Ein angetrunkender Chat mit Googles Übersetzungs-Tool

Verkehrte Netzwelt: Wettsaufen mit Google

Eine schummrige Kneipe mitten in Deutschland. Seit Stunden sitze ich alleine am Tresen, mache der verbrauchten Wirtin schöne Augen. Die Striche auf meinem Bierdeckel wachsen proportional zu meinem Unmut, wieder einmal alleine trinken zu müssen. Der bereits leicht verschleierte Blick wandert rastlos durch den Raum.

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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Angstgegner Schwerkraft
  2. 2Erzähl mir was, Onkel Google.
  3. 3"Um zu sagen Zeiten tun, haben dich mit der applaudiert? Um zu kommen, uns trinken lassen, gutheißen zusammen"
  4. 4"Noch"
  5. 5"Prost"
  6. 6"Prost"
  7. 7"EG H OOOO"

Ein Tresen aus alten Schiffsdielen, ein mit Fingerabdrücken übersäter Zapfhahn, das goldene Logo eines bekannten Bierbrauers. An der Wand hängt reichlich Kitsch, Bilder von der Thekenmannschaft, Postkarten aus Übersee. Vom stillen Örtchen weht ein dezentes Essig-Ammoniak-Gemisch in die Nase. Gelangweilt wippe ich auf dem Barhocker herum, taste mich immer weiter an die Umfall-Grenze.

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Diese Zeilen verfasse ich auf einem dieser typischen Kellnerblöcke in krakeliger Schrift. Zigarettenqualm beißt in den Augen. Wie bitte? Ja, noch ein Bier bitte. Danke. Der mittlerweile sechste Strich auf dem Deckel. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich nicht wesentlich mehr vertrage. Ein dumpfes Surren im Hinterkopf lässt in mir den Wusch nach ein wenig Musik aufkeimen.

Blinkende Spielautomaten tauchen im Blickfeld auf, ziehen bereits lange Fäden hinter sich her. Keine Abwechslung schaffende Jukebox in Sicht. In der linken, hinteren Ecke steht ein Automat, dem ich aus der Entfernung meines Barhockers keine Bedeutung zuortnen kann. Aufstehen, hingehen, begutachten, doch alkoholschwere Muskeln wehren sich. Seien Sie Zeuge, wie die gute alte Schwerkraft ihre Macht demonstriert und ich mitsamt dem halbvollen Glas auf dem klebrigen Fußboden lande.

Angstgegner Schwerkraft

Das mit mir und der Barkeeperin wird jetzt wohl endültig nichts mehr. Und auch die wenigen übrigen Gäste sind jetzt wohl kaum noch für ein weiteres Bier in meiner Gesellschaft zu haben. Mühsam richte ich mich auf. Auf wackligen Beinen mache ich das, was in solch einer Situation immer ratsam ist - ich suche die Toilette auf.

Blick in den Spiegel: Die typische Trinkernase sieht mich an. Sind wir ehrlich, mit so jemanden wollte auch ich kein Bier trinken. Also eine kurze Ladung kaltes Wasser ins Gesicht, Geld zusammenkratzen, und diese armselige Spelunke schnellen, oder besser gesagt schwankenden Fußes hinter mir lassen. Beim Verlassen des stillen Örtchens pralle ich mit voller Wucht gegen die in die Kneipe führende Tür. Schwerkraft gegen mich: Zwei zu Null. Gedämpftes Gelächter dringt an mein Ohr. Bloß schnell weg.

Eigentlich könnte es mir ja egal sein, aber der Automat erweist sich als Internet-Terminal und nicht als die erhoffte Jukebox. Da fällt mir ein, dass ein kurzer Blick ins Postfach eigentlich nicht schaden könnte. Vielleicht hatte ja kurzerhand doch noch jemand auf meine zahlreichen Anfragen bezüglich der Wochenendplanung geantwortet, war ja doch noch ein unterhaltsamer Abend drin. Ein wenig Münzgeld habe ich immer in der Hosentasche, also los. Ganze drei Anäufe sind nötig, bis ich auf dem Touchscreen endlich in den Posteingangsordner gelange.

Geschrieben haben die üblichen Verdächtigen, doch niemand aus Fleisch und Blut. Ausloggen, Fenster zumachen, Google Startseite, die Sprachtools. (Schrieb man Google schon immer mit so vielen Os?) Immer noch knapp über vier Euro Restguthaben stehen auf der Uhr. Da ich keinen Knopf für den Münzauswurf finde und nur ungern bereits investiertes Geld wildfremden Menschen überlasse, klicke ich wahllos drauf los. Was? Ja, noch ein Bier bitte. Oder bringen Sie mir irgendetwas Stärkeres, einen Wodka vielleicht? Ach was, gleich einen Doppelten, den kann ich gebrauchen. Danke.

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