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Verkehrte Netzwelt: Wettsaufen mit Google
Ein angetrunkender Chat mit Googles Übersetzungs-Tool

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

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Eine schummrige Kneipe mitten in Deutschland. Seit Stunden sitze ich alleine am Tresen, mache der verbrauchten Wirtin schöne Augen. Die Striche auf meinem Bierdeckel wachsen proportional zu meinem Unmut, wieder einmal alleine trinken zu müssen. Der bereits leicht verschleierte Blick wandert rastlos durch den Raum.

Eine schummrige Kneipe mitten in Deutschland. Seit Stunden sitze ich alleine am Tresen, mache der verbrauchten Wirtin schöne Augen. Die Striche auf meinem Bierdeckel wachsen proportional zu meinem Unmut, wieder einmal alleine trinken zu müssen. Der bereits leicht verschleierte Blick wandert rastlos durch den Raum.

Ein Tresen aus alten Schiffsdielen, ein mit Fingerabdrücken übersäter Zapfhahn, das goldene Logo eines bekannten Bierbrauers. An der Wand hängt reichlich Kitsch, Bilder von der Thekenmannschaft, Postkarten aus Übersee. Vom stillen Örtchen weht ein dezentes Essig-Ammoniak-Gemisch in die Nase. Gelangweilt wippe ich auf dem Barhocker herum, taste mich immer weiter an die Umfall-Grenze.

Diese Zeilen verfasse ich auf einem dieser typischen Kellnerblöcke in krakeliger Schrift. Zigarettenqualm beißt in den Augen. Wie bitte? Ja, noch ein Bier bitte. Danke. Der mittlerweile sechste Strich auf dem Deckel. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich nicht wesentlich mehr vertrage. Ein dumpfes Surren im Hinterkopf lässt in mir den Wusch nach ein wenig Musik aufkeimen.

Blinkende Spielautomaten tauchen im Blickfeld auf, ziehen bereits lange Fäden hinter sich her. Keine Abwechslung schaffende Jukebox in Sicht. In der linken, hinteren Ecke steht ein Automat, dem ich aus der Entfernung meines Barhockers keine Bedeutung zuortnen kann. Aufstehen, hingehen, begutachten, doch alkoholschwere Muskeln wehren sich. Seien Sie Zeuge, wie die gute alte Schwerkraft ihre Macht demonstriert und ich mitsamt dem halbvollen Glas auf dem klebrigen Fußboden lande.

Angstgegner Schwerkraft

Das mit mir und der Barkeeperin wird jetzt wohl endültig nichts mehr. Und auch die wenigen übrigen Gäste sind jetzt wohl kaum noch für ein weiteres Bier in meiner Gesellschaft zu haben. Mühsam richte ich mich auf. Auf wackligen Beinen mache ich das, was in solch einer Situation immer ratsam ist - ich suche die Toilette auf.

Blick in den Spiegel: Die typische Trinkernase sieht mich an. Sind wir ehrlich, mit so jemanden wollte auch ich kein Bier trinken. Also eine kurze Ladung kaltes Wasser ins Gesicht, Geld zusammenkratzen, und diese armselige Spelunke schnellen, oder besser gesagt schwankenden Fußes hinter mir lassen. Beim Verlassen des stillen Örtchens pralle ich mit voller Wucht gegen die in die Kneipe führende Tür. Schwerkraft gegen mich: Zwei zu Null. Gedämpftes Gelächter dringt an mein Ohr. Bloß schnell weg.

Eigentlich könnte es mir ja egal sein, aber der Automat erweist sich als Internet-Terminal und nicht als die erhoffte Jukebox. Da fällt mir ein, dass ein kurzer Blick ins Postfach eigentlich nicht schaden könnte. Vielleicht hatte ja kurzerhand doch noch jemand auf meine zahlreichen Anfragen bezüglich der Wochenendplanung geantwortet, war ja doch noch ein unterhaltsamer Abend drin. Ein wenig Münzgeld habe ich immer in der Hosentasche, also los. Ganze drei Anäufe sind nötig, bis ich auf dem Touchscreen endlich in den Posteingangsordner gelange.

