Wissen am Fliessband

Verkehrte Netzwelt: Ach- und Krach-Geschichten

Ob sich das orangefarbene, inzwischen 35 Jahre alte Nagetier wohl jemals hätte träumen lassen, wie nachhaltig es das Fernsehen des nächsten Jahrtausends prägen würde? Wahrscheinlich nicht. Mittlerweile schießen die modernen Ableger der "Sendung mit der Maus" wie Unkraut aus einem ungepflegten Blumenbeet. Das Konzept ist einfach, von den meisten denkbar und denkbar einfach: komplizierte oder interessante Sachverhalte in einfache Worte und Bilder fassen. Allerdings treibt die neue Lust am Wissen mitunter seltsame Blüten.

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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Nichts für Vegetarier
  2. 2Verständnis statt Wahrheit
  3. 3Zum Abschalten

Eines vorweg - einem TV-Format, das im Gegensatz zum gängigen Usus nicht zur Volks-Verblödung beiträgt, gebührt schon allein deshalb ein gewisser Respekt. Denn stumpfsinnige Kinderserien wie Teletubbies, Pokémon und Konsorten oder weitgehend wertlose Erwachsenenunterhaltung wie Mittags-Talkshows und schlecht gespielte Action-Serien tragen weder zum besseren Abschneiden in der PISA-Studie noch für mehr Verständnis für den hochtechnisierten Lebensalltag bei.

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Nichts für Vegetarier

Die Wurst ist dem Deutschen heilig. Dieser Schluss dürfte sich zumindest bei denjenigen aufdrängen, die nach Feierabend gerne in den so genannten "Infotainment"-Sendungen der Privatkanäle herumzappen. Kaum ein Tag vergeht, an dem kein totes Tier zu flotter Musik zerschnitten, zerstückelt oder anderweitig verarbeitet wird. Selbst wer gerade genüsslich seine Spaghetti mit rein pflanzlicher Tomatensoße verspeist, kann dabei schneller seinen Appetit verlieren, als der gerade angefangene Bissen heruntergeschluckt ist. Doch netzwelt ist nunmal ein Technik-Magazin und der Autor dieses Artikels kein Vegetarier, weshalb wir das Urteil über die Glorifizierung der fleischverarbeitenden Industrie lieber anderen überlassen.

Also zurück zu "High Tech": Mehr noch als Wurst und Wiener Schnitzel stehen bei der fast alltäglichen Fleischbeschau die technischen Gerätschaften der Massenproduktion im Vordergrund - Fließbänder, Metall-Kessel, Roboterarme, Mahlwerke, Öfen, Zentrifugen et cetera. Doch nicht nur dort, ähnliche Ansammlungen lärmender Maschinen und Motoren finden sich bei nahezu jedem alltäglichen Lebensmittel oder Verbrauchsgegenstand, den uns die neuen Lach- und Sachgeschichten näherbringen wollen.

Egal ob Brause, Fertig-Pizza oder Toilettenpapier, der industrielle Charme bleibt derselbe. Bei Drehbauchautoren mit dem Zeitdruck im Nacken bleiben kreative Schnellschüsse nun einmal nicht aus, doch müssen es immer wieder die gleichen Bilder von seelenlosen Apparaten und tristen Fabrikhallen sein? Oft dröhnt dann zu allem Überfluss noch der Maschinenlärm in authentischem Pegel aus den Fernsehboxen - gerne in Begleitung eines Interview-Partners, der im akustischen Kampf kleinlaut beigeben muss. In der Ruhephase nach getaner Arbeit ist das in etwa so erholsam wie ein mit Presslufthammer bewehrter Bauarbeiter vor geöffnetem Fenster.

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