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Spieletest: Need for Speed Carbon
Strassenverkehrsunordnung

von Michael Dees Uhr veröffentlicht

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Nirgends werden Autos so gründlich recycelt wie bei Electronic Arts. Im zwölften "Need for Speed"-Jahr geht mit "Carbon" der nunmehr zehnte Ableger des Actionrennspiels an den Start. Wie im Vorgänger "Most Wanted" überbieten sich halbseidene Halbstarke mit Pferdestärken. Klar, dass wieder schneller gefahren wird als die Polizei erlaubt - im wahrsten Sinne des Wortes.

Nirgends werden Autos so gründlich recycelt wie bei Electronic Arts. Im zwölften "Need for Speed"-Jahr geht mit "Carbon" der nunmehr zehnte Ableger des Actionrennspiels an den Start. Wie im Vorgänger "Most Wanted" überbieten sich halbseidene Halbstarke mit Pferdestärken. Klar, dass wieder schneller gefahren wird als die Polizei erlaubt - im wahrsten Sinne des Wortes.

Im echten Leben schön anschnallen und langsam fahren. Nach dem obligatorischen Fingerhub des aktuellen "NfS"-Girls Emmanuelle Vaugier werden die Verkehrsregeln sogleich mit (Blei-)Füßen getreten. Ein hoch gezüchtetes Auto hat der Spieler aber nur so lange, bis der Anfangsfilm endet und der Rennhobel nach einem illegalen Rennen kaputt gefahren ist. Nun lassen sich zu Fuß aber schwer Renntrophäen sammeln oder neidische Blicke, weshalb für das Comeback an die Rennspitze zunächst bescheidener Modelle ausreichen müssen.

Vor dem Start in die etwas kurz geratene Karriere buhlen drei Wagenklassen um die Spielergunst: Muscle Cars, Tuner und Exoten repräsentieren in der genannten Reihenfolge vor allem ihre amerikanischen, asiatischen oder europäischen Erzeugerländer. Nennenswerten Problemen sind "Carbon"-Spieler in keiner Karosse ausgesetzt. Dazu ist das Fahrverhalten der einzelnen Kategorien nicht differenziert genug. Selbst bei regennasser Fahrbahn bleiben die ca. 50 vorhandenen und fast durchweg aus "Most Wanted" bekannten Markenautos in der Spur.

Asphalt-Assistenten

Das hält aufstrebende Rennrüpel nicht davon ab, Hilfe von außen anzunehmen. Hat der Spieler durch siegreiche Rennen und diverse Herausforderungen erste Motormeriten verdient, klopfen computergesteuerte Mitläufer ans Garagentor. Aus einer maximal dreiköpfigen Crew können dann Assistenten für bestimmte Wettbewerbe rekrutiert werden. Im Einzelnen sind das Blocker, die gegnerische Fahrer attackieren, Scouts, die auf Abkürzungen hinweisen, und Schlepper, in deren Windschatten kurzfristige Spitzentempi aufgenommen werden. Abgesehen davon, dass bereits Konkurrenzprodukte wie "Juiced" die Möglichkeit boten, eigene Teams zu organisieren, kann sich das Mitmischen von Assistenten auch nachteilig auswirken: Speziell in Kurven blockieren die Karbon-Komplizen vereinzelt den Weg. Mit Samthandschuhen wird in der illegalen Rennszene bekanntlich niemand angefasst. Logische Konsequenz: Crewmitglieder dürfen jederzeit gefeuert werden.

Die auf Filmschnipsel verteilte Rahmenhandlung ist belanglos, knüpft aber wenigstens an die Geschehnisse des Vorgängers an.

Weil jeder KI-Kraftfahrer individuelle Fähigkeiten und Boni mitbringt, sind Personalwechsel nur eine Frage der Zeit. Die Liste der Anwärter wächst mit jedem Sieg über ein rivalisierendes Gangoberhaupt. Jeder Block der frei befahrbaren Metropole wird von einer anderen Clique kontrolliert. Herausforderer können diese Territorien nur übernehmen, indem sie den jeweiligen Boss im so genannten Canyon-Duell bezwingen. Stoßstange an Stoßstange geht es dann bergab, im Idealfall über kurvige Gebirgspässe und schlimmstenfalls durch die Leitplanke senkrecht ins Tal. Parallelen zum Kinofilm "The Fast and the Furious: Tokyo Drift" scheinen nicht gänzlich dem Zufall entsprungen. Als wohl spannendste und kritischste Disziplin umfassen Canyon-Duelle in der Regel zwei Durchgänge. Erst ist der Spieler Jäger, anschließend Gejagter. Den (Punkt-)Sieger ermittelt die abschließende Endabrechnung.

