Tastatur in Eigenregie

Eingabe-Anarchie: Ergodex DX1 im Test

Totale Freiheit: Diese Tastatur ist etwas für echte Idealisten, die sich um keinerlei Konventionen scheren und nur an ganz spezielle Vorgaben halten - ihre eigenen. Auf dem Ergodex DX1 herrscht absolute Anarchie. Bis zu 50 Tasten lassen sich individuell verteilen, beschriften und belegen. Was den Umgang mit jedem x-beliebigen Programm erleichtern kann, kommt auch Gamern zugute. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Keyboards verkraftet das innovative Eingabesystem außerdem gleich sechs Tastendrücke auf einmal.

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Ergodex DX1 im Test - Das Basis-Paket enthält 25 Tasten, weitere 25 Tasten kosten 50 Euro extra.
Das Basis-Paket enthält 25 Tasten, weitere 25 Tasten kosten 50 Euro extra.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Strom per Funk und molekulare Klettverschlüsse
  2. 2Wie es euch gefällt
  3. 3Macht leise Druck

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde der USA-Import über den großen Teich auf den deutschen Markt gespült. Wer nicht auf die kommende Chamäleon-Tastatur mit kleinen Bildschirmen in jeder Taste warten will, bekommt mit dem Ergodex DX1 schon jetzt das zumindest nächstbeste Gerät. Nach dem Auspacken fühlen wir uns zunächst mehr an ein Mousepad erinnert als eine Tastatur. "Pad" heißt sogar die Grundlage, auf der die Tasten später Platz finden sollen. Im Basispaket sind außerdem noch ein so genannter Tastenträger sowie 25 separate Tasten enthalten.

Ergodex DX1 im TestInhalt

Molekulare Klettverschlüsse und mehr

Wie es euch gefällt

WASD nach Wunsch

Macht leise Druck

Fazit

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Alle Daten im Überblick

Strom per Funk und molekulare Klettverschlüsse

Doch wie funktioniert das DX1 überhaupt? Die Tasten besitzen weder Stecker noch Kontakte, werden einfach dorthin geklebt, wo es dem Benutzer gerade passt. Hier behilft sich Ergodex mit der aus der Funktechnik bekannten "Nahfeld-Kommunikation". Im Klartext werden die Tasten einfach per Funk mit Strom versorgt. Das funktioniert allerdings nur deshalb, weil die integrierte Elektronik besonders energiesparend arbeitet. Dass sich die Reichweite der Tasten bloß auf etwa einen Zentimeter beschränkt, reicht in diesem Fall völlig aus. Und das ist auch gut so, denn sonst würde das DX1 auch anderen Funk-Geräten in die Quere kommen.

Wir machen die Probe aufs Exempel und legen den Empfänger einer anderen, schnurlosen Tastatur direkt auf das Basis-Pad des DX1 - nichts geht mehr. Sobald wir jedoch das Funk-Gerät direkt oder in kurzer Distanz neben dem Pad platzieren, funktioniert die Verbindung gleich wieder einwandfrei. Leider erweist sich das Kabel bei ungünstiger Lage ebenfalls als Störenfried. Neben der Kontaktaufnahme ist auch der "Kleber" der Tasten alles andere als Standard: "Es handelt sich gar nicht um Klebstoff", weiß Elmar Sonnenschein, Geschäftsführer des deutschen Ergodex-Vertriebs esoco.

"Das Prinzip dahinter ist Adhäsion, sozusagen ein molekularer Klettverschluss, was gelegentlich auch als Geckofuß-Prinzip bezeichnet wird." Die adhäsive Bindung hält so stark, dass beim Versuch, sie einfach durch gerades Abziehen zu lösen, eher die Taste selbst nachgibt. Stattdessen genügt eine seitliche Drehung. Sollte die langanhaltende Klebewirkung wegen Schmutz und Staub einmal nachlassen, wird sie nach dem Säubern mit einem feuchten Tuch denkbar simpel wiederhergestellt. Vergleichbar mit einem auswaschbaren Fusselabroller gegen katzenbehaarte Kleidung.

Animation: Der Kreativität sind nur wenige Grenzen gesetzt.

Wie es euch gefällt

"Wie es euch gefällt" steht nicht nur bloß für den Titel eines bekannten Shakespeare-Theaterstücks, sondern passt auch bestens zur Handhabung des außergewöhnlichen Eingabesystems. Mehr als einen USB-Anschluss braucht es nicht, um das DX1 mit Strom zu versorgen. Die Installation von Treiber und Konfigurationssoftware verläuft narrensicher, anschließend signalisiert eine grüne LED die Einsatzbereitschaft der Basisstation. Dann wählen wir zunächst vier beliebige Tasten aus dem 25-teiligen Repertoire des Standardpakets.

