Singen und Zuhören über das Netz
Internet-Karaoke: Online-Dienste vorgestellt
Mit Online-Karoke-Diensten kann man am PC singen, ohne sich eine Karaoke-Maschine oder entsprechende DVDs kaufen zu müssen. Wer mag, kann bei Ksolo oder Singshot auch seine Gesangsdarbietungen aufnehmen und im Internet veröffentlichen.
Die Geräuschkulisse in den Büroräumen der netzwelt-Redaktion ist vielfältig: Das gurgelnde Rauschen der Kaffeemaschine, das Wummern des Presslufthammers auf der Baustelle nebenan oder das Klackern der Kickerbälle im Keller sind inzwischen alle Mitarbeiter gewöhnt. Dass aber ein Redakteur singend vor seinem Rechner sitzt, ist so ungewöhnlich, dass alle anderen netzweltler während des Test der Online-Karaoke-Dienste neugierig ihr Köpfe durch die Tür steckten.
Online-Karaoke: Internetnutzer weltweit sind das Publikum
Beim Karaoke in der Redaktion ist es genau wie bei "Deutschland sucht den Superstar" oder in jeder Karaokebar: Die Leute, die nicht singen können, sorgen für mindestens genauso viel Unterhaltung wie die Könner. Wer gerne anderen zuhört und vor allen Dingen gerne selber singt, muss inzwischen nicht mehr auf den Karaoke-Abend in der Kneipe um die Ecke warten, sondern kann sich im Internet dem denkbar größten erreichbaren Publikum vorstellen: der globalen Internetgemeinde.
Online-Karaoke bei den großen Diensten Ksolo und Singshot ist denkbar einfach: Um am PC singen zu können, müssen Internetnutzer lediglich ein Mikrofon oder beliebige andere Gerätschaften zur Tonaufnahme an Ihren Rechner anschließen und einen Song aus den großen Datenbanken auswählen. Die Karaoke Bibliotheken enthalten vor allem Pop-Songs von internationalen Stars - deutsche Interpreten sucht man leider vergebens. Bei laufendem Instrumental-Playback werden dann wie gewohnt die Texte eingeblendet, wobei die aktuellen Textstellen fortlaufend eingefärbt werden.
Karaoke-Darbietungen lassen sich bei Singshot abspeichern und per HTML-Code leicht auf bestehenden Websites einbinden. Hier singt Fuhrmeister, einer der beliebtesten Singshot-Nutzer, "The Scientist" von der britischen Popband-Coldplay.
Per Mausklick lassen sich die Gesangseinlagen auf Wunsch auch abspeichern. Wer sich mit seiner Performance dem Votum der Community stellen will, kann seine Tracks öffentlich zugänglich machen. Wahlweise kann man aber auch nur ausgewählten Nutzer den Zugriff erlauben.
Aktive Communitys bringen eigene Stars hervor
Rund um die Karaokedienste ist inzwischen eine aktive Community entstanden: Registrierte Nutzer können die einzelnen Titel kommentieren und bewerten, ihr Profil mit eigenen Bildern schärfen oder andere Karaoke-Anhänger als Freunde zu ihrem Profil hinzufügen. Wer besonders begeistert von den Darbietungen eines Sängers ist, kann sich auch als Fan outen.
Die ungekrönte Karoke-Königin des Internet singt bei Ksolo: Maesondra aus Deutschland hat mit derzeit 59 eingesungenen Titeln bereits mehr als 900 registrierte Fans auf aller Welt gewonnen. Insgesamt ist das Niveau der Gesangseinlagen erstaunlich hoch: Statt für die Interpretationen von Original-Künstlern zu bezahlen, können Internetnutzer auf den Karaokeseiten kostenlose Neuinterpretationen anhören. Dank talentierter Sänger und anscheinend teilweise hochwertigen Aufnahmegeräten sind einige der Lieder auf den Seiten eine echte Alternative zum Original. Ein Download der Dateien ist aber bislang nicht möglich.
