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15.07.2006
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Die Autoren des Sachbuches "No Copy" im netzwelt-Interview

Interview: "Mehr Raubkopien durch Kopierschutz"

Kopierschutz

Für die Unterhaltungsindustrie ist klar: "Raubkopierer sind Verbrecher". Sehr viel differenzierter haben Evrim Sen und Jan Krömer das Massenphänomen Raubkopie in ihrem Buch "No Copy" analysiert: Im netzwelt-Interview erklären die Autoren, warum die Industrie mit der Einführung des Kopierschutzes einen Fehler gemacht hat, wieso die Szene trotz regelmäßiger Razzien auch in Zukunft bestehen wird und warum die zunehmende Reglementierung des Internets durch Gesetze sogar eine Gefahr für die Netzkultur ist.

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netzwelt: Warum habt ihr ein Buch über "Die Welt der digitalen Raubkopie" geschrieben?

Krömer: In den Medien wird derzeit fast nur über Gerichtsverfahren, Razzien oder über den Schaden berichtet, den Raubkopien angeblich anrichten. Unser Ziel war es, ein ausgewogeneres Bild zu vermitteln, das auch die Menschen und die Ideologie mit einbezieht, die hinter den Raubkopien stehen.

Sen: Wenn man sich wie wir seit Jahren mit dem Thema beschäftigt und auch Einblick in die geheime Szene der Releaser hat, stören einen einfach die vielen Fehlinformationen in den Medien. Wir wollten viele Dinge klarstellen und die Wahrheit schreiben, wie sie sich für uns darstellt.

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Jan Krömer (links) und Evrim Sen sind die Verfasser von "No Copy - Die Welt der digitalen Raubkopie". Beide hatten schon in jungen Jahren Kontakt zur Szene.

netzwelt:Habt ihr überprüft, ob euer Buch schon illegal im Netz getauscht wird?

Sen: Ja, wir haben schon eine Schwarzkopie von "No Copy" als eBook im Netz gefunden.

netzwelt: Und? Ärgert euch das nicht?

Sen: Natürlich ärgert uns das. Die Frage ist: Wie reagieren wir? Bevor man sofort zum Anwalt rennt und klagt, muss man sich die Frage stellen, ob das überhaupt hilft oder ob dadurch nicht noch mehr Schaden entsteht. Man kann diese Entscheidung nicht treffen, wenn man die Szene nicht kennt, die für solche Veröffentlichungen verantwortlich ist.

netzwelt: Die Unterhaltungs- und Softwareindustrie hat mit der Einführung von Kopierschutzmechanismen auf das Raubkopieren reagiert. Ihr schreibt in eurem Buch, dass mit der Entwicklung von immer neuen Kopierschutzmechanismen die illegale Verbreitung eher gefördert als verhindert wird. Warum?

Sen: Wenn sich eine neue Software-Version oder Kinofilme noch vor der Veröffentlichung im Internet verbreiten, stecken dahinter nicht Gelegenheitskopierer, wie anscheinend immer noch viele Industriebosse vermuten. Die Filesharer sind nur das Ende einer langen Kette, an deren Anfang die extrem gut organisierte Releaser-Szene steht, die vom FBI sogar als Syndikat bezeichnet wird.

"Durch neue Kopierschutzmechanismen wird mehr kopiert"

Krömer: Und für diese Szene ist jeder neue Kopierschutz eine neue Herausforderung, die es zu meistern gilt. Der Wettkampf darum, einen Kopierschutz als Erster zu knacken oder einen Film vor allen anderen Gruppen zu releasen, ist das, was die Szene antreibt. Nach der Einführung neuer Kopierschutzmechanismen wird daher nicht weniger, sondern häufig sogar mehr kopiert.

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rb, am 15.07.2006 19:42

Wie recht die beiden doch haben!!!!!!!!!! Es gibt nichts, was man nicht knacken kann.


Anonym, am 17.07.2006 13:51

Super, endlich mal ein Beitrag hier, wo man sich angesprochen fühlt!

So so, wir zahlen für den blöden Kopierschutz mit obwohl wir das nicht haben wollen. Letztens wollte ich eine DVD im Computer angucken und ging nicht, weil sie so merkwürdig rot war mit ganz dick "mit Kopierschutz" drauf. Da wollte ich das Ding zurückgeben, sagt die Frau von Saturn, das sei auch nicht für den PC gedacht. Wie bitte? Ist doch meine Sache, WO ich meinen Film gucke, hallo??? Wo sind wir denn hier?

Ist doch klar, dass die Leute lieber kopieren als für etwas zu bezahlen, was die nicht haben wollen. Den Schaden hat die Industrie schon lange, aber das hat mit Geld nix zu tun.


rb, am 17.07.2006 20:14

Anonym!
Du hast vollkommen recht. Ich möchte diesen Unsinn auch nicht haben und die Preise einer gekauften DVD stehen in keinen Verhältniss mehr. So lange die Leute das nicht kapieren wirdb immer fleißig weiter kopiert. Aber was sollst, um so interresanter bleibt es auf den Markt.


