Firma bietet kommerzielle Cracks an
Apples Kopierschutz: Das Ende einer Insellösung?
Jon Lech Johansen war lange Zeit als anarchischer Kopierschutz-Knacker bekannt. Jetzt versucht sich der Finne als Geschäftsmann. Das erste Produkt seiner neuen Firma Doubletwist Ventures: eine Software, die Apples Fairplay-Kopierschutz umgeht.
Der iPod wird in diesen Tagen fünf Jahre alt. Apple verzeichnet mit dem MP3-Player weiterhin einen Marktanteil von knapp 80 Prozent. Als Gründe für den Erfolg werden immer wieder Benutzerfreundlichkeit und Design genannt. Doch Apple wollte sich nicht auf diese beiden Faktoren allein verlassen. Die Firma schuf deshalb um den iPod herum ein hermetisch abgeriegeltes Ökosysten, das iPod-Nutzer langfristig an die eigenen Produkte und Plattformen bindet.
Im Zentrum dieser Bindung steht das Fairplay genannte Digital Rights Management-System (DRM) der iTunes-Plattform. Im iTunes Music Store gekaufte Songs lassen sich nur auf Apples iPod wiedergeben. Gleichzeitig kann der iPod keine Songs in anderen kopiergechützten Musikformaten wiedergeben. Napster-Nutzer können ihre Musik damit nicht ohne weiteres auf den iPod transferieren.
Das besondere Geburtstagsgeschenk
Pünktlich zum iPod-Jubiläum schickt sich nun Jon Lech Johansen an, dieses Ökosystem für andere Firmen zu öffnen. Johansens Firma Doubletwist Ventures bietet ihnen ein Produkt an, dass iTunes und Drittanbietern Zugriff auf Fairplay bietet.
Johansen hat Fairplay dazu per Reverse Engineering analysiert und gewissermaßen von Grund auf nachgebaut. Seine Software kann nun andere Songs in das Fairplay-Format konvertieren, sodass sie auf dem iPod wiedergegeben werden können. Mit Kopierschutz, aber ohne Apples Segen.
Eine weitere Komponente erlaubt den umgekehrten Musiktransfer: Apple-Kunden können damit ihre iTunes-Songs in andere kopiergeschützte Musikformate konvertieren. Damit wäre es zum Beispiel möglich, Downloads aus dem iTunes Music Store auf einem MP3-Player von Creative wiederzugeben.
Keine Angst vor Apple
Diese Software will Doubletwist Ventures nun an andere Firmen lizenzieren, die sie in ihre eigenen Produkte integrieren können. Denkbar wäre zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit einem Online-Musikanbieter. So versuchte RealNetworks bereits vor zwei Jahren, seine Musik-Plattformen per Reverse Engineering iPod-kompatibel zu machen.
Damals warf Apple-Chef Steve Jobs der Firma Hacker-Methoden vor. Johansen scheint allerdings keine Angst vor Jobs und seinen Anwälten zu haben. Gegenüber der US-Wirtschaftszeitschrift Fortune Magazine erklärte er dazu jetzt, die Produkte seiner Firma seien vollkommen legal. "Das Gesetz schützt Urheberrechte", so Johansen. "Aber es bindet dich nicht an den iPod."

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