Wer Teil einer solchen Karaoke-Community werden möchte, hat derzeit die Wahl zwischen den Diensten Ksolo und Singshot. Im Gegensatz zu den meisten erfolgreichen Web-2.0-Diensten wie Flickr oder Youtube waren die Karaoke-Webseiten aber von Anfang an kostenpflichtig: Um online singen und seine Lieder aufnehmen zu können, müssen Nutzer Abo-Gebühren bezahlen. Die Aufnahmen anderer Sänger anzuhören ist aber kostenlos und zudem können Internetnutzer beide Dienste für eine begrenzte Periode gratis testen.
Ksolo: Gebührenpflichtigen Dienst kostenlos testen
Karaoke-Pionier im Netz ist Ksolo: Schon im vergangenen Jahr ist der Dienst gestartet, den inzwischen Rupert Murdochs Fox-Konzern aufgekauft hat. Für eine monatliche Abogebühr, die je nach Vertragslaufzeit zwischen 7,95 Dollar bei und 9,95 Dollar für einen Monat liegt, können hier Internetnutzer online Karoke singen, ihren Auftritt aufzeichnen und der Community vorstellen. Internetnutzer können Ksolo sieben Tagen kostenlos testen.
Doppelt so lange können Karaoke-Freunde umsonst bei Singshot singen. Seit dem Juli dieses Jahres macht der Dienst Ksolo Konkurrenz. Das offensichtlichste Argument, mit dem Singshot Ksolo Kunden abjagen will, ist der Preis: Wer für ein Jahr bezahlt, muss pro Monat lediglich 4,95 Euro bezahlen. Ein Monat Premium-Mitgliedschaft kostet aber genau wie bei Ksolo 9,95 Dollar, die Kunden ausschließlich mit Kreditkarte bezahlen können.
Singshot: Web-2.0-Features bei Youtube und Co. abgeschaut
Um gegen den Konkurrenten zu punkten, hat Singshot zudem eine ganze Reihe von Features bei Web-2.0-Pionieren wie Youtube abgeschaut. So lassen sich zum Beispiel sämtliche Titel mit Stichwörtern - so genannten Tags - auszeichnen. Auch die Einbindung einzelner Tracks auf bestehenden Webseiten ist kinderleicht: Um wie in diesem netzwelt-Artikel einzelne Titel zu veröffentlichen, müssen registrierte Nutzer lediglich einen HTML-Code per Copy-and-Paste auf ihrer Seite einfügen.
Im Gegensatz zu Singshot lassen sich bei kSolo nur die eigenen Titel auf Webseiten einbinden. Auch im Sinne unserer Leser haben wir darauf verzichtet, das Playback mit unserem Gesang zu verdedeln. Die Wiedergabe der Tracks funktioniert leider nur mit dem Internet Explorer.
Im Prinzip genauso funktioniert die Einbindung bei Ksolo: Statt einzelner Lieder beliebiger Mitglieder der Community können Nutzer dieses Dienstes allerdings nur einen Player einfügen, mit dem ihre eigenen gesammelten Werke angezeigt und abgespielt werden können.
Singshot punktet gegen Ksolo mit Browserkompatibilität
Zusätzliche Pluspunkte sammelt der Herausforderer Singshot mit der größeren Browserkompatibilität: Während Ksolo nur mit dem Internet Explorer von Microsoft und nach der Installation von ActiveX-Plug-Ins funktioniert, können gesangsbegeisterte Internetnutzer Singshot auch mit Firefox, Opera oder Safari ansurfen. Der Dienst setzt bei der Aufnahme und Wiedergabe voll auf Flash, sodass lediglich das entsprechende, ohnehin weit verbreitete Browser-Plug-In installiert sein muss.
Bei der Wiedergabe abgespeicherter Songs lassen sich bei Singshot statt der Texte wahlweise auch eigene Photos anzeigen. Dank einer Kooperation mit Photobucket, einem Dienst, der die kostenlose Speicherung von Fotos und Videos anbietet, können die Singshot-Nutzer auch Slideshows aus den dort abgespeicherten Dateien zusammenstellen.
