Bedrohung durch "Killerspiele"?

Gaming: Warum ein Verbot nichts bringen würde

Warum ein Verbot nichts bringen würde Fühlen Sie sich momentan ein wenig unter Druck gesetzt? Sind Sie etwa ein "Killerspieler"? Dann wären Sie nicht allein. Ungefähr eine halbe Million Spieler gibt es in Deutschland alleine für den Taktikshooter "Counter-Strike". Dennoch sehen sich Teilnehmer von Egoshootern momentan dem Vorwurf ausgesetzt, dass ihr Lieblingsgame Aggressionen hervorrufe und Gewalt fördere.

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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Überzogene Reaktionen
  2. 2Mangelnder Sachverstand der Medien
  3. 3"Counter-Strike": Töten ist Teil, aber nicht Ziel des Spiels (Klick vergrößert).
  4. 4Einfache Formeln für komplexe Probleme
  5. 5Computerspiele als Ursache?
  6. 6Ein Tribut an seine möglichen Vorbilder (Klick vergrößert)
  7. 7Sebastian B. schien in den Littleton-Tätern eine Art Idol zu sehen (Klick vergrößert).
  8. 8Der Experte klärt auf
  9. 9Psychisch labile Menschen gefährdet
  10. 10Liebeskummer, Frust, Wut. Ein Ausschnitt eines Onlinetagebuchs von Bastian B. / ResistantX (Klick vergrößert)
  11. ...aufklappen
  12. 11Fazit

Der tragische Amoklauf des 18-Jährigen Sebastian B. im nordrhein-westfälischen Emsdetten hat eine neue Debatte über die Wirkung von Computerspielen entfacht. So beliebt solche Spiele auch sind, bei vielen Erwachsenen herrscht dennoch ein großes Informationsdefizit. Oft kennen sie diese Games nur vom Hörensagen und haben entsprechend große Vorbehalte. Obwohl es Millionen von Spielern in allen Altersklassen und gesellschaftlichen Schichten gibt, halten sich einige Vorurteile hartnäckig.

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Überzogene Reaktionen

Wie es scheint, haben weder Politik noch Medien in den vergangen Jahren dazu gelernt. Unvorhergesehene tragische Ereignisse bringen es immer mit sich, dass die Menschen hilflos und ratlos reagieren. Die Personen des öffentlichen Lebens nicht weniger als normale Bürger.

Nur gehört es zum Beruf der Ersteren, sich auch öffentlich dazu zu äußern. Die Sachlichkeit gerät in solch hektischen Momenten leider allzu leicht unter die Räder: "Wir brauchen einen wirksamen Jugend-Medienschutz, aber keine Killerspiele, die zur Verrohung führen können", sagt der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach.

"Killerspiele animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten", sagt Edmund Stoiber noch deutlicher. "Killerspiele leisten einen verhängnisvollen Beitrag zur leider wachsenden Gewaltbereitschaft und fördern aggressives Verhalten. Deshalb muss konsequent gegen Spiele vorgegangen werden, die Gewalt verherrlichen", sagt Brandenburgs Innenminister Schöhnbom.

Mangelnder Sachverstand der Medien

Auch die Medien ereifern sich in solchen Situationen leichtfertig als Ursachenforscher und "Problemlöser". Innerhalb von Stunden hatte sich das unpräzise, wenn nicht sogar absichtlich verfremdende Schlagwort "Killerspiele" als Synonym durchgesetzt. Es steht stellvertretend für Egoshooter, Taktikshooter, eigentlich für fast alle Spiele, die Gewalt in irgendeiner Form thematisieren. Das zeigt, wie undifferenziert die Berichterstattung in solchen emotionalen Zeiten sein kann und wie wenig Sachkenntnis dabei oft im Spiel ist:

"Ein klassisches Baller-Spiel. Terroristen kämpfen gegen eine Polizeieinheit. Spezialität: Headshots (Kopfschüsse)! Blut spritzt dabei", versucht der Onlineauftritt der Bild-Zeitung den Taktikshooter "Counter-Strike" zu beschreiben. Auch die sonst so um Seriösität bemühte Web-Ausgabe des Spiegels ließ sich zu sachlich falschen Aussagen hinreissen: "Meist spielte er dort 'Counterstrike'. Ballernd bahnt man sich darin den Weg durch virtuelle Gänge, versucht so viele Menschen wie möglich zu erschießen." Diese Passage wurde jedoch nach wenigen Stunden gelöscht.

In Wahrheit eignet sich gerade das heftig umstrittene "Counter-Strike" kaum als Paradebeispiel eines "Ballerspiels". Denn obwohl Waffen ein fester Bestandteil des Geschehens sind, geht es hier mehr um Taktik, Geschicklichkeit und Teamwork. So kann man eine Spielrunde gewinnen, ohne einen einzigen Schuss abzugeben. Blutrünstige Ballerfreaks suchen sich andere Spiele.

"Counter-Strike": Töten ist Teil, aber nicht Ziel des Spiels (Klick vergrößert).

Doch nicht nur die Computerspiele, auch das Internet im Allgemeinen kommt nach solchen Fällen schlecht weg. "Brutale Pornos, Kindersex, Schulmassaker - all das ist nur ein paar Klicks mit der Computermaus entfernt", redet Bild.t-online.de seinen Lesern ein. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass kriminelle Machenschaften im Internet keineswegs für jedermann erreichbar sind, sondern wie im echten Leben auch, nur innerhalb eines geschlossenen Kreises Eingeweihter stattfinden. Solche Aussagen eignen sich höchstens, um die Paranoia von Unbedarften anzustacheln.


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