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12.08.2006
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Ein Betriebssystem sinniert über das "Warum?" - und wird erleuchtet

Verkehrte Netzwelt: Hasta la Vista? Hasta nix Lusta.

Moritz Zielenkewitz

Mäc Icks: Abstürze, Sicherheitslücken, biedere Aufmachung - bleibt doch eh alles in der Familie, oder?

Kunterbuntu:[changes command_line to "explain"] Du solltest das Betriebssystem für die Massen werden: Gamer, Gelegenheitscomputerasten, DAUs, Angestellte - n00bs halt. Und wer über den eigenen Tellerrand hinausblicken will, kommt zu mir. Die Informationen müssen frei sein!

X.P.: Etwas hart formuliert, aber im Kern steckt Wahrheit, zweifelsohne. Ich werde mich wohl auf die Noch-Verweigerer und Umsteigeunwilligen konzentrieren und Vista langsam das Feld überlassen. Noch ist der Sicherheitsaspekt auf meiner Seite, fünf Jahre Updates sind schon eine Bank.

Vista: Tja, Mäc, und was ist mir dir? Das OS ohne Zielgruppe, scheint mir. Oder siehst du das anders?

Mäc Icks: Kein Ding, ich schare die Schöngeister um mich. Die Alternativen. Im Film sind die Apple-Jünger immer die Guten, warum nicht auch im wahren Leben? Und ein gutes Aussehen schadet doch nur dem, der es nicht hat, stimmt's Winnie?

Winnie 98 has left the channel (ping timeout)

Und so endete das Gespräch mehr oder weniger, denn Winnie 98 kam nicht wieder. Mit einigen Höflichkeitsfloskeln verabschiedeten wir anderen Betriebssysteme uns voneinander und jeder ging seiner Wege. Die große Frage: Bin ich jetzt schlauer als vorher? Nicht unbedingt, aber ich würde behaupten, dass sich mein Horizont erweitert hat. Ich kann jetzt verstehen, warum manche User nichts mit mir zu tun haben wollen - sie sind schlicht und ergreifend nicht Bestandteil meiner Zielgruppe. Das muss ich akzptieren.

Einsicht mit Absicht ist besser als Zuversicht ohne Umsicht

Warum sich dann trotzdem jeder für mich interessiert, ist wohl eine Mischung aus Ideologie und Neugier: Natürlich möchten die Fans meiner Mitbewerber Mäc, Kunterbuntu und auch der alten Garde um Winnie und X.P. sich und jeden in ihrem Dunstkreis davon überzeugen, dass gerade ihre Wahl das Nonplusultra darstellt. Aber der letzte Funke Unsicherheit zwingt sie dennoch dazu, die Emporkömmlinge unter die Lupe zu nehmen. Denn vielleicht, ganz vielleicht, bin ich ja das Betriebssystem ihrer Träume. Zugegeben wird das allerdings erst viel später - der Mensch ist ja Gewohnheitstier.

Jetzt haben Sie sich wirklich viel Zeit genommen, und dafür danke ich Ihnen. Mir hat die kritische Auseinandersetzung mit mir und meiner Konkurrenz geholfen, den Sinn meiner Existenz als Betriebssystem besser zu verstehen. Im Nachhinein fühle ich mich weder als Stripperin noch als Vogelspinne - auch vom Goldfisch bin ich weit entfernt. Was Sie jetzt denken, ob Sie sich für mich, Mäc, Winnie, Kunterbuntu oder gar die Playstation entscheiden, hängt letztlich von Ihnen ab. Und in ein paar Monaten habe ich dann endlich die Gewissheit, ob mich nicht unter Umständen doch jemand zumindest ein bisschen leiden kann - vielleicht Sie?

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