Nach dem herbstlichen Braunstich des Vorgängers flüchten die Geschwindigkeitsjunkies wieder ins Dunkel der Nacht. Ein dezentes Facelift täuscht nicht darüber hinweg, dass sich die 3D-Grafik seit "Most Wanted" wenig weiterentwickelt hat - wie auch, in einem Produktionszeitraum von nur knapp einem Jahr? "Need for Speed Carbon" sieht gut aus, ohne Glanzpunkte setzen zu können. Die nächtlichen Straßen könnten mehr Leben vertragen und die Unfallautos endlich mehr Kratzer. Bis auf wenige Macken bleibt der Lack des lizenzierten Fuhrparks nach wie vor unangetastet.

Tunen als Formsache

Dafür kann die Optik von Ford GT, SLR McLaren, Lamborghini Gallardo und Co. durch die so genannte Autosculpt-Funktion individuell angepasst werden. Nachdem genügend Prämien ein- und entsprechende Tuningteile freigefahren wurden, lassen sich charakteristische Bauteile per Schieberegler verformen. Das Kaliber von Auspuffrohren beinhaltet das ebenso wie die Ausformung von Spoilern, die Felgen oder den Umfang des Kühlergrills. Weiteres Geld fließt in Upgrades, die für Leistungssteigerungen und ein besseres Handling sorgen.

Im Onlinemodus liefern sich bis zu acht Geschwindigkeitsjunkies neuartige Verfolgungsduelle. Unter anderem jagen die Schlusslichter eines Fahrerfelds dem Vorausfahrenden mit Blaulicht hinterher. Für das Solospiel wurden die Cops ebenfalls reaktiviert. Wie im Vorgänger "Most Wanted" wecken die von regem Polizeifunk begleiteten Verfolgungsjagden niedere Fluchtinstinkte. Durch das Rammen diverser Objekte auf oder längs der Fahrbahn können zudringliche Gesetzeshüter abgeschüttelt werden.

Rasante Rennen für den Massenmarkt

Autosculpt, Crew, Canyon-Duelle, Territorienübernahme. Untätig sind die Programmierer seit dem letzten Teil nicht gewesen. Fraglich ist nur, ob die neuen Elemente treue Serienfans dazu bringen, abermals in ein Fortsetzungsspiel zu investieren, dessen Kern praktisch unverändert bleibt und das obendrein auf den Massenmarkt abzielt. Wenn selbst frontgetriebene Leichtgewichte beim Drift-Wettbewerb fast automatisch Punkte einfahren, bleibt mit dem Reifengummi auch Ehrgeiz auf der Strecke. Fordernder sind Canyon-Duelle und die speziell für PC- und Xbox 360-Raser inszinierten Massenrennen.

Need for Speed Carbon

Kurzweiligen Rennspaß vermittelt das leicht zu bedienende, optisch ansprechende und klanglich überzeugende "Carbon" nichtsdestotrotz. Darauf kommt es an.

Steckbrief
Sound 10 von 10% 83%
Grafik 14 von 15%
Spielspaß 15 von 15%
Multiplayer 8 von 10%
Bedienung 8 von 10%
Preis/Leistung 10 von 15%
Hardwareanforderung 12 von 15%
Langzeitspielspaß 6 von 10%
Kommentare zu diesem Artikel

Nirgends werden Autos so gründlich recycelt wie bei Electronic Arts. Im zwölften "Need for Speed"-Jahr geht mit "Carbon" der nunmehr zehnte Ableger des Actionrennspiels an den Start. Wie im Vorgänger "Most Wanted" überbieten sich halbseidene Halbstarke mit Pferdestärken. Klar, dass wieder schneller gefahren wird als die Polizei erlaubt - im wahrsten Sinne des Wortes.

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  • Khor schrieb Uhr
    AW: News - Spieletest: Need for Speed Carbon

    Da muß ich jetzt einfach sagen: Recht hat der Mann. Porsche war einfach genial was das Fahren anging. Die Wagen fühlten sich einfach realistisch an ohne das es zur Simulation ausgeartet ist. Und die Strecken war einfach genial. Aber eigentlich müsste da EA schon noch drauf kommen. Irgendwann lockt man bestimmt keine Käufer mehr mit aufgewärmten Semmeln. Dann wird man wieder was geändert. *weiterträum* Und von wegen Killerspiele: Klar sind Rennspiele gefährlicher. Die Transferleistung ist einfach geringer. Wobei mir bei Transferleistung einfällt: Erinnert sich noch jemand daran, dass die US-Armee auf Basis der Unreal-Engine ein Spiel zum rekrutieren und konditionieren von Soldaten gebastelt hat? Wurde eingestellt. Die Transferleistung Spiel->Töten ist wohl zu hoch. Anscheinend funktioniert Pappmänchen->Töten besser. So gesehen ist Eurofighter auch deutlich bedenklicher als Doom 3. Der Schritt zu 'Die Bundesregierung sollte mehr Eurofighter kaufen' ist halt einfacher. Wobei es wohl nicht so offensichtlich passiert. Aber zurück zum Thema: Hatte EA nicht sogar mal einen Nachfolger zu Porsche angekündigt? Und ich meine jetzt nicht diese dreiste 40-Jahre-Version.
  • Bentleman schrieb Uhr
    AW: News - Spieletest: Need for Speed Carbon