Auch wenn Singshot dem etablierten Konkurrenten einige nützliche Funktionen voraus hat, hat auch Ksolo einige Pluspunkte auf der Habenseite: Da der Dienst schon länger online ist, punktet das Angebot mit einer umfangreicheren Karaoke-Bibliothek und einer größeren und aktiveren Community.
Für Partys eine gute Wahl: Internetkaraoke.net
Wer seinen Gesang nicht aufnehmen oder veröffentlichen will, sondern nur seine Party mit Karokeeinlagen bereichern möchte, kann das mit dem Dienst Internetkaraoke.net. Internetnutzer können mit dem Dienst einfach ihren PC mit Web-Anschluss in eine simpel zu bedienende Karaoke-Maschine verwandeln. Auswählen können Interessenten aus einer Liste mit nach Angaben des Dienstes mehr als 7.000 Songs - darunter gleichermaßen Klassiker und aktuelle Hits von Künstlern wie James Blunt, Metallica oder den Beatles.

Internetkaraoke bietet simpel zu bedienendes Online-Karoke ohne Aufnahmefunktion. Auf Wunsch lassen sich wie bei singshot oder Ksolo die Texte auch im Vollbildmodus anzeigen.
Testen lässt sich der Dienst mit fünf Freisongs. Wer Spaß am Online-Karaoke gefunden hat, kann per Kreditkarte mehr Songs buchen: 25 Tracks kosten 5 britische Pfund, was bei den aktuellen Wechselkursen rund 30 Cent pro Song entspricht. Wer für lange Karaokepartys mehr Credits kauft, bekommt dank Mengenrabatt 65 Tracks für 10 und 150 für 15 Pfund.
Stimmenplanet: Lieder per Telefon aufnehmen
Ein deutscher Dienst, der sich der Sangeskunst widmet, heißt Stimmenplanet. Im Mittelpunkt steht hier vor allem die Bewertung von Gesangsdarbietungen. Internetnutzer können sich auch ohne Registrierung nacheinander die Lieder verschiedener Nutzer anhören und auf einer Skala von einem bis zehn Punkten bewerten. Mit guten Bewertungen steigen die Sänger in den Charts oder erhalten Auszeichnungen wie bei YouTube.
Statt mit einem Mikrofon erfolgt die Aufnahme per Telefonanruf: Nachdem die Nutzer eine bestimmte Telefonnummer gewählt und ihre ID-Nummer eingegeben haben, singen sie ihren Song einfach in den Hörer. Echtes Karaoke bietet Stimmenplanet nicht: Weder können sie sich die Texte anzeigen lassen noch ein Playback abrufen.
Minuspunkte: Bescheidene Tonqualität und blinkende Werbebanner
Die Qualität der Aufnahmen ist den Umständen entsprechend schlecht, da die Aufnahmequalität eines Telefonhörers bei weitem nicht an gute Mikrofone heranreicht, die Nutzer von Ksolo oder Singshot an ihre Rechner anschließen können. Zudem ist die Aufnahme auf 45 Sekunden begrenzt. Obwohl Stimmenplanet pro Anruf 98 Cent verlangt, was man in Betracht der gebotenen Leistung wohl getrost als teuer bezeichnen kann, nerven zudem blinkende Werbebanner auf der Startseite. Wer trotz dieser Widrigkeiten sein Talent bei Stimmenplanet beweisen will, hat zumindest den Vorteil, statt wie bei der Konkurrenz Abogebühren entrichten zu müssen, einzeln für seine Aufnahmen bezahlen zu können.

SingShot ist nun wohl seit etwa einer Woche komplett kostenlos! Siehe auch: http://singshot.wordpress.com/2006/10/10/singshot-news-and-updates/ Ausserdem gibt es noch eine weitere...