Mit dem Flash-Editor zum Netz-Popstar
Splicemusic: Die Online-Remix-Community
Janko Röttgers
Splicemusic.com verspricht Musikproduktionen im Handumdrehen. Die Webseite bietet dazu einen Online-Song-Editor, einen stetig wachsenden Sample-Pool und Möglichkeiten zum Austausch mit Gleichgesinnten.
So manch einer kämpft mit einem schaurigen Kindheitstrauma, wenn im Spätsommer die ersten Schoko-Weihnachtsmänner im Supermarkt auftauchen. Neben nicht erfüllten Wünschen dabei ganz oben auf der Liste der unangenehmen Erinnerungen: das gemeinsame Musizieren unterm Weihnachtsbaum. Eine schräge Ohrenquälerei, mit der die schwerhörige ältere Verwandschaft unterhalten werden sollte. Grund genug, später im Leben nie wieder ein Musikinstrument in die Hand zu nehmen.
Zum Glück gibt es auch Möglichkeiten, ganz ohne Triangel und Blockflöte Musik zu machen. Ein gutes Mittel gegen lang gehegte Musizier-Phobien ist die Webseite Splicemusic.com, die jedem das Produzieren und Remixen von Songs im Netz erlaubt.
Rappen mit dem Headset
Splicemusic setzt dazu auf ein Flash-Interface, das die Funktionen eines klassischen Sequenzers online bringt. Auf acht Spuren können die verschiedensten Samples miteinander kombiniert werden, bis daraus ein kompletter Song geworden ist. Nutzer können außerdem direkt per Flash eigene Samples aufnehmen - prima, um dem inneren Rapper mal mit dem Headset-Mikrofon freien Lauf zu lassen.
Splicemusic
SplicemusicAllzu komplexe Klangbearbeitungsmöglichkeiten darf man sich von einem Flash-Interface natürlich nicht versprechen. Splicemusic kommt ganz ohne Effekte oder aufwändige Equalizer aus. Wer seine Samples unbedingt bearbeiten will, kann dies auf dem eigenen Rechner tun. Jede Klang-Datei steht als MP3 zum Download bereit.
Samples mit Creative Commons-Lizenz
Kostenlose MP3s gibt es auch von den Songs aller anderen Splicemusic-Nutzer. Doch damit nicht genug: Jeder Song, der auf der Plattform erstellt und abgespeichert wird, lässt sich ganz einfach remixen. Jedes hochgeladene Sample steht zudem allen zur Nutzung bereit. Splicemusic setzt dazu auf Creative Commons-Lizenzen, um Streitereien gleich von vornherein aus dem Weg zu gehen. Wer talentiert genug ist, kann seine auf Splicemusic erstellten Songs theoretisch sogar kommerziell nutzen.
Die Website hat erst im August die Pforten für ihren Beta-Test eröffnet. An der ein oder anderen Stelle merkt man der Site denn auch noch die ein oder andere Kinderkrankheit an. So laden die Flash-Komponenten oftmals sehr langsam, und manchmal geht einfach gar nichts mehr.
Die Splice-Community scheint das alles nicht zu stören - und das ist es denn auch, was Splicemusic wirklich auszeichnet. Musikfans kollaborieren, remixen gegenseitig ihre Tracks und geben sich Tipps zum Perfektionieren des eigenen Sounds. Mehr Spaß als das Musizieren unterm Tannenbaum macht das allemal.
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