Lüfter des Wahnsinns

Verkehrte Netzwelt: Don Quichotte digital

Schon einmal versucht, Ihren PC leiser zu machen? Nein? Dann fangen Sie besser gar nicht erst an - außer hunderten von Euro und den letzten Nerv könnte es Sie auch den Verstand kosten. Willkommen in der Welt eines Silent-Fanatikers.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1Verhängnisvolle Einschlafstörung
  2. 2Heiß, heiß Baby
  3. 3Neurosen-Nachschub
  4. 4Endstation Gummizelle?

Schon vor Jahren fing es an, ich ahnte noch nichts von meinem späteren Schicksal. Völlig harmlos zunächst, in einer gemütlichen Studenten-WG. Mit dem ersten Kontakt zu DSL-Flatrate und Internet-Tauschbörse keimte in mir der Wunsch, meinen PC über Nacht laufen zu lassen, um mich nächstmorgig an fertigen Riesen-Downloads zu erfreuen. Dies setzt allerdings voraus, neben dem PC einzuschlafen, dessen Geräuschkulisse man bei 15 Quadratmeter Zimmergröße nur schwer entgehen kann. Als alternativer Aufstellort war die Küche denkbar ungeeignet, denn wer will schon ständig klebrige Cola und Bindfäden aus zähem Pizza-Käse vom heißgeliebten Rechner kratzen.

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Verhängnisvolle Einschlafstörung

Wie in den meisten Fällen kam dem Willen nach Veränderung eine schlechte Erfahrung zuvor. Eines Abends unternahm ich den folgenschweren Versuch, den PC ungeachtet der bevorstehenden Frühmorgens-Vorlesung über Nacht laufen zu lassen. Das Ergebnis: Am nächsten Tag hing ich am Kaffeeautomaten der Uni wie ein Junkie an der Nadel. Schuld an der Schlafstörung waren ein paar fiese kleine Lüfter, die im Innern des Rechners fröhlich ihre Arbeit verrichteten. Da wurde mir klar, dass ich gegen sie zu Felde ziehen musste. Die offensichtliche Analogie zu Don Quichottes ausweglosem Kampf gegen übermächtige Windmühlen hätte mir eigentlich zu denken geben müssen. Tat sie aber nicht.

So fing ich an, einen Störenfried nach dem anderen systematisch auszumerzen. Zuerst musste die Stromversorgung dran glauben und einem lüfterlosen Netzteil weichen. Schließlich, so dachte ich jedenfalls in meinem jugendlichen Leichtsinn, sei die schlimmste Lärmquelle damit verbannt und ich könnte endlich in Ruhe durchschlafen. Doch es kam ganz anders. Anstatt mich über den nun zweifelsohne deutlich leiseren PC zu freuen, sicherte sich der nächstlautere Lüfter meine Aufmerksamkeit. Diesmal blies mir ein Winzling scheinbar voller Schadenfreude von der Grafikkarte entgegen. Einen Tag später segnete auch er das Zeitliche und segelte in die nächste Mülltonne. Dass ich durch das Festkleben des neuen Passivkühlers jeglichen Garantieanspruch verlor, ließ mich völlig kalt.

Heiß, heiß Baby

Wirklich zufrieden war ich mit dem Resultat aber immer noch nicht, denn eine Nervensäge blieb noch übrig. Die letzte Windmühlen-Bastion, gerade mal 80 Millimeter groß, aber in meinen hypersensiblen Ohren das pure technisierte Böse. Leider bestand zu diesem Zeitpunkt noch keine Möglichkeit, den Prozessor ohne Lüfter ausreichend abzukühlen. Also blieb mit nichts anders übrig, als den vorhandenen gegen das langsamste und leiseste Exemplar zu tauschen, das ich finden konnte. Ungeachtet der gutgemeinten Warnungen des Verkäufers, der mich in aller Höflichkeit auf die schwache Leistung meiner Neuanschaffung hinwies. Immerhin ist der Kunde ja König und soll später in Kauflaune statt mit durchgebrannten Einzelteilen wiederkehren.

Tatsächlich blieb die Lust am Geldausgeben auch weiterhin ungebrochen - nicht dass ich es mir als Student hätte leisten können, tagtäglich beim PC-Händler um die Ecke einzukaufen. Vielmehr sah ich es als essentielle Notwendigkeit, um auf Dauer eine fruchtbare Koexistenz mit meinem Computer einzugehen. Obwohl jetzt nur noch ein kaum hörbarer Lüfter einsam seine Runden drehte, gewann mein Drang nach akustischer Perfektion wieder die Oberhand. Wie unter Zwang zauberte ich weitere 150 Euro für ein schallschluckendes Gehäuse aus meinem Dispo, den ich nunmehr mit fast 400 Euro strapazierte.

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Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 7 Beiträge

sehr geil! Immer schön wenn man liest, dass es jmd anderen auch so geht / ging... :-)

Hy, hab 2 Home PC´s... eine Höllenmaschine und ein Wohnzimmer PC. Die Höllenmaschine macht ihrem Namen alle Ehre, in punkto Leistung genauso wie in Punkto Lautstärke. Mein Wohnzimmer PC hält sich ehr in Grenzen...

Mich tötet eins, immer wieder: DAS VERF***** geklackere meiner Eheim 1046 ! Ich meine, unter 200 Einschaltvorgängen bleibt die Pumpe bei einem ohne nerviges klackern in Betrieb. Ab da muss ich den...

Schöner Artikel :-) An manchen gernervten Tagen denke ich genau so! Aber was mit Geld machbar ist habt Ihr hier doch schon bewiesen ;-) ...

Mein neuer Rechner (naja- 1 Jahr alt) ist auch sehr laut, aber ich bastle nicht daran herum, weil ich den Garantieverlust nicht akzeptieren will. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich an den Lüfterlärm (den man auch...

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