Zunächst bekleben wir sie mit Pfeiltasten aus dem beliegenden Bogen mit sage und schreibe 286 vorgefertigten Symbolen und Piktogrammen. Hier reicht das Angebot von Smileys, Buchstaben und Zahlen über Sonderzeichen, F-Tasten und Mediensteuerung bis hin zu einem regelrechten Waffenarsenal bestehend aus Maschinenpistolen, Scharfschützengewehren, Granaten und Schwertern. Für nahezu jede Funktion existiert das passende Gegenstück. Daneben gehört noch dieselbe Anzahl von Blanko-Aufklebern zum Lieferumfang, die sich einfach mit dem Kugelschreiber beschriften lassen.

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WASD nach Wunsch

Nun kleben wir die vier Tasten so auf den durchsichtigen Träger des Basis-Pads, dass sich die Finger der linken Hand in der ergonomisch perfekten Position befinden. Im englischsprachigen Ergodex Manager, die für den Betrieb des DX1 essentielle Software, werden die Tasten nicht nach ihrer tatsächlichen Lage angezeigt, sondern nach Zahlen sortiert. Jetzt suchen wir zur realen Taste mit einem Zahlenaufdruck von 1 - 25 das entsprechende Pendant auf dem Bildschirm und Doppelklicken darauf.

Außer einem beliebigen Namen verpassen wir dem neuen Makro, das eine einzelne Taste, eine Tastenkombination, einen Text sowie Programme, Dateien oder Internetadressen aufrufen kann, noch eine der vorgegebenen Kategorien. Im nächsten Schritt drücken wir entweder eine Taste auf dem Standard-Keyboard oder entscheiden uns anhand Liste für ein bereits existierendes Makro. Bis wir zum Beispiel die für Ego-Shooter typische "WASD-Steuerung" zusammengeklickt haben, dauert es zwar eine Weile, doch das Resultat entschädigt für die Mühe. Alle selbst erstellten Makros können später einfach über den rechten Mausklick sowie ein kleines Kontextmenü zugewiesen werden.

Bei 286 Symbolen kommen auch die Gamer nicht zu kurz.

In puncto Tastenkombinationen setzt die Programmiersoftware Maßstäbe: Neben der reinen Abfolge von Buchstaben und Zahlen registriert sie bei Bedarf sogar das Drücken und Loslassen sowie den chronologischen Ablauf exakt auf die Millisekunde. Dank Drag-and-Drop und Zeitschiebern gestaltet sich selbst das nachträgliche Ändern ellenlanger Kolonnen völlig problemlos. Obwohl auch für Spiele ein echter Zugewinn, dürfte sich das DX1 bei Bildbearbeitung, Videoschnitt und einer Menge anderer Anwendungen ebenfalls nützlich machen.

Macht leise Druck

Trotz aller Detailverliebtheit und Fülle an Verstellmöglichkeiten punktet die Tastatur, die eigentlich gar keine mehr ist, mit guter Ergonomie und solider Verarbeitung. Besonders das angenehm weiche Gefühl beim Anschlagen und der präzise Druckpunkt gefallen. Außerdem besitzen die Tasten nur wenig Spiel und verrichten ihren Dienst wesentlich leiser als eine gewöhnliche Standard-Tastatur.

Bloß der Tastenträger sitzt ein wenig locker, die Tasten bleiben jedoch bereits ohne diesen direkt auf dem Grundgerät haften. Der entscheidende Vorteil des Tastenträgers besteht allerdings darin, dass man ihn einfach durch einen anderen mit bereits festgeklebten Tasten austauschen kann. Die integrierte Handballenauflage entlastet Sehnen und Gelenke, dafür fehlt wiederum eine Höhenverstellung.

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Fazit

Zweifellos zählt das Ergodex DX1 zu den exotischsten Möglichkeiten, Tastenbefehle an den PC zu schicken. Eine gewöhnliche Tastatur kann es zwar nicht ersetzen, jedoch auf eine durchaus vernünftige Art und Weise ergänzen. Mehr Freiheiten dürfte zurzeit kaum ein anderes Eingabegerät einräumen. Schade nur, dass der Grundpreis mit 150 Euro nicht gerade günstig ausfällt. Das Set mit 25 weiteren Tasten schlägt mit 50 Euro zu Buche, jeder weitere Tastenträger mit 15 Euro. Die wenigen Nachteile beschränken sich auf die Software, die weder deutsche Sonderzeichen kennt noch der deutschen Sprache mächtig ist. An beiden Defiziten wird laut Ergodex jedoch bereits gearbeitet.

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