmen sowie....
Eine schnelle Grafikkarte gibt es nicht ab Werk, dafür bis zu fünf TV-Tuner auf Anfrage.
Nicht das Windows Media Center von Microsoft, sondern die Open-Source-Software MediaPortal sorgt für hohen Unterhaltungswert.
Von hinten wie von vorne bietet der Unterhaltungskünstler eine Menge Anschlussmöglichkeiten.
Trotz der großen Lüfter arbeitet der Multimedia-Rechner ausgesprochen leise.
Das blaue leuchtende Display wurde penibel auf MediaPortal abgestimmt und zeigt neben Informationen zu gerade laufenden Musik- und Video-Titeln unter anderem sogar die Schlagzeilen aktueller Nachrichten.
Alles ist sauber verlegt und eingerichtet, hier waren Profis am Werk.
Bei der Verwaltung umfangreicher Musik- und Video-Archive hilft eine praktische Datenbank.
Der gerade aktive Programmordner von MediaPortal wird auch im Display angezeigt.
Kein Schluckspecht
Wie sich schnell herausstellt, gilt der von MR Computertechnik angegebene, maximale Stromverbrauch von gerade mal 70 Watt nur für die kleinste Ausstattungsvariante des MP 5. Mit drei Tunern und zwei Festplatten kommt das vorliegende Testgerät im ungünstigsten Fall auf 141, im Normalbetrieb auf knapp 90 Watt.
Damit schluckt das Multimedia-System zwar deutlich mehr als der eingangs erwähnte Büro-Rechner, angesichts der verbauten Hardware aber keineswegs zuviel. Daran ist der Dual-Core-Prozessor AMD Athlon 64 X2 3600+ in der genügsamen "Energy-Efficient"-Variante (EE) nicht ganz unbeteiligt.
Fazit
Gerade wenn der Trend zum Zweitrechner geht, ist der ichbinleise PC MP 5 eine erstklassige Wahl. Denn was im Wohnzimmer zählt, sind eine leise Geräuschkulisse, wenig Aufwand beim Bedienen und hohe Stabilität. Auf unserem Prüfstand glänzte der waschechte Unterhaltungskünstler in allen drei Punkten. Für Hardcore-Gamer empfiehlt sich allerdings ein grafisch leistungsstärkeres Gerät aus dem ichbinleise-Portfolio oder ein bereits vorhandenes im separaten Spielzimmer.
Die Geräuschkulisse ist zwar ein wenig höher als bei einem rein passiv gekühlten System wie dem Hush E5 oder Rundum-Lautlos-PC von netzwelt, dafür ist wiederum der Preis erheblich vernünftiger. Ein Schnäppchen ist der ichbinleise PC MP 5 mit seinem Mindestpreis von knapp 1.600 Euro nicht gerade, dafür bekommt der unterhaltungsorientierte Käufer ein absolut rundes Gesamtpaket, das nicht nur gut aussieht, sondern auch viel kann.

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