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Musik weiterverkaufen: Erlaubt vs. verboten
Legal gekaufte CDs und Download-Songs weiterverkaufen

von Christoph Scholl Uhr veröffentlicht

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Jahrelang staubte sie in aller Ruhe vor sich hin. Doch beim Entrümpeln des Dachbodens fällt sie einem plötzlich wieder in die Hände: Die alte CD-Sammlung aus Teenagertagen. Längst hatte man versucht, die peinlichen Silberscheiben der Backstreet Boys, Vanilla Ice oder Mr. President aus dem Gedächtnis zu löschen. Umso heftiger der Schock, die Jugendsünden jetzt wieder in den Händen zu halten.

Jahrelang staubte sie in aller Ruhe vor sich hin. Doch beim Entrümpeln des Dachbodens fällt sie einem plötzlich wieder in die Hände: Die alte CD-Sammlung aus Teenagertagen. Längst hatte man versucht, die peinlichen Silberscheiben der Backstreet Boys, Vanilla Ice oder Mr. President aus dem Gedächtnis zu löschen. Umso heftiger der Schock, die Jugendsünden jetzt wieder in den Händen zu halten.

"Ja", bestätigt Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kanzlei Michael in Gevelsberg. "Wenn eine Musik-CD bereits auf dem Markt war und man diese legal gekauft oder geschenkt bekommen hat, darf eine solche CD frei weiterverkauft werden. Dies gilt übrigens auch für Film-DVDs oder CDs und DVDs, die Computer-Software enthalten." Der Anwalt weiter: "Der Grund dafür, dass solche Inhalte frei weiterverkauft werden dürfen, liegt im so genannten Erschöpfungsgrundsatz, § 17 UrhG . Der Erschöpfungsgrundsatz besagt, dass die Weiterverbreitung eines Werkes, das bereits mit Zustimmung des Urhebers auf den Markt gebracht wurde, zulässig ist. Der Urheber verdient somit nur einmal an dem Verkauf seines Werkes."

Das gilt jedoch nur für die Originale. Wer Kopien einer Musik-CD, einer DVD oder eines Computerspiels verkaufen will, braucht dazu die Erlaubnis des Urhebers. "Innerhalb des § 53 UrhG, dies ist die so genannte Privatkopieschranke, dürfen Musik-CDs kopiert und unentgeltlich an Freunde und Familienangehörge weitergegeben werden. Der Verkauf von kopierten Inhalten, etwa bei eBay, ist jedoch per Gesetz verboten", so Christian Solmecke.

Weiterverkauf von Download-Musik

Der langjährige Musikfan hat jedoch nicht nur CDs im Regal, die er vielleicht nicht mehr hört, sondern sammelt seit einigen Jahren auch fleißig Download-Musik. Egal ob bei Musicload, dem iTunes Music Store oder bei Napster: Wer legale Musik aus dem Netz herunterladen will, muss in der Regel dafür bezahlen. Warum soll man also nicht auch die gekaufte Download-Musik, die man ohnehin nicht mehr hört, weiterverkaufen können? Bei originalen Musik-CDs geht dies doch auch.

"Rechtlich gesehen ist das eine schwierige Frage", so Anwalt Solmecke, "Grundsätzlich ist der Kauf einer Musik-CD und der einer Musikdatei durchaus vergleichbar. In beiden Fällen erwirbt der Kunde einen Wertgegenstand (auch wenn dieser bei der Datei virtuell ist), der nach dem Erschöpfungsgrundsatz auch weiterverkauft werden darf. Der Unterschied dabei ist jedoch der so genannte materielle Werkträger, den lediglich die CD besitzt. Im Urheberrechtsgesetz wird nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch immaterielle Werkstücke - ein solches wäre eine Musikdatei - dem Erschöpfungsgrundsatz unterliegen. So wird man erst entsprechende Gerichtsentscheidungen zu diesem Thema abwarten müssen."

