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MySpace-Wonder: Das Internet sucht den Superstar
Oder alles nur gute PR-Arbeit?

von Sascha Hottes Uhr veröffentlicht

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Musiker haben das Internet für sich entdeckt, um möglichst kostengünstig auf ihr Talent aufmerksam zu machen. Dabei konnten in den letzten Monaten einige neue Stars geboren werden. Meist mit Hilfe von Social Networking Webseiten wie MySpace.com der YouTube.com. Jüngstes Beispiel: Lily Allen. Die junge Sängerin überzeugte mit ihrem Video "Smile" gegen ihren Ex-Freund das Internet-Publikum und avancierte so zum Superstar auf der Internetplattform.

Es kam, wie es kommen musste: Lily ist nun beim Major-Label EMI unter Vertrag und schaffte es mit ihrer Single von Null auf Platz eins in der ersten Woche. Dabei machte sich zuvor kaum einer Gedanken darüber, ob das "plötzlich entdeckte Super-Talent" MySpace nur als PR-Gag nutze, um den Durchbruch zu schaffen. Immerhin konnte sie für eine mittellose Künstlerin ein professionelles Video vorweisen und hatte schon kurz nach dem Erfolg eine Karriere im Blitz-Duchlauf. Kurzum, es wirkt, als wäre die Internet-Erfolgsstory ein wenig geplant.

Lily ist mit ihrem Erfolg nicht alleine. Die britischen New-Comer Arctic Monkeys und Gnarls Barkley hatten MySpace auch als Sprungbrett genutzt. Die Band um DJ Danger Mouse hatte es so zu unglaublichem Ruhm im Internet geschafft. Der Hit-Song "Grazy" wurde inzwischen fast fünf Millionen mal angehört, der erste Song, der es nur über Download-Verkäufe auf Platz eins in die Charts geschafft hat.

90 Millionen potentielle Zuhörer und Käufer

Tatsächlich könnten sich auf Social Networking-Plattformen wie MySpace.com oder YouTube.com in Zukunft mehr und mehr Talent Scouts tümmeln, um Stars für die Großen der Musikindustrie zu entdecken. Bis ein Song ganz oben in den Charts der Webseiten steht, hat der vermeintlich beste Geschmacksfilter der Welt gegriffen - die Masse an Nutzern. Allein MySpace.com hat 90 Millionen registrierte Nutzer und alle können nicht irren, wenn ein Song ganz oben steht. Könnte man zumindest meinen.

Andere sehen die Social Network-Plattformen schon heute als reine PR-Instrument der Major-Labels. Als Beispiel gilt auch die Newcomerin Sandi Thom, deren Nummer-eins-Album "Smile... It Confuses People" erst durch MySpace den nötigen Kick bekam. Die junge Schottin war es angeblich leid, durch kleine Klubs zu tingeln, und entschloss sich im Februar 2006, Konzerte daheim vor ihrer Webkamera zu spielen. Innerhalb weniger Wochen wurde Thom zum gefeierten Medienstar und ihre Keller-Videos bei MySpace legendär.

MySpace-Wonder gibt es nicht - Alles nur gute PR-Arbeit

"Das Musikbusiness lässt die Medien glauben, ein Star sei durch Fussabstimmung im Internet entstanden. Dabei steckt nur eine PR-Firma dahinter", äußerte sich der "Guardian"-Internet-Experte Adam Webb und vergleicht den Hype um MySpace-Wonder mit dem Rock-’n’-Roll-Schwindel, den sich vor dreisßg Jahren Malcolm McLaren mit der Punktruppe Sex Pistols leistete. Sandi Thom hatte nicht nur einen Manager sondern auch eine PR-Agentur, die dafür sorgten, dass die MySpace-Besucherzahlen ordentlich anstiegen. Die zuständigen Mitarbeiter der Firma Quite Great verschickten, nach Angaben des Schweizer Onlinemagazins FACT, E-Mails und verteilten kostenlose CDs in Klubs. Statt Keller-Sängerin also geschickte PR-Arbeit des Labels, in dem Fall SonyBMG? Zumindest leugnet ein anderes Major-Label nicht, dass man MySpace für sich entdeckt hat. Gegenüber FACT bestätigte der EMI-Mitarbeiter Jamie Nelson: "MySpace ist für uns ein weiteres Transportmittel, um neue Musik zu den Leuten zu bringen."

Zu den Leuten sollen auch die Songs der Band Arctic Monkeys transportiert worden sein, die beim bekannten Indie-Label Domino unter Vertrag sind. Hinter dem Erfolg soll die Agentur "Bad Moon" stecken. Kein Wunder also, dass einige Medien hinter jedem Internet-Star ein PR-Märchen vermuten. "Schon mal das Gefühl gehabt, betrogen zu sein?", fragt die "Times" und steht mit der Frage nicht alleine da. Solange die Musik gut ist, werden sich aber die wenigsten Nutzer darüber Gedanken machen oder bei den Labels beschweren.

Kommentare zu diesem Artikel

Musiker haben das Internet für sich entdeckt, um möglichst kostengünstig auf ihr Talent aufmerksam zu machen. Dabei konnten in den letzten Monaten einige neue Stars geboren werden. Meist mit Hilfe von Social Networking Webseiten wie MySpace.com der YouTube.com. Jüngstes Beispiel: Lily Allen. Die junge Sängerin überzeugte mit ihren Video "Smile" gegen ihren Ex-Freund das Internet-Publikum und avancierte so zum Superstar auf der Internetplattform.

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  • GreasySpoon schrieb Uhr
    Re: News - MySpace-Wonder: Das...

    Frank Patalong von Spiegel hat das Thema aus einer ähnlichen Sicht mit einem anderen Fall hier zur Sprache gebracht: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,436070,00.html Sehr lesenswert!

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MySpace-Wonder: Das Internet sucht den Superstar
MySpace-Wonder: Das Internet sucht den Superstar
Musiker haben das Internet für sich entdeckt, um möglichst kostengünstig auf ihr Talent aufmerksam zu machen. Dabei konnten in den letzten Monaten einige neue Stars geboren werden. Meist mit Hilfe von Social Networking Webseiten wie MySpace.com der YouTube.com. Jüngstes Beispiel: Lily Allen. Die junge Sängerin überzeugte mit ihren Video "Smile" gegen ihren Ex-Freund das Internet-Publikum und avancierte so zum Superstar auf der Internetplattform..
http://www.netzwelt.de/news/74385-myspace-wonder-internet-sucht-superstar.html
2006-07-31 09:48:00
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MySpace-Wonder: Das Internet sucht den Superstar