Video-Archivierung - nur womit?
Das Original: DV
Durch seine minimalen Qualitätsverluste und die sehr gute Eignung zur Nachbearbeitung hat sich der DV-Standard bei den Consumer- und semiprofessionellen Videokameras durchgesetzt. So gut wie sich das Format zum Aufnehmen eignet, so schlecht eignet sich das Material zur Archivierung. Denn die Datenrate des Materials beträgt 25 MBit/s. Der Ton wird unkomprimiert gespeichert. Eine Stunde DV-Video braucht in etwa zwölf Gigabyte Speicher. Wegen der hohen Qualität und der enormen Datenrate eignet sich DV bestens, um das Referenzmaterial für unseren Test zu stellen.
DV-Codec
Hier gibt es viel blaue Fläche, die es den Codecs eher leicht machen wird
Ein sehr schwieriges Bild. Extreme hell/dunkel-Kontraste eng beieinander
Das Gras ist eine detailierte Textur, mit der sich stark komprimierte Formate schwer tun
Leider hat unser Testmaterial einen Haken: Da es von einer Videokamera stammt, ist es im Zeilensprungverfahren aufgenommen. Dadurch entstehen bei der Wiedergabe am PC hässliche Kammeffekte. Um diese zu verhindern, wurde der Zeilensprung aus den Screenshots herausgerechnet. Dies geht leider stark auf Kosten der Bildschärfe. Bitte nicht wundern, wenn das stark komprimierte Vergleichsmaterial oft wesentlich schärfer aussieht. Zum Vergleich ein Bild des Originals mit herausgerechnetem Zeilensprung und ohne.
Links ist das Bild ohne Glättung, rechts das nachberechnete ohne Fransen, mit weniger Schärfe.
DivX: Der Klassiker
Der Name DivX ist fast ein Synonym für Videokomprimierung. Er wird zwar ausschließlich für die Verbreitung von Videos im Internet verwendet, aber gerade dadurch ist er einer der bekanntesten Codecs. Ursprünglich entstand der Codec, als der Franzose Jérôme Rota den MPEG4-Codec von Microsoft hackte. Er manipulierte diesen so, dass er nicht nur ASF-Dateien, sondern auch AVIs speichern konnte. Diese ersten Versionen von DivX waren Open Source. Spätere Versionen waren nicht mehr offen und wurden kommerziell vermarktet.
DivX
Auf den ersten Blick fällt es kaum auf, aber links unten im Bild ist der Boden doch sehr verwaschen
Hier ist kaum ein Unterschied zu erkennen. Lediglich das Dach ist im Original schöner strukturiert
Im unteren Bereich der Tür und in den Ästen zeigen sich einige Blockartefakte
Durch die chaotischen Strukturen fallen Komprimierungsfehler hier kaum auf
Der größte Vorteil von DivX liegt einerseits in der Kompatibilität, denn es gibt sogar einige DVD-Player, die DivX und andere MPEG4-Derivate abspielen können. Andererseits ist dieser Codec enorm schnell. Kaum ein Format lässt sich schneller komprimieren als DivX. Wir verwenden die frühe Version 3.11. Diese entspricht zwar nicht dem heutigen Stand, ist aber frei verfügbar.
Altbewährt: MPEG2
Wir verwenden den ffmpeg-Codec für dieses Format. Leider merkt man dem Format das angestaubte Alter an: Mit der vorgegebenen Datenrate war einfach kein brauchbares Bild zu erreichen. Deshalb verdoppelten wir die Bitrate fairerweise auf zwei MBit.
Mpeg2
Auch das Gras wird noch verwaschener als auf dem interpolierten Original
Der Himmel sieht leicht gerastert aus, ansonsten fallen kaum Fehler auf
MPEG2 ist immer noch das verbreiteteste Format überhaupt. Die DVD und das DVB-Fernsehen setzen auf dieses Format.
Der Herausforderer: H264
H.264 ist die neueste Variante des MPEG4-Standards. Nicht ohne Grund wird dieses Format als die Zukunft der Videokompression angesehen. Dieser Standard bildet die Grundlage für mobiles Multimedia "3GPP", die MPEG4 HD-DVD und Blu-Ray. Das Satellitenfernsehen DVB-S2 basiert ebenfalls auf H.264. Wir haben gleich drei verschiedene Codecs dieses Standards ausprobiert. Zwei kostenpflichtige und eine OpenSource-Variante.
Weitere Informationen
Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Codecs & Filter hier.
Links zum Thema
- FFmpeg-Projekte
- Mehr zu MPEG auf netzwelt
- Mehr zu H264 auf netzwelt
- Allzweck Video-Converter für Windows: Super