Selbst wenn der Verkauf von Download-Musik rechtlich geklärt und legal wäre, würden die DRM (Digital Rights Management)-Systeme der meisten Shop-Anbieter dem Weiterverkauf einen Strich durch die Rechnung machen. Egal ob bei Apple, Musicload, AOL oder Napster: Zumindest jeder, der Musik der großen Major-Labels verkaufen will, kommt um den Einsatz eines DRM-Systems nicht herum.

Digital Rights Management-Systeme sowie die Lizenzen, die sie schützen sollen, könnten jedoch auch einige positive Eigenschaften besitzen, die beim Weiterverkauf von Download-Musik nicht uninteressant sein könnten. Bei den meisten Downloadanbietern erwirbt man mit dem Kauf eines Songs nicht nur das eigentliche Musikstück, sondern auch das Recht, den Song beispielsweise dreimal zu kopieren und zusätzlich zum Beispiel fünfmal zu brennen.

Rechtsanwalt Solmecke meint dazu: "Sofern der Lizenzvertrag auch das Erstellen einer materiellen Kopie auf CD eingeräumt hat, darf diese CD weiter verkauft werden. Meines Erachtens ist sogar folgende Konstellation denkbar: Der User kauft sich einen Song per Online-Download. Danach brennt er sich eine Kopie auf CD. Soweit der Song per DRM/Lizenz noch kopiert werden darf, erstellt sich der User noch eine weitere Kopie auf seinem Laptop. Dies geschah im Rahmen des § 53 UrhG (Privatkopieschranke). Später entschließt sich der User dazu, die CD weiter zu verkaufen. Dann darf er trotzdem die legal erstellt Kopie behalten und muss diese nicht von seinem Rechner löschen."

DRM könnte also durchaus etwas positives für Musikfreunde sein. Solange die rechtliche Lage jedoch nicht eindeutig ist, sollten Musik-Fans sich mit dem Verkauf von Download-Songs - ob auf gebrannter CD oder als Datei - besser zurückhalten. Schließlich ist nicht erst seit gestern bekannt, dass die Musikindustrie sehr empfindlich auf das Thema Urheberrecht reagieren kann.

Kommentare zu diesem Artikel

Jahrelang staubte sie in aller Ruhe vor sich hin. Doch beim Entrümpeln des Dachbodens fällt sie einem plötzlich wieder in die Hände: Die alte CD-Sammlung aus Teenagertagen. Längst hatte man versucht, die peinlichen Silberscheiben der Backstreet Boys, Vanilla Ice oder Mr. President aus dem Gedächtnis zu löschen. Umso heftiger der Schock, die Jugendsünden jetzt wieder in den Händen zu halten.

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  • Skynet77 schrieb Uhr
    AW: Re: Sorry, aber euer Anwalt...

    ....von daher kann der Shop da reinschreiben..... falsch - schreibt er widerrechtliche Sachen rein, kann er sogar befürchten, dass sämtliche AGB's ungültig sind...
  • Anonym schrieb Uhr
    Re: Sorry, aber euer Anwalt...

    AGBs haben keine Gesetzeskraft, von daher kann der Shop da reinschreiben, was er will. Im Artikel wurde darauf hingewiesen, daß die Rechtslage noch ungeklärt ist. Sie klärt sich aber bestimmt nicht, nur weil die Musikindustrie irgendwelche windigen Bestimmungen in ihre Download-AGBs schreibt. Abgesehen davon: Software und Musik sind schon von Gesetz her unterschiedlich behandelt.
  • Dirk Schober schrieb Uhr
    Sorry, aber euer Anwalt erzählt Quatsch...

