Internetstars: Von Star Wars Kids und Lonelygirls

Unterhaltungsindustrie: Virales Marketing als Werbestrategie

Dass man eine Internetkarriere inzwischen auch versilbern kann, bewies die "Grup Tekkan". Ihr zunächst bei Youtube als Video veröffentlichter Popsong "Wo bist du mein Sonnenlicht" schaffte es trotz oder gerade wegen vieler schiefer Töne immerhin bis in die Charts.

Das beste Beispiel dafür, dass durchaus auch anspruchsvolle Musik über das Internet zu ungeahnter Popularität gelangen kann, ist die britische Indie-Band "Arctic Monkeys": Weil sich deren kostenlos im Internet veröffentlichten Songs wie ein Lauffeuer verbreiteten, erhielt die vierköpfige Truppe schnell einen Plattenvertrag. Allein im Januar dieses Jahres verkaufte die Indie-Rockband mehr als 360.000 Exemplare ihres Debütalbums "Whatever People Say I Am, That's What I'm Not", das seitdem den Titel "fastest selling debut album ever" in Großbritannien trägt.

Auch die amerikanische Band "Clap your hands and say yes" verdankt dem Internet zumindest zum Teil ihren Erfolg: Ihr Debütalbum bot die Gruppe mangels Plattenvertrag zunächst ausschließlich über das World Wide Web an und übernahm auch selber den Vertrieb. Inzwischen stehen die CDs der Folk-Gruppe auch in den Regalen jedes gut sortierten Plattenladens.

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Inzwischen hat auch die Unterhaltungsindustrie verstanden, dass sich gute Unterhaltung im Internet schnell herumspricht. Mit dem so genannten viralen Marketing nutzen Plattenbosse und Filmproduzenten das World Wide Web als Werbeplattform.

Obwohl die britische Popsängerin Lily Allen beispielsweise bereits einen Vertrag mit der Plattenfirma EMI hatte, veröffentlichte sie ihre ersten Songs zunächst im Internet bei Myspace. Inzwischen haben Internetnutzer dort die Lieder mehr als 4,5 Millionen Mal abgerufen. Den Verkaufszahlen der später veröffentlichten CDs tat das keinen Abbruch: Ihre Debüt-Single "Smile" schaffte sofort den Sprung an die Spitze der Single-Charts.

Lonelygirl15: Schauspielerin narrt Youtube-Community

Einen ähnlichen kommerziellen Erfolg erhoffen sich die Macher von Lonelygirl15: In einem Video-Blog bei Youtube hatte die 16-jährige Bree seit Juni 2006 von ihrem Leben in ihrer langweiligen Heimatstadt, den Streitereien mit ihrem strengen Vater und der keimenden Liebe zu ihrem Freund Daniel berichtet.

Das erste Lonelygirl15-Video: Die Schauspielerin Jessica Rose mimt bei Youtube die Unschuld vom Lande. Hunderttausende Internetnutzer schauen zu.

Doch als Verdächtigungen immer lauter wurden, bei der Serie handele es sich um einen Fake, gaben die Macher um die Schauspielerin Jessica Rose den fiktionalen Charakter des Videoblogs zu. Dem Erfolg tut diese vorsätzliche Täuschung der Community bislang keinen Abbruch: Auch nach dem Outing schauen sich Hunderttausende Internetnutzer aus der ganzen Welt jede neue Videobotschaft von Bree an. Im Monat Oktober war der Youtube-Channel der erfolgreichste überhaupt bei dem Videodienst mit mehr als drei Millionen Abrufen. Indem sie die Videos nun auch auf einer eigenen Website veröffentlichen, wollen die Macher jetzt auch Geld mit dem Internethype verdienen.

Doch auch wenn Lonelygirl15 als Internet-Fake entlarvt ist, hat der Fall ein Problem offenbart: Ob ein Internetstar authentisch ist oder zu Marketingzwecken nur eine Rolle spielt, lässt sich inzwischen nur noch schwer sagen. Weil dank Youtube und Co. inzwischen jeder Texte, Bilder und Videos veröffentlichen kann, entfällt eine regulierende Instanz: Fernsehsender oder Zeitungen überprüfen mehr oder weniger gründlich, was sie veröffentlichen, nicht zuletzt, um ihren guten Ruf zu wahren. Bei Youtube, wo Internetnutzer täglich mehr als 50.000 Videos hochladen, sind solche Kontrollen undenkbar. So verschwimmt im World Wide Web die Grenze zwischen Schein und Sein.

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