Sie sind hier:
 

Verkehrte Netzwelt: Drogen am Arbeitsplatz
Komme heute nicht zur Arbeit! Gruß, dein zentrales Nervensystem

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Hereinspaziert, hier gibt's den harten Stoff. Auf irgendeine Art und Weise sind wir doch alle Junkies, ständig auf der Suche nach lähmenden oder aufbauenden Substanzen. Nicht zuhause, sondern an dem Ort, an dem wir die meiste Zeit des Tages verbringen - am Arbeitsplatz. Den Vorgesetzten im Rücken, erklärt netzwelt Vor- und Nachteile von vier weitverbreiteten Drogen.

Hereinspaziert, hier gibt's den harten Stoff. Auf irgendeine Art und Weise sind wir doch alle Junkies, ständig auf der Suche nach lähmenden oder aufbauenden Substanzen. Nicht zu Hause, sondern an dem Ort, an dem wir die meiste Zeit des Tages verbringen - am Arbeitsplatz. Den Vorgesetzten im Rücken, erklärt netzwelt Vor- und Nachteile von vier weitverbreiteten Drogen.

Immer die gleich monotone Arbeit, der Chef ein Langweiler vor dem Herrn, die Kollegen eine Herde mobbender Schafe, allesamt blökende Ja-Sager. Kein Wunder, dass Ihre Moral auf dem Tiefpunkt angelangt ist. Entspannen Sie sich. In der richtigen Dosierung kann die ein oder andere Droge Sie aus dem Alltagstrott herausreißen. Aber Vorsicht - kein Rausch bleibt folgenlos, kein Kick kommt mit blütenweißer Weste.

Kaffee

Wie? Sie glauben Kaffee sei gar keine Droge, dazu völlig harmlos? Falscher Dampfer - denn genau wie zum Beispiel Kokain und Amphetamine stimuliert auch das gute alte Koffein das zentrale Nervensystem. Machen Sie doch einfach mal einen Feldversuch: Gehen Sie sonntagabends schon so richtig früh zu Bett, damit Sie am Montag nach dem Vorgesetzten, aber vor den Kollegen, der Allererste im Büro sind. Anschließend verstecken Sie das Kaffeepulver in Ihrer Schublade.

Wenn bei Ihnen im Büro einen Kaffeeautomat für aufputschende Stimmung sorgt, manipulieren Sie diesen einfach mit ein paar Handgriffen. Oft hilft es bereits, den Netzstecker unauffällig zu lösen oder den Schlitz für den Geldeinwurf mit einer Klammer zu blockieren. Sie werden überrascht sein, wie der menschliche Bürokörper auf erzwungenen Koffein-Entzug reagiert.

Richtig dosiert, kann Kaffee nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft aber getrost als Wundermittel bezeichnet werden. Denn ohne die braune Suppe sinken nicht nur Produktivität und Aufnahmebereitschaft wie Aktienkurse während des Börsencrashs. Auch die allgemeine Motivation der Mitarbeiter würde darunter leiden.

Mittlerweile spricht man der Pflanze mit den kirschartigen Früchten mehr positive als negative Eigenschaften zu. Unter anderem soll Kaffee helfen, Nierenkrebs zu verhindern, antidepressiv wirken und gut gegen Lebererkrankungen sein. Auch die These, Kaffee wirke entwässernd auf den Körper, gilt als widerlegt.

Zigaretten

Tabak, das alte Nachtschattengewächs: Kaum eine andere Droge spaltet die Menschen so sehr in zwei Lager wie das inhalierbare Kraut der Ureinwohner Amerikas. Laut eines EU-Beschlusses dürfen Unternehmen neuerdings sogar Job-Suchende ablehnen, die zugeben, ab und zu zum Glimmstengel zu greifen. Diskriminierend? Vorgesetzte greifen sofort zum Notizblock und stellen eine einfache Rechnung auf: Wer während der Arbeitszeit zehn Zigaretten raucht und für jedes Lungenbrötchen sechs Minuten benötigt, ist am Arbeitstag exakt eine Stunde lang mit Rauchen statt mit produktiver Arbeit beschäftigt.

"Nikotin ist eine der am schnellsten süchtig machenden Substanzen. Es hat nicht nur psychostimulierende Wirkungen wie Kokain oder Amphetamin, sondern stößt im Gehirn die gesamte Breite der Neuromodulatoren an und wirkt wie der Dirigent in einem Konzert auf viele Instrumente ein", erläuterte Professor Lutz Schmidt aus Berlin auf der 2. Nikotin-Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung in Erfurt (Quelle: Wikipedia.de). Fangen Sie am besten also gar nicht erst mit dem Rauchen an.

