Inkognito im Internet

Verkehrte Netzwelt: Anonymität macht albern

Manchmal gleichen die unendlichen Weiten des Internets einem gigantischen Kommunikations-Karneval. Leider fördert die allgegenwärtige Anonymität nicht immer das Beste im Menschen zutage. Das harmlose, heimliche Nasebohren, wenn man sich gerade unbeobachtet fühlt, ist nichts gegen das, was inkognito im World Wide Web vorgeht.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Fallstricke der Netzkultur
  2. 2Therapieform Internet-Forum
  3. 3Ich poste, also bin ich
  4. 4Moderator: Job mit Zukunftsperspektive

Fallstricke der Netzkultur

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Vorweg ein gutgemeinter Rat: Bloß nichts persönlich nehmen. Im Gegensatz zur Realität gibt es im Internet nunmal keine Möglichkeit zur nonverbalen Verständigung per Mimik, Gestik oder Tonfall. Zumindest ohne Webcam, Headset, Netztelefon und dergleichen. Irrungen und Wirrungen sind allein deshalb schon so gut wie sicher.

Als prophylaktische Maßnahme gegen mögliche Fehlinterpretationen haben sich unter anderem die kreisrunden Smileys etabliert. Ursprünglich ein zeichnerisch anspruchsloses, gelbgesichtiges Konterfei mit Dauergrinsen, lauert es mittlerweile in unzähligen Variationen wie ein Straßenräuber an sämtlichen digitalen Kommunikationswegen. Zu fast jeder erdenklichen Situation oder Gemütsregung existiert bereits das passende Pendant. Vergleichbar mit den über 80.000 Zeichen der chinesischen Schrift, bloß universell verständlich.

Ohne die glücklichen Grinsegesichter, die inzwischen auch zu einer unglaublichen Masse anderer Emotionen fähig sind, greift heutzutage kaum noch jemand zur Tastatur. Ein möglicher Grund: Die Furcht, missverstanden zu werden. Fehlt das fast schon obligatorische Smiley in E-Mail, Chat-Nachricht oder Forenbeitrag, könnte sich das Gegenüber unfreundlich behandelt, beleidigt oder gar völlig überfordert fühlen. Erst recht, wenn etwas anspruchsvollere Stilmittel wie Ironie oder Sarkasmus ins Spiel kommen:

Person A, weiblich, versucht lustig zu sein, schreibt:
Du könntest Dir ja auch einmal die Haare schneiden.
Person B, männlich, rechnet sich Chancen aus, denkt:
Oh grausames Schicksal, Sie hält mich für einen ungepflegten Hippie! Am besten betrinke ich mich bei der nächstbesten Gelegenheit und suche mir eine andere.

Person A: Du könntest Dir ja auch einmal die Haare schneiden. icon wink
Person B: Hey, sie mag mich, vielleicht könnte sich daraus etwas entwickeln.

Therapieform Internet-Forum

Wer die Tastatur als Mittel zum therapeutischen Frustrations- und Aggressionsabbau verwendet, wirft sie nicht gleich aus dem Fenster oder gegen die nächste Wand. Viel gängiger als auf dem gemütlichen Sofa seines Seelenklempners Platz zu nehmen, ist jedoch, seine angestauten Emotionen schreiberisch loszuwerden. Nicht direkt, sondern auf Kosten anderer. Nicht für sich allein im stillen Kämmerlein, sondern öffentlich sichtbar für jeden, der gerade zufällig vorbeisurft. Erste Adresse: das Internet-Forum.

Im Netzjargon, der lustige Dinge über kryptische Akronyme wie "lol" und "rofl" definiert sowie das Schreiben nach Zahlen hervorbrachte, werden die anonymen Choleriker gemeinhin als "Trolle" bezeichnet. Manchmal ist es erstaunlich, welche starken Gefühlsregungen scheinbar völlig emotionslose Dinge wie Computer-Betriebssysteme hervorrufen können. Wer es nicht glaubt, braucht einfach nur folgende Zeile in das Forum seiner Wahl einzutragen:

Was ist besser: Windows oder Linux?
Forum

Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 3 Beiträge

Ja genau ;-) Und ich schlage mich zusätzlich noch mit der Rute. Grüße Grunzer

sehr amüsant der artikel.

Zitat: Wer es nicht glaubt, braucht einfach nur folgende Zeile in das Forum seiner Wahl einzutragen: Was ist besser: Windows oder Linux? Genau wegen solchen Posts lesen ich...

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