    Mal abgesehen davon, dass es schon Verschwendung von Rohlingen wäre, diese minderqualitativen Audio-Files der DRM-Shops auf CD zu brennen.... Es ist eindeutig geregelt, dass KOPIEN nicht weiterverkauft werden dürfen, sondern nur Originale! Mit dem Kauf einer CD erwirbt man auch das Recht bzw. die legale Möglichkeit auf private Kopien! Trotzdem darf man diese Kopien nicht bei Ebay und Co verkaufen. Genauso wenig darf ich Kopien von Audiofiles weiterverkaufen. Das gleiche gilt für Software, welche kein ´physisches Medium´ hat...dort sind bereits mehrere Urteile draussen, dass "gebrauchte Lizenzen" nicht weiterverkauft werden dürfen! Hätte der gute Anwalt mal die AGBs der DRM-Shops gelese, hätte er auch gesehen, dass man ausschliesslich ein RECHT AUF NUTZUNG "kauft", welche für den privaten Gebrauch von Musik(bei Software schon) im Übrigen gar nicht nötig wäre!! Desweiteren wird in den ABGs ausdrücklich die "Nichtübertragbarkeit" des Nutzungsrechtes erwähnt! ABGs: Der Kunde erhält ein persönliches, nicht ausschließliches und nicht übertragbares Nutzungsrecht zur vertraglich vorgesehenen Nutzung der erworbenen Musikfiles. Im Rahmen der vertraglich vorgesehenen Nutzung ist das Brennen der Musiktitel auf CD-Rohlinge sowie die Übertragung auf Abspielgeräte des Nutzers ausschließlich zum persönlichen Gebrauch gestattet. Die Brennbarkeit und/oder Übertragbarkeit der Musiktitel wird ausdrücklich nicht gewährleistet. Desweiteren sollte noch erwähnt werden, dass man Softwareprodukte nicht ohne weiteres bzw ohne Vorsicht verkaufen darf. Diese sind oft an Hardware gekoppelt und wenn auch nur mit dieser legal weiterzuverkaufen. Auch wenn dieses nicht der Fall ist, muss zwingend diverses "Zubehör" der Software mitverkauft werden. Der Verkauf einer ´losen´ Software-CD/-DVD ohne orig. Verpackung und Sicherheitsmerkmalen führt schnell zu einer teuren Abmahnung. Viele Grüsse Dirk Schober ....der sich manchmal fragt, warum er das Ganze studiert hat, wenn er sowas liesst.
  • Sascha Gütebier schrieb Uhr
    AW: News - Musik weiterverkaufen: Erlaubt vs. verboten

    Da hat mich mein Gedächtnis doch nicht getäuscht. Ich war mir auch sicher, das eBayer ärger mit CD Verkäufen hatten. Aber der Beitrag zeigt, das man es doch darf
  • Pixel schrieb Uhr
    Abmahnwelle wegen eBay-Verkäufen

    Da fällt mir aber diese Abmahnwelle von Anwälten gegen eBay-User ein, die CDs (Originale) von Jose Carreras und Placido Domingo verkauft haben. Begründet wurde das nicht mit dem Urhebergesetz, sondern mit Verstößen gegen das Markenrecht. Sicherlich, legal ist diese Aktion nicht, aber interessant in diesem Zusammenhang. Mehr unter http://www.at-mix.de/news/1342.html

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Musik weiterverkaufen: Erlaubt vs. verboten
Musik weiterverkaufen: Erlaubt vs. verboten
Jahrelang staubte sie in aller Ruhe vor sich hin. Doch beim Entrümpeln des Dachbodens fällt sie einem plötzlich wieder in die Hände: Die alte CD-Sammlung aus Teenagertagen. Längst hatte man versucht, die peinlichen Silberscheiben der Backstreet Boys, Vanilla Ice oder Mr. President aus dem Gedächtnis zu löschen. Umso heftiger der Schock, die Jugendsünden jetzt wieder in den Händen zu halten.
http://www.netzwelt.de/news/74371-musik-weiterverkaufen-erlaubt-vs-verboten.html
2006-07-23 10:36:00
News
Musik weiterverkaufen: Erlaubt vs. verboten