Geschrieben haben die üblichen Verdächtigen, doch niemand aus Fleisch und Blut. Ausloggen, Fenster zumachen, Google Startseite, die Sprachtools. (Schrieb man Google schon immer mit so vielen Os?) Immer noch knapp über vier Euro Restguthaben stehen auf der Uhr. Da ich keinen Knopf für den Münzauswurf finde und nur ungern bereits investiertes Geld wildfremden Menschen überlasse, klicke ich wahllos drauf los. Was? Ja, noch ein Bier bitte. Oder bringen Sie mir irgendetwas Stärkeres, einen Wodka vielleicht? Ach was, gleich einen Doppelten, den kann ich gebrauchen. Danke.

Erzähl mir was, Onkel Google.

"Ein schummrige Tavern in der Mitte in Deutschland. Stunden lang, die ich alleine beim Tresen sitze. Die Linien auf meiner Bierabdeckung wachsen proportional zu meinem Verdruss, um wieder einmal alleine trinken zu müssen."

Ja, ja, du also auch? In so einer schummrigen Taverne sitze ich auch gerade. Und auch ich trinke alleine. Schön, dass es dir genau so geht. Geteiltes Leid ist immerhin halbes Leid. Was treibst du denn so?

"Du folglich auch? In, wenn ein Tavern schummrigen, ich auch nach rechts gehalten werden. Und ich auch, ich trinke nur. Es entspricht dir wohl genau die gleiche Sache. Die geteilte Sorge ist mindestens halbe Schmerz es. Was beziehst du folglich folglich mit ein?"

Uiuiui, da hat wohl jemand echt einen im Tee was? Was ich mit einbeziehe? Wie meinst du das? Ich sitze hier einfach nur so rum. Wollte der Kellnerin gerade schöne Augen machen. Kam aber ein etwas peinlicher Auftritt meinerseits dazwischen. Ich glaub ich hau gleich ab, hier gibt es nichts mehr für mich zu holen. Ich warte eigentlich nur darauf, dass mein restliches Geld in diesem Internet-Terminal aufgebraucht ist...

"Dort hat Uiuiui, vermutlich jemand wirklich im Tee das? Was schließe ich mit ein? Wie möchtest du den sagen? Ich saß hier einfach nur folglich Rum. Wollte schöne rechte Augen mit der Kellnerin bilden. Jedoch behinderte ein etwas schmerzlicher Aspekt für mein Fach ich, um mir nicht zu glauben anzuschlagen, hier nichts für mich gibt mehr sofort, um es zu nehmen. Ich warte wirklich nur an, bis mein Geld, das in diesem Terminalinternet restlich ist, ist erschöpft…"

Sag mal, hast du einen an der Klatsche? Komm, lass uns zusammen einen trinken, okay?

"Um zu sagen Zeiten tun, haben dich mit der applaudiert? Um zu kommen, uns trinken lassen, gutheißen zusammen"

Das nehme ich mal als klares Ja hin. Prost!

"Ich nehme Zeit dass wie Yes offenbar an. Prost!"

Noch einen?

"Noch"

Prost

"Prost"

Hoppla, der zog abr gans schön rein. Ich sag dir wass, junger Freunfd. Für jeden dummen Spruch den dfu hir abläst, trinke ich einen Doppelten. Spielszt du mit?

"Hoppla, das abr der Gansbrunnen lediglich zeichnete. Ich, zum von wass, junges Freunfd zu sagen. Für jede dumme Maxime das dfu, zum hir abläst, trinke ich ein Doppeltes. Spielszt du?"