Auf der anderen Seite kommen die besten Ideen oft genug eben nicht vom runden Tisch im Konferenzsaal, sondern aus der schmuddeligen Raucherecke. Denn Rauchen bedeutet Kommunikation, vermittelt das Gefühl einer bestimmten Gruppe anzugehören. Zwar liegen Benzol, Formaldehyd, Blausäure und eine Unmenge anderer Substanzen auf Dauer so schwer im Magen und anderen Organen wie Briefbeschwerer auf Rechnungen. Dafür belohnt Sie Ihr Gehirn mit der Ausschüttung von Glückshormonen. Und vielleicht haben Sie ja irgendwann den einen Geistesblitz, der Sie und Ihre Firma ganz weit nach vorne bringt.

Alkohol

Große Teile der arbeitenden Bevölkerung kommen ohne einen gewissen Grundpegel erst gar nicht aus dem Bett. Nicht umsonst gibt es den guten Frühstückskorn. Bundesweiten Schätzungen zufolge sind über fünf Prozent aller Beschäftigten alkoholabhängig. Alkoholsüchtige sind auch wesentlich häufiger krank und bleiben der Arbeit viel häufiger fern als ihre trockenen Kollegen.

Sofern der Arbeitgeber den Umgang mit dem flüssigen Zugenlockerer nicht ausdrücklich vertraglich geregelt hat, gibt es nicht einmal ein Gesetz, welches den Alkoholkonsum am Arbeitsplatz verbietet. Nur wer die Pflichten aus dem Arbeitsvertrag auf Grund von übermäßigem Ins-Glas-Schauen verletzt, muss mit Konsequenzen rechnen.

Geben Sie sich aber keinen Illusionen hin - allzu viele positive Effekte bringt das Glas Schnaps oder die Packung Pralinen am Arbeitsplatz nicht mit sich. Allerhöchstens lockert sich Ihre Zunge, Sie sagen Dinge, die Sie sonst besser für sich behalten hätten und schauen den knapp verhüllten Beinen der Sekretärin nur noch intensiver hinterher. Daher greifen Sie lieber zur Zigarette oder dem Kaffee, denn die dort enthaltenen Stoffe sind zwar ebenfalls schädlich, immerhin bringen sie eventuell aber einigen Nutzen mit sich. Wenn auch kurzfristig.

Cannabis

Dem Manager die Line auf der Toilette, dem Zivi und Lehrling das Pausentütchen. Laut Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. konsumieren etwa 270.000 Deutsche regelmäßig Cannabis, jeder Vierte gibt an, es schon einmal ausprobiert zu haben. Viele davon dürften sich in einem festen Arbeitsverhältnis befinden.

Im Gegensatz zum Gift der meist tolerierten Zigaretten hält die Wirkung eines Joints wesentlich länger an. Je nach Dosierung kann man bis zu vier Stunden Spaß am Arbeitsplatz haben oder für den gleichen Zeitraum in eine depressive Stimmung verfallen.

Denn die Wirkung hängt sehr stark von der Grundstimmung ab. Fühlt man sich gut, geht es einem nach dem Rauchen besser, ist man hingegen in schlechter Stimmung, wird diese durch den Cannabis-Konsum verstärkt. Im günstigsten Falle entspannen Sie sich, werden ruhig und kreativ, fangen zu kichern an. Breit wie ein Scheunentor laufen Sie je nach körperlicher und geistlicher Verfassung aber genauso schnell aus der Spur wie zerkratzte Bob-Marley-Platten auf dem alten Plattenspieler. Außerdem dürften die mit Sicherheit folgenden Essanfälle Sie auf Dauer nicht gerade attraktiver für das andere Geschlecht machen.

Die große Moralkeule

An dieser Stelle sollte die große Moralkeule kommen, der warnende Zeigefinger, der Sie davon abhält, als ein anständiger Bürger dieses Staates auch nur eine einzige der angesprochenen Drogen auszuprobieren. Denn eines steht fest: Mitarbeiter des Monats werden Sie nicht, wenn die Augen vor dem Bildschirm, an der Kasse, hinter dem Lenkrad oder an der Maschine sich zu einem engen Schlitz zusammenziehen, der Schweiß die Schläfe herunterläuft, Uppers und Downers im neurologischen Wettrennen in Ihrem Kopf abwechselnd die Führungsposition übernehmen.

Auf der anderen Seite, was wäre das Arbeitsleben ohne die erste Zigarette, den ersten Kaffee am Morgen, den kurzem Trip auf der Toilette oder dem Glas Korn nach einem guten Essen? Zumindest die beiden letztgenannten Drogen gehören aber eher auf die Betriebsfeier als zum normalen Ritus am Arbeitsplatz.

Schon einmal bekifft zur Arbeit gekommen, besoffen Verkaufsgespräche geführt oder dank übermäßigem Kaffeegenuss eine Klausur verhauen, weil niemand die verwackelte Schrift lesen konnte? Teilen Sie Ihre Einstellung zum Thema Drogen am Arbeitsplatz mit anderen Lesern in unserem Forum.

