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Skype: Mit neuer Hardware aus der Nische
Erst nein, dann ja: Skype-Hardware für alle

von Christian Grohmann Uhr veröffentlicht

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"Wir achten nicht darauf, was andere Firmen tun. Wichtig ist, was unsere Nutzer wollen." So lautete der Tenor vor rund einem Jahr, wenn man bei Skype nach Hardware-Lösungen abseits des Computers fragte. Seitdem hat sich einiges geändert, denn einen Monat später wurde Skype von eBay gekauft. "Wir wollen den Leuten die Freiheit geben, beim Telefonieren mit Skype mobil zu sein", heißt es heute. Ein Sinneswandel um 180 Grad.

"Wir achten nicht darauf, was andere Firmen tun. Wichtig ist, was unsere Nutzer wollen." So lautete der Tenor vor rund einem Jahr, wenn man bei Skype nach Hardware-Lösungen abseits des Computers fragte. Seitdem hat sich einiges geändert, denn einen Monat später wurde Skype von eBay gekauft. "Wir wollen den Leuten die Freiheit geben, beim Telefonieren mit Skype mobil zu sein", heißt es heute. Ein Sinneswandel um 180 Grad.

Am Anfang war der VoIP-Messenger: Der im Jahr 2003 von den KaZaA-Entwicklern Niklas Zennström und Janus Friis veröffentlichte Software-Client verbreitete sich dank leichter Bedienung und guter Sprachqualität schnell in der Gemeinde der Internet-Nutzer. Die Zahlen sprechen für sich: Das Programm wurde inzwischen rund 300 Millionen Mal heruntergeladen, bis zu sechs Millionen von 200 Millionen Nutzern sind gleichzeitig online. Im September 2005 erwarb eBay für mindestens 2,6 Milliarden Dollar die Eigentumsrechte an Skype.

Ein VoIP-Dienst wird erwachsen

Die bisherige, zugegeben recht große Nischen-Zielgruppe der Internet-Jünger ist den neuen Eigentümern jedoch nicht genug, das ganz große Telekommunikationsgeschäft lockt. Deshalb hat Skype inzwischen alte Standpunkte aufgegeben und die Produktion von Skype-Hardware unter Lizenz freigegeben. Stellen diese Geräte für bisherige Nutzer lediglich ein Mehr an Komfort dar, ist für andere die Grundvoraussetzung, das System Skype überhaupt zu nutzen. Das SIP-Protokoll macht es vor: Sind Router oder Telefon einmal eingerichtet, wissen auch Oma Anneliese und der vierjährige Enkel Simon damit umzugehen.

Die neuen Skype-Telefone lassen sich in drei Klassen einordnen: Reine WLAN-Telefone, die sich ausschließlich der IP-Telefonie an Access Point, Hotspot Co. bedienen, sowie schnurlose und stationäre Kombigeräte, die neben Skype auch die alte Festnetz-Telefonie beherrschen. So haben die Hersteller Belkin, Edgecore, Netgear und SMC WLAN-Handys entwickelt, die sich optisch kaum von einander unterscheiden, obwohl es sich laut Netgear-Sprecher Karsten Kunert um keine gemeinsame Entwicklung handelt.

Skype-Telefone

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Auch das SMC-Handy ist aus dem gleichen Wurf.

Geht man bei gleicher Optik auch von ähnlichem Innenleben der vier Geräte aus, sollte die Gesprächszeit der 90 Gramm schweren und zwischen 150 und 200 Euro teuren Geräte bis zu drei Stunden, die Betriebszeit um die 50 Stunden betragen. Für die Sicherheit im Wireless LAN soll auch die WPA2-Verschlüsselung bereit stehen. Hotspots mit Browser-Authentifizierung sind dagegen nicht nutzbar - für Studenten steht also manches Uni-Netzwerk nicht zur Verfügung. Das ist auch bei den mit dem SIP-Protokoll arbeitenden WLAN-Handys leider noch Standard, weshalb die Skype-Handys nicht im Nachteil sind.

Eigenständig und zertifiziert

Alle aufgezählten Telefone haben eine Gemeinsamkeit: An Bord jedes Gerätes befindet sich ein eigenständiger Skype-Client, der die aus der Software bekannten Hauptfunktionen ermöglicht. So ist neben dem Anrufen von Skype-Buddys auch das Telefonieren via Skype in sämtliche Telefonnetze mittels SkypeOut möglich, die eigene SkypeIn-Rufnummer ist ebenfalls von außen erreichbar. Weiterhin ist der Skype-Anrufbeantworter VoiceMail mit von der Partie. Der Online-Status anderer Benutzer wird auf dem farbigen Display grafisch dargestellt.

Weitere Skype-News:

Im Internet kursieren Gerüchte, ein chinesisches Unternehmen arbeite an einer Kopie der Skype-Software, die mit dem Original kompatibel ist. Skype-Sprecher bestreiten, dass eine Kopie die Qualität des Originals erreichen kann.

Ein Skype-Me-Button soll künftig die Kommunikation zwischen Verkäufern und Käufern bei eBay erleichtern. Das Online-Auktionshaus hat dafür eine Testphase in 14 Kategorien auf seiner US-Seite gestartet.

Eine Skype-Toolbar für das Microsoft Office erkennt Telefonnummern und soll die direkte Kontaktaufnahme mit dem Teilnehmer über Skype erleichtern. Die Toolbar liegt in der Beta-Version vor.

