Ergonomie-Ratgeber für den Computer-Schreibtisch
Ergonomie am Arbeitsplatz: Sitzen für Fortgeschrittene
Benjamin Schnitzler
Wer Dauergast beim Augenarzt oder Orthopäden ist, an krankhaftem Kaffee-Konsum leidet oder ständig Kopf- und Rückenschmerzen mit nach Hause bringt, macht irgendetwas falsch. Der übliche Verdächte: ein ungesunder Arbeitsplatz. Egal ob man zu Hause oder im Beruf vor dem Bildschirm sitzt, es gibt kaum einen Ort, wo mehr falsch gemacht wird. Abgesehen vom deutschen Straßenverkehr vielleicht.
Netzwelt hat Experten von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und der Uni-Klinik Bonn sowie einen Physiotherapeuten zum Thema Ergonomie am Arbeitsplatz befragt. So abgedroschen der Obergriff zunächst klingen mag, so wenig wissen die meisten Menschen wirklich darüber. Eine Halbwahrheit jagt die nächste, Möchtegern-Spezialisten machen alles nur noch schlimmer, schmerzende "Mausarme" sind gang und gäbe. Dabei muss es gar nicht schwer sein, der Gesundheit etwas Gutes zu tun.
Inhalt
- Haltung bewahren: Stuhl und Schreibtisch
- Finger weg von Flimmerkisten: Monitor-Manieren
- Nichts für Unterbelichtete: Die richtige Beleuchtung
- Für Eingeber: Maus und Tastatur
- Bloß kein Stress: Lärm und PC-Lautstärke
- Arbeit verpflichtet: Tipps für Chefs und Angestellte
- Bewegung bitte: Quasimodo-Prophylaxe
Haltung bewahren: Stuhl und Schreibtisch
Weniger kommt es bei der Wahl des richtigen Stuhls und Schreibtisches auf die pure Masse an Verstellmöglichkeit an, solange jeder Bildschirmarbeiter seine optimale Sitzposition findet. Bei wechselnden Arbeitsplätzen in effizienz-orientierten Unternehmen tut der Job-Geber allerdings gut daran, davon eine ausreichende Anzahl anzubieten. Schließlich steigert es nicht gerade die Arbeitsmoral, wenn ein breitschultriger Zwei-Meter-Mann wegen eines zu niedrigen Stuhls jedesmal ins scheinbar Bodenlose fällt oder eine zierliche Sekretärin mit einem Meter sechzig die Tischplatte bloß in der Ferne erahnt.
Dr. Koch von der Orthopädischen Uni-Klinik Bonn kennt sich aus und hat für uns einige nützliche Tipps parat. Schließlich landen bei ihm unter anderem diejenigen, die sich mit den Folgen einer schlechten Haltung herumplagen müssen. Zunächst sollten die Unterarme möglichst gerade so auf dem Tisch aufliegen, dass nicht sämtlicher Druck auf den empfindlichen Handgelenken lastet. Wenn der Schreibtisch das nicht hergibt, sollte der Stuhl dies durch Armlehnen wieder kompensieren. Für eine gute Durchblutung der Beine empfiehlt sich ein annähernd rechter Winkel, während der Armwinkel ruhig etwas mehr als 90 Grad betragen darf.

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Gütesiegel für rückengerechte Produkte
Stocksteif mit geradem Rücken auf ein und demselben Fleck zu verharren, nutzt der Wirbelsäule herzlich wenig - ganz im Gegenteil. Man sollte zwar gerade sitzen, sich zwischendurch aber auch einmal nach hinten oder vorne bewegen. Am besten mit einer mitschwingenden, anatomisch geformten Lehne im Rücken. Weiterhin sorgt eine so genannte Sitztiefenfederung für Entlastung, da sie harte Stöße auf die Wirbelsäule abfängt. Auf der letzten Stuhlkante hat der Allerwerteste nichts zu suchen, vielmehr sollten die Oberschenkel durch das Sitzpolster entlastet werden.
Finger weg von Flimmerkisten: Monitor-Manieren
Am 4. Dezember 2006 gilt die Bildschirmarbeitsschutzverordnung, kurz BildscharbV, bereits seit immerhin zehn Jahren. Grob gesagt regelt sie die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten, doch was bedeutet das genau? Wie der Name schon besagt, spielt dort der Bildschirm eine große Rolle. Allerdings lässt der gewollt weitläufige Umriss des überaus wichtigen Themas noch eine Menge Raum für Fehleinkäufe und Spekulationen.
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