Kommentare zu diesem Artikel

Hereinspaziert, hier gibt's den harten Stoff. Auf irgendeine Art und Weise sind wir doch alle Junkies, ständig auf der Suche nach lähmenden oder aufbauenden Substanzen. Nicht zuhause, sondern an dem Ort, an dem wir die meiste Zeit des Tages verbringen - am Arbeitsplatz. Den Vorgesetzten im Rücken, erklärt netzwelt Vor- und Nachteile von vier weitverbreiteten Drogen.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!
  • sn00py603 schrieb Uhr
    AW: News - Verkehrte Netzwelt: Drogen am Arbeitsplatz

    Ja ja, halb besoffen ist rausgeschmissenes Geld... Spass beiseite, Drogen und Alkohol haben weder am Arbeitsplatz, noch im Strassenverkehr etwas zu suchen.
  • derDenker schrieb Uhr
    AW: News - Verkehrte Netzwelt: Drogen am Arbeitsplatz

    Einmal bekifft zur Arbeit,hui, nur noch 10% der normalen Arbeitsleistung!Nie wieder!(jedenfalls auf der Arbeit)
  • dadog schrieb Uhr
    Re: Re: Re: Re: Re: News -...

    Wie rappten die Fanta4 schon 1992 ? Alkoholika, dass sind unsre Drogen, ach was heisst hier Drogen, ist doch eh alles verlogen. well said
  • dadog schrieb Uhr
    Re: Re: Re: Re: News -...

    Zitat :Es gibt genügend Leute, die durch eine genetische Veranlagung nach der ersten "Tüte" Psychosen entwickelt haben. Das halte ich schlicht und ergreifend für eine PROPAGANDALÜGE. Zur Lektüre empfehle ich Bücher von Hans-Georg Behr und Jack Herer, erschienen im 2001 Verlag (wo sonst ?) Als Musik empfehle ich JJ Cale´s Song ´Days go by` vom Album Guitarman.
  • :-) schrieb Uhr
    Re: Re: Re: News - Verkehrte...

    Was aber definitiv nicht in die Aufzählung reingehört, ist Kaffee. Bei mäßigem Kaffegenuß überwiegen beim Gesunden die positiven Aspekte von Kaffee. Klar, jeder versucht seine eigene Droge heruter zu spielen ;-)
  • Chlorgas schrieb Uhr
    Re: Re: Re: Re: Re: Re: News -...

    Wer weiß! Aber Recht hat er! Alles im gesundem Maß! Cu
  • Anonym schrieb Uhr
    Re: Re: Re: Re: Re: News -...

    War das jetzt der Wink mit dem Zaunpfahl für bestimmte Kollegen, Herr Administrator???
  • GreasySpoon schrieb Uhr
    Re: Re: Re: Re: News -...

    Vielleicht hätte auch mancher Amoklauf durch keine Drogen vermieden werden können...
  • Peter Frade schrieb Uhr
    Re: Re: Re: News - Verkehrte...

    Jeder soll machen was er will... Und solang keine unschuldigen Leute mitrein gezogen werden sollte es keinen kümmern... Vllt hätte mancher Amoklauf durch ein Tütchen gestoppt werden können ;)
  • Anonym schrieb Uhr
    Re: Re: News - Verkehrte...

    ein tütchen nach feierabend oder am wochenende muss schon sein ^^ Sein müssen muß gar nix. Auch von "Tütchen" geht eine Gefahr aus, da gibt es gar nix zu diskutieren. Es gibt genügend Leute, die durch eine genetische Veranlagung nach der ersten "Tüte" Psychosen entwickelt haben. Und ob man die hat, kann keiner wissen. Kein Grund zur Verharmlosung also... Was aber definitiv nicht in die Aufzählung reingehört, ist Kaffee. Bei mäßigem Kaffegenuß überwiegen beim Gesunden die positiven Aspekte von Kaffee. Ansonsten ist mit Drogen am Arbeitsplatz nicht zu spaßen.
netzwelt Live

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

article
18611
Verkehrte Netzwelt: Drogen am Arbeitsplatz
Verkehrte Netzwelt: Drogen am Arbeitsplatz
Hereinspaziert, hier gibt's den harten Stoff. Auf irgendeine Art und Weise sind wir doch alle Junkies, ständig auf der Suche nach lähmenden oder aufbauenden Substanzen. Nicht zuhause, sondern an dem Ort, an dem wir die meiste Zeit des Tages verbringen - am Arbeitsplatz. Den Vorgesetzten im Rücken, erklärt netzwelt Vor- und Nachteile von vier weitverbreiteten Drogen.
http://www.netzwelt.de/news/74742-verkehrte-netzwelt-drogen-arbeitsplatz.html
2006-10-28 13:49:00
News
Verkehrte Netzwelt: Drogen am Arbeitsplatz