"Your World. Your Imagination": Alles ist möglich
Second Life: Die ersten Schritte in einer anderen Welt
Fabian Parusel
Nachdem mich die nette Frau, wenn es denn eine Frau war, mit Kleidung eingedeckt hatte, konnte ich meinen Avatar konfigurieren. Doch nicht nur durch Kleidung ist eine Individualisierung möglich. Jedes Körperdetail kann verändert werden: Von der Länge der Nase bis zur Beule in der Jeans. Zu Beginn wählt jeder Spieler aus einem von sechs verschiedenen Körper-Layouts, darunter auch Anime-Figuren für Japaner und andere Comic-Fans.
Noch vor zehn Jahren war es technisch undenkbar, eine virtuelle Welt zu etablieren, an der jeder teilnehmen kann. Zu dieser Zeit kamen die ersten Virtual-Reality-Brillen auf den Markt, mit denen eine sehr schematische Landschaft dargestellt werden konnte. Grafisch bietet "Second Life" keine Meilensteine, aber eine durchaus ansehnliche Optik, die jedoch nicht gerade sparsam mit Ressourcen umgeht. Ein schneller Rechner mit neuer Grafikkarte ist Voraussetzung für die Expedition in die Computerwelt.
Was in der realen Welt nicht überall Gültigkeit hat, ist oberstes Prinzip von "Second Life" (SL). Alle sind gleich, und Diskriminierung wird nicht geduldet. Bevor sich die Pforte zur virtuellen Welt öffnet, wird jeder Spieler auf die "Big Six" hingewiesen: Sechs Grundregeln für das Miteinander in SL. Die erste und wichtigste Regel lautet Toleranz. Niemand darf aus irgendwelchen Gründen ausgeschlossen werden.
Die Anmeldung und der Basis-Account sind kostenlos. Geld verdient LindenLab mit dem Verkauf von virtuellen Grundstücken und anderem digitalen Gut. Die Spieler selbst können durch die Programmierung von Skripten Gegenstände und Gebäude erschaffen oder designen. Bezahlt werden diese Dinge in der eigens eingeführten Währung namens LindenDollar.
Wie in der richtigen Marktwirtschaft entwickelt sich der Kurs der Währung aus Angebot und Nachfrage (Klick vergrößert).
Der LindenDollar ist offizielles Zahlungsmittel innerhalb von SL. Das interessante daran ist, dass der LindenDollar jederzeit in reales Geld getauscht werden kann. Es kann demnach echtes Geld mit virtuellen Waren verdient werden. Etwa vergleichbar mit dem Handel von Gold aus "World of Warcraft" bei eBay. So gelang es einer Frau aus Hessen mit dem Handel virtueller Grundstücke einen Gegenwert von 200.000 US-Dollar zu erwirtschaften. Ein US-Dollar entspricht in etwa 275 LindenDollar. Je nach Marktlage.
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