Jubelperser, am 17.07.2006 22:49

*kopfkratz*

Allerdings... früher gabs auch kein Internet. Private Netzwerke aufzubauen ist eine Sache von Minuten, Kopierschutzknacken Leistungsssport. Von USB, Freifunk, TOR, I2P und Co. fang ich garnicht mal an. Im Grunde genommen müsste die MAFIA die komplette IT Industrie einstampfen und keine Technik erlauben die weiterentwickelt als ein Abakus ist.
Oder wie Gorbi damals so schön sagte:

"Kto opasdyvaet, tovo nakasyvaet schisn"


starlight, am 17.07.2006 23:03

Zitat:

"Kto opasdyvaet, tovo nakasyvaet schisn"


und jetzt noch bitte die Übersetzung dazu...ich mag ungern sätze stehen lassen, die ich nich verstehe..sind ja schliesslich nen deutsches Forum...


mavy, am 18.07.2006 01:57

ich kann mich noch an die vollmundigen versprechungen und prognosen erinnern als vor einigen jährchen die DVD die normale VHS-kasette abgelöst hat .. vonwegen drastisch sinkender medienpreise die an die kunden weitergegeben werden und somit doch insgesamt alles günstigfer wird ..

aber um es mal genau zu sagen .. um 1998 rum kostete ein VHS- video etwa 30DM .. es in der videothek auszuleihen zwischen 3 und 8 DM .. heute sind wir bei aktuellen DVDs bei etwa 30-40€ und bei der videothek kostets auch 4€ am tag .. mindestens .. und das liegt sicher nicht am euro das die preise wie ich das sehe auf 200% vom "damaligen" angestiegen sind ..

dabei ist es eigentlich so eine einfache rechnung ..
und jeder depp weiss das man seine waare über den preis verkauft ..

und da der eindeutlig zu hoch ist ...

heutzutage könnte man CDs auch direkt als MP3 auf einem ROM-USB-stick verkaufen .. damit wären wir wenigstens in einem bereich wo die preise nachvollziehbar wären .. und die chipindustrie freut sich n wolff


MFG MAv


"Wer zu Spät kommt, den bestraft das Leben", am 18.07.2006 12:31

nix Text


DSK, am 18.07.2006 22:07

Besonders die letzte Seite des Interviews finde ich interessant: Die Kunden wollen den Kopierschutz doch gar nicht, weil er sie einschränkt. Das vergrault die Kunden. Außerdem werden "Raub"kopien (was ein dämliches Wort..) attraktiver, weil sie teilweise deutlich hochwertiger als das Original sind, da sie einen nicht beeinschränken. Ich jedenfalls werde mir niemals eine kopiergeschützte CD bzw. ein DRM-verkrüppeltes Lied kaufen, weil ich nämlich die Musik, für die ich zahle, so oft und auf so vielen Geräten abspielen will, wie ich lustig bin, und außerdem mit einem Player meiner Wahl. Da ich nicht der einzige bin, den Kopierschutz nervt, dürften die großen Plattenfirmen also allein dadurch schon eine gewisse Zahl an Kunden verloren haben - und sich somit selbst geschadet haben.
Und nachdem, was Sony sich mit seiner XCP-Spyware (man kann es fast schon Virus nennen) auf Musik-CDs geleistet hat, habe ich das Vertrauen in die Plattenindustrie vollständig verloren (sofern überhaupt welches vorhanden war..)


Khor, am 19.07.2006 21:07

Ganz meine Meinung. Gut, ich kenne die Szene jetzt nicht, aber als Kunde weiß ich, dass ich seit der Einführung des Kopierschutzes massig Geld sparen. Weil ich diese oder jene CD kopiergeschützt ist. Oder weil das ein oder andere Spiel einen extrem nervigen Kopierschutz hat. Gerade bei Spielen gibt es zum Glück jede Menge unterhaltsamer Indie-Software, die günstig ohne ohne Kopierschutzgedöns daherkommt. Und meistens kriegt man von den Entwicklern selbst eine nette Antwort auf Support-Mails. Das sind wirkliche Kaufgründe. Und dann bezahl ich auch gerne das Geld dafür. Einfach weil ich weiß, daß derjenige dann auch die Möglichkeiten hat, neues zu machen oder Patches zu entwickeln. Ich hab das Gefühl, daß bei den großen das Geld vom Support und der Entwicklung selber abgezogen wird und für Kopierschutz draufgeht. Warum ich das zahlen soll, verstehe wer will.
Bei den CDs genauso. Bei mir kommt keine mit Kopierschutz ins Haus. Muß man sich ja bald schämen. Wer kauft schon defekte Ware?
Aber leider wird diese Meinung wie auch das Buch völlig ungehört bleiben. Die Industrie hat sich ihre Wahrheit zurechtgelegt und die ist unverrückbar. Schade!


Gabbahead, am 20.07.2006 17:04

Wie recht die beiden Autoren haben (und auch meine Vorredner hier). Das Buch werde ich mir auf jeden Fall kaufen, ist mit Sicherheit interessant. Was die blöde Musikindustrie auch immer noch nicht ändert ist ihr naives Vorgehen beim Online Markt, sprich digitaler Musik. Wer möchte schon DRM verseuchte WMAs oder MP3s, wo Musepack (MPC) und Ogg Vorbis sooo viel besser sind von der Qualität? Von Monkey's Audio und FLAC ganz zu Schweigen! Lächerlich dieses Ausgrenzen von "Audiophilen", die wenigstens Ahnung von der Materie haben, anders als der gewöhnlich iTunes Nutzer! Und wer bezahlt schon 1€ oder mehr für DRM WMAs. Viel zu teuer und dann auch noch ein solches Schrottformat zu benutzten, tsss.

Checkt auch:
http://www.ccc.de/cgi-bin/search.pl?query=filesharing

INDUSTRY KILLS MUSIC


Austromedes, am 20.07.2006 20:07

Es liegt ganz einfach in der Natur des Menschen sich Wissen und Information anzueignen, je einfacher desto besser...
Ich schliesse mich ausserdem lückenlos mit meiner Meinung an meine Vorredner an.

Ach und sehr gut finde ich den Spruch "Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben!" im Kontext mit Internet & Musikindustrie. Müsste man auf T-Shirts drucken... ;)

FREIE INFORMATION FÜR ALLE
Die Zeit der kapitalistisch-fossilen Wirtschaft ist bald vorbei !


Anonym, am 29.09.2006 10:02

Timmä


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