Skype ist höchst bemüht darum, jegliche Fehler vor der Indienststellung der Hardware auszubügeln, um Benutzerfreundlichkeit und technische Qualität sicherzustellen. Einen Rückfall oder Imageverlust wegen fehlerhafter Produkte will man offenbar ausschließen. Deshalb werden alle Geräte einem Testverfahren unterzogen, bei erfolgreichem Bestehen winkt ein Skype-Zertifikat. "Die Zertifizierung mit Skype gesteltet sich als schwieriger als erwartet, die Ansprüche sind hoch", weiß Netgear-Sprecher Karsten Kunert. So stellte Netgear das WLAN-Handy bereits auf der CeBIT vor, bis heute ist es jedoch nicht erhältlich - ebensowenig wie die Telefone anderer Hersteller.

"Ein aufgespielter Client reicht nicht aus - Skype will ein upgrade-fähiges WiFi-Phone", so Kunert. Vernünftige Ansprüche, meint netzwelt - nur auf diesem Weg können wichtige Funktionen später nachgeschoben oder Verbesserungen gemacht werden. Alle Verzögerungen auf die Skype-Tester schieben will Kunert dann doch nicht: "Schließlich ist es unser erstes WLAN-Telefon." Und das soll ja auch etwas werden. Die Entwicklung läuft laut Kunert gut: "Inzwischen macht die Bedienung richtig Spaß, Anfang des Jahres war das noch nicht so."

Festnetz-Kombigeräte

Ein Telefon der Hardware-Schmiede Creative hängt möglicherweise im gleichen Testzyklus fest. Schon im Januar hatte Creative in den USA ein stationäres Festnetztelefon für das erste Halbjahr 2006 angekündigt, das sowohl Skype als auch die Festnetztelefonie nutzt. Käuflich zu erwerben ist es bislang nicht - weder in den USA noch hierzulande. Auf Anfrage weiß man bei Creative Labs Deutschland um die Existenz eines solchen Telefons, aber nicht, ob und wann es auf dem deutschen Markt eingeführt wird.

Philips und Netgear setzen indes auf DECT-Lösungen. Auf der IFA stelle Philips ein schnurloses Telefon vor, das wie gewohnt an die analoge Festnetzleitung und via Ethernet an den Internet-Router angeschlossen wird. Von dem Netgear-Gerät liegen derweil noch keine offiziellen Produktfotos vor, erklärt Kunert. "Erst einmal ist das WiFi-Phone an der Reihe." Die Skype-Zertifizierung steht beiden Geräten wahrscheinlich noch bevor.

Kalter Kaffee?

Doch wieso eigentlich der Aufwand um Skype-Zertifikate und WiFi-Handys - gibt es nicht schon länger Telefone, mit denen via Skype telefoniert werden kann? Schon - einige Exemplare wie das Cordless DualPhone oder das FlashPhone F1K konnte netzwelt auch schon näher betrachten. Doch zum Betrieb dieser und ähnlicher Geräte, die es zuhauf gibt, ist stets der Anschluss an den Computer via USB mit laufender Skype-Software von Nöten, weshalb sie sich für den ganz großen Massenmarkt disqualifizieren.

Skype-Telefone

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Auch das SMC-Handy ist aus dem gleichen Wurf.

Die neuen WLAN-Handys und Ethernet-Telefone für Skype könnten diesen Sprung aber schaffen. Für Hardware-Qualität scheint ja bestens gesorgt zu werden, und mit der inzwischen wieder aktuellen Entkopplung von Telefon- und DSL-Leitung, genannt Bitstrom, werden Voice-over-IP-Lösungen umso interessanter. Sollte also jemals ein PC-unabhängiges Skype-Telefon alle Testläufe erfolgreich absolvieren, räumt netzwelt dem Kandidaten schon im Vorfeld gute Marktchancen ein. Netgear jedenfalls plant die Markteinführund des WiFi-Phones für Ende Oktober - pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

Kommentare zu diesem Artikel

"Wir achten nicht darauf, was andere Firmen tun. Wichtig ist, was unsere Nutzer wollen." So lautete der Tenor vor rund einem Jahr, wenn man bei Skype nach Hardware-Lösungen abseits des Computers fragte. Seitdem hat sich einiges geändert, denn einen Monat später wurde Skype von eBay gekauft. "Wir wollen den Leuten die Freiheit geben, beim Telefonieren mit Skype mobil zu sein", heißt es heute. Ein Sinneswandel um 180 Grad.

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  • gloria schrieb Uhr
    AW: News - Skype: Mit neuer Hardware aus der Nische

    Bin z.Zt. in Abu Dhabi und versuche von hier die skype software zu laden. es kommt jedoch immer eine Fehlermeldung, evtl sei der Server uebrlastet. Weis jemand ob der Server tatsaechlich so ueberlastet ist oder kann es sein das die Adresse von den Emiratis geblockt wird? Wenn ja, macht es dann noch Sinn sich beim naechten Deutschlandbesuch die software zu laden oder ist man beim skypen auf den Kontakt zum skype server angewiesen. gloria

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"Wir achten nicht darauf, was andere Firmen tun. Wichtig ist, was unsere Nutzer wollen." So lautete der Tenor vor rund einem Jahr, wenn man bei Skype nach Hardware-Lösungen abseits des Computers fragte. Seitdem hat sich einiges geändert, denn einen Monat später wurde Skype von eBay gekauft. "Wir wollen den Leuten die Freiheit geben, beim Telefonieren mit Skype mobil zu sein", heißt es heute. Ein Sinneswandel um 180 Grad.
http://www.netzwelt.de/news/74540-skype-neuer-hardware-nische.html
2006-09-08 09:31:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/gallery/2008/2779/19950.jpg
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