    Obwohl wir gut und gerne 4 Stunden gespielt und gewonnen haben, hatte wir noch immer das erste Auto, zwar mit viel Motortuning, aber trotzdem fad.Was der NFS-Reihe einmal gut tun würde, wäre eine Rückbesinnung auf die Stärken von Porsche Unleashed. Gut, der Fuhrpark war etwas beschränkt, dafür gab es ein schönes Streckendesign und eine gelungene Kombination aus Arcade und Simulation. Bis auf ein paar verschiedene Felgen, Farben und Rallystreifen gab es kein optisches Tuning, dafür konnte man den Motor ordentlich aufbretzeln und mit über 50 Jahren Automobilgeschichte durch die Gegend brettern. Achja, und das Schadensmodell kann sich immer noch sehen lassen. Immerhin gibt es eines im Gegensatz zu den neuen NFS-Teilen.
  • PhiPsi schrieb Uhr
    AW: News - Spieletest: Need for Speed Carbon

    Hi! Ich hab letzte Woche NFS Carbon gespielt und muss leider sagen, dass die Spiele immer schlechter werden. OK, ich bin nicht unbedingt ein Tuningfan, was mich aber mehr stört ist die ungelaublich schelchte Übersetzung und die viel zu kleine Schrift. Sitzt man gemütlich am Sofa muss man öfters aufstehen und bis zu einem Meter zum Fernseher gehen, um die Menüs oder Messages lesen zu können. Obwohl wir gut und gerne 4 Stunden gespielt und gewonnen haben, hatte wir noch immer das erste Auto, zwar mit viel Motortuning, aber trotzdem fad. Also: Zuerst einmal antesten, bevor ihr kauft...
  • Dreschflegel schrieb Uhr
    AW: Re: News - Spieletest: Need for...

    Bei der aktuellen Diskussion um das Verbot der sogenannten "Killerspiele" müssten die Politiker konsequenterweise auch ein Verbot der "Raserspiele" fordern. Geschwindigkeitsübertretungen und Unfälle könnten mit einem Verbot bestimmt minimiert werden. Du wirst lachen, aber ich persönlich sehe in einschlägigen Rennspielen tatsächlich ein größeres Gefahrenpotenzial als in allen Killerspielen zusammen. Um "Postal" in die Realität umzusetzen, brauche ich Waffen, sehr viel Überwindung und nicht zuletzt einen gewissen Sinn für Humor;-) Um aber jemanden nach einer Runde "Need for Speed" über den Haufen zu fahren, genügt ein Kleinwagen, die übliche Selbstüberschätzung oder einfach nur jugendlicher Leichtsinn. Außerdem: Wenn ein Raser auf der Autobahn eine Familie in den Tod fährt, wird nicht gleich überprüft, ob und wie viele Rennspiele der Amokfahrer zu Hause im Regal stehen hat. Eine Debatte, ob man die Altersgrenze für Rennspiele zumindest erhöhen sollte, gab es übrigens schon: Das andere Extrem: "NfS Underground 2" wird als pädagogisch wertvoll eingestuft: http://www.netzwelt.de/news/73015-need-for-speed-underground-2.html Reichlich albern das, genau wie die neu entbrannte Diskussion über Killerspiele...
  • Jigsaw schrieb Uhr
    AW: News - Spieletest: Need for Speed Carbon

    Richtig! :wall:
  • Spaceman Spliff schrieb Uhr
    Re: News - Spieletest: Need for...

    Bei der aktuellen Diskussion um das Verbot der sogenannten "Killerspiele" müssten die Politiker konsequenterweise auch ein Verbot der "Raserspiele" fordern. Geschwindigkeitsübertretungen und Unfälle könnten mit einem Verbot bestimmt minimiert werden. Achneee, der Staat kassiert ja mit bei den Protokollen, warum dann verbieten?! ;-))
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Nirgends werden Autos so gründlich recycelt wie bei Electronic Arts. Im zwölften "Need for Speed"-Jahr geht mit "Carbon" der nunmehr zehnte Ableger des Actionrennspiels an den Start. Wie im Vorgänger "Most Wanted" überbieten sich halbseidene Halbstarke mit Pferdestärken. Klar, dass wieder schneller gefahren wird als die Polizei erlaubt - im wahrsten Sinne des Wortes.
http://www.netzwelt.de/news/74852-spieletest-need-for-speed-carbon.html
2006-11-22 16:51:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/nfscarbon_textbild12_1164042300.jpg
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