Ergonomie-Ratgeber für den Computer-Schreibtisch
Ergonomie am Arbeitsplatz: Sitzen für Fortgeschrittene
Benjamin Schnitzler
Mit derartigen Missständen muss sich allerdings niemand abfinden, denn immerhin haben Arbeitnehmer ein Recht auf ergonomische Arbeitsplätze. Obwohl es theoretisch möglich wäre, einen solchen einzuklagen, ist von der juristischen Holzhammer-Methode eher abzuraten. Ein erster Schritt sollte sein, den Arbeitgeber auf die Problematik hinzuweisen. Ist dieser nicht in der Lage, den Arbeitsplatz fachgerecht zu beurteilen, sollte ein entsprechender Gutachter diese Aufgabe übernehmen. Dafür kann man sich entweder an die Berufsgenossenschaften, arbeitsmedizinischen Dienste, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder Betriebsärzte wenden.
Wer nicht gleich beim Boss-Büro anklopfen möchte, kann vorher einen so genannten Bildschirmfragebogen ausfüllen. Das Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V., kurz ASER, stellt einen solchen auch online bereit und vermittelt in der anschließenden Auswertung sogar gesetzliche Vorgaben nebst passenden Erklärungen und praktischen Tipps, um das Arbeiten angenehmer zu gestalten. Den Link zum Bildschirmfragen finden Sie in der Linkbox unter diesem Artikel.
Bewegung bitte: Quasimodo-Prophylaxe
"Alles, was lange und einseitig anhält, ist Gift für den Rücken", meint Joachim Jakob, praktizierender Physiotherapeut und Yoga-Lehrer aus Bonn. Über 90 Prozent der Rückenprobleme seiner Kundschaft sind auf Fehlhaltungen zurückzuführen, hauptsächlich hinter dem Bildschirm. Denn übermäßig langes oder falsches Sitzen führe zu einem muskulären Ungleichgewicht des gesamten Körpers. "Ein gesunder Rücken lebt von einer guter Beweglichkeit der Wirbelsäule und einem kräftigen, dehnbaren Muskelkorsett." Wichtig dafür sei ein gesunder Wechsel von Anspannung und Entspannung: Zwischendurch regelmäßig aufstehen, gehen, bewegen, dehnen, strecken oder auch einfach einmal im Stehen telefonieren.
All diese Dinge tun dem Körper gut und können durchaus dafür sorgen, dass man besser durchschläft und pro Arbeitsstunde keine fünf Tassen Kaffee mehr als Treibstoff benötigt. Bildschirmarbeiter sollten sich außerdem nicht davor scheuen, ihren Chef auf eventuelle Missstände am Sitzplatz hinzuweisen. Denn schließlich profitiert auch der Arbeitgeber davon, wenn die Mitarbeiter gesund und munter sind. Eine gute Adresse für weiterführende Informationen zum Thema Ergonomie am Arbeitsplatz ist die Website der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des eingetragenen Vereins "Aktion Gesunder Rücken". Diese und mehr finden Sie wie immer in der Linkbox unter diesem Artikel.
Unter uns: Im Bonner netzwelt-Büro sitzt übrigens niemand an einem ergonomisch perfekt abgestimmten Arbeitssplatz. Das zumindest wurde beim Verfassen dieses Artikels deutlich. Ob allerdings die plötzlichen Phantom-Schmerzen, die jeden Redakteur nach dessen Lektüre in diversen Körperteilen befielen, wirklich physischen Ursprungs waren, darf bezweifelt werden.
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