Interview: "Mehr Raubkopien durch Kopierschutz"

"Busts gibt es fast genauso lange wie die Szene"

netzwelt: Warum haben die Konzerne dann überhaupt den Kopierschutz eingeführt?

Sen: Viele Jahre hatten etwa die Plattenbosse ein Monopol und die volle Kontrolle über die Verbreitung von Musik. Durch die Entwicklung des Internets, die verschlafen wurde, hat die Unterhaltungsindustrie nach und nach die Kontrolle verloren. Darauf reagierten die Bosse sehr emotional: Aus Empörung darüber, dass die mit viel Mühe hergestellten Produkte frei kopiert wurden, haben die Unternehmen Kopierschutzmechanismen entwickelt und ihre Anwälte auf die Raubkopierer angesetzt.

No Copy - Das Buch

Cover von No Copy

No Copy - Die Welt der digitalen Raubkopie
Broschiert - 304 Seiten
Preis:
15,80 Euro
ISBN: 3-932170-82-2
Verlag: Tropen Verlag

Weitere Informationen, Leseproben und einen Kurzfilm zum Buch gibt es unter www.no-copy.org

Krömer: Dabei hat bis jetzt kein Kopierschutz langfristig jemanden am Kopieren gehindert - egal ob in der Szene oder unter den normalen Benutzern. Inzwischen ist das Original im Vergleich zur Kopie sogar in mancher Hinsicht minderwertig - ich denke zum Beispiel an eine kopiergeschützte CD, die sich im Autoradio im Gegensatz zur Kopie nicht abspielen lässt.

Sen: Was wäre eigentlich, wenn die Industrie auf Kopierschutzmechanismen verzichten würde? Die Release-Groups würden von einem auf den anderen Tag die Motivation verlieren. Doch bis jetzt hat die Industrie diesen Schritt nicht gewagt - dabei hat sie eigentlich nichts zu verlieren.

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netzwelt: Weil die Kopierschutzmaßnahmen nicht fruchten, wird die Strafverfolgung verstärkt. Immer wieder hört man, dass den Justizbehörden bei Razzien große Schläge gegen die Release-Groups gelungen sind. Haben die so genannten Busts die erwünschte Wirkung?

Krömer: Busts gibt es fast genauso lange wie die Szene und trotzdem werden die neuesten Filme, Musikalben und Softwareversionen noch veröffentlicht - mit der abschreckenden Wirkung kann es also nicht allzu weit her sein. Sicher ist im ersten Moment der Schock immer sehr groß in der Szene, wenn Bekannte und Freunde gebustet und inzwischen sogar Gefängnisstrafen verhängt werden. Aber auch wenn sich einzelne Gruppen dann auflösen, wittern gleichzeitig neue Gruppen die Chance, deren Platz einzunehmen und sich einen Namen zu machen.

Sen: Ich kenne ein Szene-Mitglied, das Ende der Neunziger dreimal gebustet worden ist: Er konnte es einfach nicht sein lassen. Solche Fälle gibt es oft - viele Szene-Mitglieder glauben der Polizei dank ihrer Sicherheitsvorkehrungen überlegen zu sein.

netzwelt: Vernünftig ist das eigentlich nicht. Woher kommt die Motivation, dass solche Szene-Mitglieder trotz der Bedrohung nicht aussteigen?

"Stars der Szene werden behandelt wie Gott persönlich"

Sen: Wenn renommierte Szene-Mitglieder mit ihrem Nickname ins Netz gehen, werden sie behandelt wie Gott persönlich - sie sind Stars in der Szene, die verehrt und respektiert werden. Fast ihr ganzes Leben spielt sich in dieser Subkultur mit festgelegten Regeln und Hierarchien ab. Ein Ausstieg würde für viele Szene-Mitglieder bedeuten, einen Großteil einer Existenz aufzugeben, die sie sich über Jahre aufgebaut haben.

Krömer: Das Streben nach der Anerkennung im Netz und der Wettbewerb zwischen den Gruppen ist die Hauptmotivation. Natürlich ist die Mitgliedschaft in der Szene auch ein Hobby: Das Knacken eines Kopierschutzes ist für viele einfach eine kreative Herausforderung, die Spaß macht. Zusätzlich machen die drohenden Strafen für viele Szene-Mitglieder ihr Hobby eher spannender statt abzuschrecken.

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Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 12 Beiträge

Es liegt ganz einfach in der Natur des Menschen sich Wissen und Information anzueignen, je einfacher desto besser... Ich schliesse mich ausserdem lückenlos mit meiner Meinung an meine Vorredner an.

Wie recht die beiden Autoren haben (und auch meine Vorredner hier). Das Buch werde ich mir auf jeden Fall kaufen, ist mit Sicherheit interessant. Was die blöde Musikindustrie auch immer noch nicht ändert ist ihr...

Ganz meine Meinung. Gut, ich kenne die Szene jetzt nicht, aber als Kunde weiß ich, dass ich seit der Einführung des Kopierschutzes massig Geld sparen. Weil ich diese oder jene CD kopiergeschützt ist. Oder weil das...

Besonders die letzte Seite des Interviews finde ich interessant: Die Kunden wollen den Kopierschutz doch gar nicht, weil er sie einschränkt. Das vergrault die Kunden. Außerdem werden "Raub"kopien (was ein dämliches...

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