Prost

"Prost"

Jetzt hab ich`s – du bist einer diesr pickeligen Tyxpen die nichts besseres zu tun haben, als die ganze Zeit in Chaträumen Boßheiten zu vertreiben. Geh nach Hause.

"Zu mir `jetzt haben ein S - du bist eine dieser Arten pickeligen jenes nichts besser, As diese Zeit in Chaträumen Bossheiten zum Verkauf zu bilden. Zum Haus gehen."

Prost

"Prost"

E C H OOOO

"EG H OOOO"

Verbindung unterbrochen.

Ein kleiner Sehschlitz. Gleißendes Licht. Der Mund voll Schleifpapier. Ein klopfender Finger auf der Schulter.

"Junger Mann, wir öffnen gleich wieder. Wären Sie so freundlich unser Lokal nun zu verlassen. Wir möchten doch nicht, dass die ersten Gäste Sie so sehen, oder? Außerdem müssen wir hier noch sauber machen."

Irgendetwas explodierte zwischen meinen Schläfen. So muss sich jemand fühlen, der von einer ganzen Horde Elefanten überannt wurde. Mein Arm war taub, lag noch immer halb auf dem Terminal. Aus dem Mundwinkel tropfte ein ewig langer Speichelfaden auf den mit Strichen übersäten Bierdeckel. "Ich gehe bereits, sie zahle jedoch hier, Zeit Deutsch-Kurs mit ihrem Apparat festzusetzen", hörte ich mich selbst noch stark entrüstet lallen.

Kommentare zu diesem Artikel

Eine schummrige Kneipe mitten in Deutschland. Seit Stunden sitze ich alleine am Tresen, mache der verbrauchten Wirtin schöne Augen. Die Striche auf meinem Bierdeckel wachsen proportional zu meinem Unmut, wieder einmal alleine trinken zu müssen. Der bereits leicht verschleierte Blick wandert rastlos durch den Raum.

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  • Anonym schrieb Uhr
    Re: News - Verkehrte Netzwelt:...

    Nur zwei Worte: MEHR DAVON! Habe mir gerade sämtliche "Verkehrte Netzwelt" durchgelesen und bin süchtig. Die Vernetzte Kehrtwelt ist auch sehr gelungen. Wieso kommen die nur immer Samstags? Kann ich die als RSS abonieren? Das waren jetzt mehr als zwei Worte :-)
  • GreasySpoon schrieb Uhr
    AW: News - Verkehrte Netzwelt: Wettsaufen mit Google

    off-topic: zum thema chatbots: http://www.youtube.com/watch?v=RYQUsp-jxDQ schaut euch mal die downloadzahlen an. wahnsinn.
  • Anonym schrieb Uhr
    Re: News - Verkehrte Netzwelt:...

    sehr amüsant :D auch nich schlecht ist es besoffen mit chatbots zu plaudern, zb der einen von der bundeswehr oder mit gott
  • irgendjemand schrieb Uhr
    Re: Re: Re: News - Verkehrte...

    Da gab es mal bei Lidl für 4,95 das Programm Language Master Plus. Das übersetzt genau so.
  • Anonym schrieb Uhr
    Re: Re: News - Verkehrte...

    ihr wart auch da?! :D
  • Anonym schrieb Uhr
    Re: News - Verkehrte Netzwelt:...

    LOL erste klasse !!! habe selber schon ein paar tolle stunden beim "übersetzten" mit dem ding gehabt LOL...

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Eine schummrige Kneipe mitten in Deutschland. Seit Stunden sitze ich alleine am Tresen, mache der verbrauchten Wirtin schöne Augen. Die Striche auf meinem Bierdeckel wachsen proportional zu meinem Unmut, wieder einmal alleine trinken zu müssen. Der bereits leicht verschleierte Blick wandert rastlos durch den Raum.
http://www.netzwelt.de/news/74501-verkehrte-netzwelt-wettsaufen-google.html
2006-08-26 12:46:00
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