FIFA 07 vs. Pro Evolution Soccer 6 im Test
Das ist Bigfoot
Im Soundcheck liegt "FIFA 07" vorn. Charakteristische Fangesänge und naturgetreue Umgebungsgeräusche gaukeln den Eindruck einer Liveübertragung vor. "Pro Evolution Soccer 6" bläht die Ballgeräusche dagegen unnötig auf. Jeder Pass, sei er noch so kurz, bewirkt ein überlautes Klatschen und sogar Kullerkugeln aus der Distanz verursachen beim Kontakt mit Latte oder Pfosten ein Lärmen, als hätte Bigfoot persönlich einen Medizinball gegen das Alu geknallt.
Die dezente Erweiterung des Lizenzpakets und den Zuwachs einiger namhafter Profis scheint Konami durch seinen Hauptkommentator Wolf Fuß regelrecht propagieren zu wollen. Sein ständiges "Hier ist Beckham" oder "Das ist soundso" zehrt mit der Zeit an den Nerven.
EA Sports lud erneut das Gespann Beier/Hellmann in die Sprecherkabine. Beide machen ihre Sache ordentlich, sogar absichtliche Versprecher wurden sporadisch eingebaut. Die austauschbare Menümusik eines "Pro Evolution Soccer 6" übertönt Electronic Arts abermals mit internationalem Liedgut.

Laut Chefentwickler Shingo "Seabass" Takatsuka soll das Toreschießen in "Pro Evolution Soccer 6" einfacher geworden sein. Doch das Gegenteil scheint der Fall. In den ersten Partien gelang kein einziger Treffer, beim fünften Teil sah das noch anders aus. Vor allem auf die richtige Dosierung der Fingerkraft kommt es an. Auch die Positionierung zum Tor bzw. Mitspieler ist entscheidend für das Gelingen einer Aktion. Eine ungünstige Körperhaltung erschwert den Schuss in die gewünschte Richtung.
Mit dem aktuellen "FIFA" stellen sich Erfolgserlebnisse schneller ein. Für Fußballinteressierte, die beim Erklären der Abseitsfalle mehr als zwei Anläufe brauchen, doch genügend Stars und Klubs kennen, um sich am FIFA-Füllhorn der Lizenzen zu berauschen, mag das Spiel von EA Sports die bessere Wahl sein. Klar ist aber auch: Wer Fußball im Herzen trägt und Realismus über Torjubel stellt, bleibt dem Tabellenführer treu - und der heißt weiterhin "Pro Evolution Soccer".
Mehr als ein paar Gameplay-Nachbesserungen, Wettbewerbsszenarien oder Mannschaftsdaten sollten Fans beider Lager jedoch nicht erwarten.

