Verkehrte Netzwelt: Ach- und Krach-Geschichten

Zum Abschalten

Saisonal unabhängiges Sommerloch



In einem Wissens-Magazin zur Abwechslung einmal einen nicht wiederholten Beitrag zu erhaschen, muss nicht unbedingt eine glückliche Fügung sein. Denn die Masse macht's: Um eine Sendung bis zur letzten Minute mit Material zu füllen, scheint den Machern fast jedes Mittel recht. Was dabei herauskommt, gleicht oftmals der Berichterstattung in einem saisonal unabhängigen Sommerloch. Ob ein Mensch ein Ei ausbrüten kann oder wer von einem Bier-, Wasser- oder Kaffee-Trinker früher austreten muss, ist in etwa so interessant wie eine Reportage über Fäkal-Taucher zum Abendessen.

Und die Masse macht's nach: Im Grunde spielt es gar keine Rolle mehr, welche Wissenssendung man einschaltet, das Themenangebot unterscheidet sich kaum. Egal ob aufgewärmte und als neu etikettierte Berichte oder wirklich kreative Einfälle, die Plagiate lassen nicht lange auf sich warten. Inzwischen dürfte zum Beispiel selbst der letzte Zuschauer verstanden haben, dass in Dubai ein Super-Hotel von Superreichen für Superreiche in Form eines Segelschiffs steht. Zudem reichen abgedroschene Zauberwörter wie "Kult", "Klassiker" und "Pimp my irgendwas" beileibe nicht aus, um langweilige Themen in aufregende zu verwandeln.

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Schön, wenn Wissen Spaß macht und ins Fernsehen kommt. Allerdings sollten manche Sender mehr dafür tun, dass es auch so bleibt. Und auf längere Sicht wird das mit der teilweise sogar wortwörtlichen Brot-und-Butter-Berichterstattung nicht funktionieren. Vielleicht sollten sich die kreativen Köpfe einfach mehr Zeit lassen und sich selbige über wirklich spannende und interessante Dinge zerbrechen anstatt mit wenig durchdachter Massenproduktion zu protzen.

Auch wäre es keine Schande, wenn sich die privaten Bildungs-Beauftragten einmal selbst eingestehen würden, dass gewisse Themen ihr eigenes Vorstellungsvermögen übersteigen und es ihnen damit de facto an der didaktischen Kompetenz mangelt, diese akkurat zu vermitteln. In vielen solcher Fälle hätte es bereits genügt, einem echten Experten richtig zuzuhören. Etwas Gutes lässt sich den angesagten "Ach- und Krach-Geschichten" dennoch abgewinnen: Je mehr es davon gibt, desto mehr Menschen werden einfach abschalten und ihr Wissen selbst in die Hand nehmen - in Form eines Buches.

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