Online-Händler sind bislang keine Konkurrenz für Videotheken und DVD-Händler
Video on demand: Warum die DVD noch die bessere Wahl ist
Movie Markt
Dass die Hollywood-Filme noch Mangelware in den Online-Archiven sind, ist nicht unbedingt die Schuld der Vod-Anbieter, die die Blockbuster gerne im Angebot hätten. Doch das Archiv mit US-Produktionen aufzustocken, lohnt sich derzeit offenbar noch nicht: Die Einkaufspreise für die Filme sind im Vergleich zu den Nutzerzahlen hoch - ein Verlustgeschäft droht. Mittelfristig wird es aber vor dem Hintergrund des wachsenden Breitbandmarktes auch in Deutschland sämtliche Hollywood-Filme als Vod geben - das Angebot wird mit der Anzahl potentieller Kunden wachsen.
Doch selbst wenn die Film-Archive attraktiver werden, ist ein Vod-Boom keine ausgemachte Sache. Derzeit wird der Film-Markt nämlich von einem erfolgreichen Geschäftsmodell dominiert: der DVD. Die Vod-Alternativen heißen Pay-per-view und Download-to-own. Beim Pay-per-View können die Kunden für eine Gebühr von rund vier Euro einen Film 24 Stunden lang anschauen. Die Dienste stehen also in direkter Konkurrenz zu den Videotheken.
Beim Download-to-own dagegen laden die Kunden die Filme auf ihre Festplatte und können diese beliebig oft auf einer begrenzten Anzahl von Geräten anschauen. In2movies, der einzige deutsche Anbieter für Kauf-Downloads, verlangt Preise zwischen 7 und 16 Euro für einen Filmabruf.
Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht
Egal ob Pay-Per-View oder Download-to-own - das Preis-Leistungs-Verhältnis von Vod kann mit Kauf- und Leih-DVDs nicht mithalten. Online-Kunden müssen zum Beispiel auf die von vielen lieb gewonnenen DVD-Extras wie Making Ofs oder Tonspuren in verschiedenen Sprachen verzichten. Zudem erscheinen die Vod-Filme in der Regel erst kurz nach dem DVD-Release und dekorativ ins Regal stellen können Filmfreaks Filmdateien ohnehin nicht.
DVD-Player stehen zudem inzwischen in so gut wie jedem Wohnzimmer. Wer dagegen seine Video-on-demand-Downloads am Fernseher anschauen will, muss dazu seinen PC per Videokabel an das TV-Gerät anschließen. Weil beide Geräte nur selten in ein und demselben Raum stehen, ist das aber häufig umständlich. Die Alternative ist der Kauf einer Set-Top-Box oder eines Multi-Media-PCs, die aber im Vergleich zu einem DVD-Player viel teuerer sind.
Linux-Jünger und Mac-Besitzer schließen alle deutschen Vod-Dienste von vorne herein aus. Weil die Videos mit WMW-Codec komprimiert und zusätzlich mit dem Digital Rights Management (DRM) von Microsoft versehen sind, bleibt ohne Internet Explorer und Windows Media Player der Bildschirm schwarz.
Der einzige Grund, trotz der genannten Nachteile für Vod-Filme Preise auf DVD-Niveau zu bezahlen, ist der größere Komfort: Statt das traute Heim verlassen und die nächste Videothek aufsuchen zu müssen, reichen wenige Mausklicks, um einen Film online abzurufen.
Demnächst möglich: Filme laden und auf DVD brennen
Scheinbar haben inzwischen auch die Vod-Verantwortlichen die Mängel ihres Produktes erkannt: Künftig werden die Vod-Dienste den Komfort des Online-Abrufs und die Segnungen der DVD vereinen. Im vergangenen Monat kündigten die beiden größten US-Anbieter Movielink und Cinemanow an, dass ihre Kunden künftig zumindest einen Teil der Filme auch auf DVD brennen können - inklusive Menüs und Extras. Sogar Druckvorlagen für die Covers der DVD-Hüllen können die Nutzer herunterladen. Und obwohl neue Kopierschutzmechanismen verhindern sollen, dass Käufer die selbstgebrannten Silberlinge weiterkopieren, werden die DVDs auf handelsüblichen Playern laufen.
Der Umweg über die DVD wird wohl der erste Schritt der Vod-Anbieter auf dem Weg zu Eroberung der Wohnzimmer. Künftig könnte Vod ein Baustein im Multimedia-Unterhaltungszentrum vor dem heimischen Sofa werden. Ab Herbst können beispielsweise T-Online-Kunden per VDSL und Set-Top-Box nicht nur Bundesliga-Spiele und rund 100 Fernsehprogramme als IPTV empfangen, sondern auch Filme per Vod abrufen - das Stichwort heißt T-Home. "Unterhaltung findet im Wohnzimmer statt und da wollen wir rein", sagt T-Online Sprecher Martin Frommhold.
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