Die Autoren des Sachbuches "No Copy" im netzwelt-Interview

Interview: "Mehr Raubkopien durch Kopierschutz"

Für die Unterhaltungsindustrie ist klar: "Raubkopierer sind Verbrecher". Sehr viel differenzierter haben Evrim Sen und Jan Krömer das Massenphänomen Raubkopie in ihrem Buch "No Copy" analysiert: Im netzwelt-Interview erklären die Autoren, warum die Industrie mit der Einführung des Kopierschutzes einen Fehler gemacht hat, wieso die Szene trotz regelmäßiger Razzien auch in Zukunft bestehen wird und warum die zunehmende Reglementierung des Internets durch Gesetze sogar eine Gefahr für die Netzkultur ist.

Interview: "Mehr Raubkopien durch Kopierschutz"
Jan Krömer (links) und Evrim Sen sind die Verfasser von "No Copy - Die Welt der digitalen Raubkopie". Beide hatten schon in jungen Jahren Kontakt zur Szene.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1"Durch neue Kopierschutzmechanismen wird mehr kopiert"
  2. 2"Busts gibt es fast genauso lange wie die Szene"
  3. 3"Stars der Szene werden behandelt wie Gott persönlich"
  4. 4"Zunehmende Reglementierung verhindert Innovationen"
  5. 5"Unknackbarer Kopierschutz ist unmöglich"

netzwelt: Warum habt ihr ein Buch über "Die Welt der digitalen Raubkopie" geschrieben?

Krömer: In den Medien wird derzeit fast nur über Gerichtsverfahren, Razzien oder über den Schaden berichtet, den Raubkopien angeblich anrichten. Unser Ziel war es, ein ausgewogeneres Bild zu vermitteln, das auch die Menschen und die Ideologie mit einbezieht, die hinter den Raubkopien stehen.

Sen: Wenn man sich wie wir seit Jahren mit dem Thema beschäftigt und auch Einblick in die geheime Szene der Releaser hat, stören einen einfach die vielen Fehlinformationen in den Medien. Wir wollten viele Dinge klarstellen und die Wahrheit schreiben, wie sie sich für uns darstellt.

netzwelt:Habt ihr überprüft, ob euer Buch schon illegal im Netz getauscht wird?

Sen: Ja, wir haben schon eine Schwarzkopie von "No Copy" als eBook im Netz gefunden.

netzwelt: Und? Ärgert euch das nicht?

Sen: Natürlich ärgert uns das. Die Frage ist: Wie reagieren wir? Bevor man sofort zum Anwalt rennt und klagt, muss man sich die Frage stellen, ob das überhaupt hilft oder ob dadurch nicht noch mehr Schaden entsteht. Man kann diese Entscheidung nicht treffen, wenn man die Szene nicht kennt, die für solche Veröffentlichungen verantwortlich ist.

netzwelt: Die Unterhaltungs- und Softwareindustrie hat mit der Einführung von Kopierschutzmechanismen auf das Raubkopieren reagiert. Ihr schreibt in eurem Buch, dass mit der Entwicklung von immer neuen Kopierschutzmechanismen die illegale Verbreitung eher gefördert als verhindert wird. Warum?

Sen: Wenn sich eine neue Software-Version oder Kinofilme noch vor der Veröffentlichung im Internet verbreiten, stecken dahinter nicht Gelegenheitskopierer, wie anscheinend immer noch viele Industriebosse vermuten. Die Filesharer sind nur das Ende einer langen Kette, an deren Anfang die extrem gut organisierte Releaser-Szene steht, die vom FBI sogar als Syndikat bezeichnet wird.

"Durch neue Kopierschutzmechanismen wird mehr kopiert"

Krömer: Und für diese Szene ist jeder neue Kopierschutz eine neue Herausforderung, die es zu meistern gilt. Der Wettkampf darum, einen Kopierschutz als Erster zu knacken oder einen Film vor allen anderen Gruppen zu releasen, ist das, was die Szene antreibt. Nach der Einführung neuer Kopierschutzmechanismen wird daher nicht weniger, sondern häufig sogar mehr kopiert.

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Im Forum diskutierenBeiträgeinsgesamt 12 Beiträge

Es liegt ganz einfach in der Natur des Menschen sich Wissen und Information anzueignen, je einfacher desto besser... Ich schliesse mich ausserdem lückenlos mit meiner Meinung an meine Vorredner an.

Wie recht die beiden Autoren haben (und auch meine Vorredner hier). Das Buch werde ich mir auf jeden Fall kaufen, ist mit Sicherheit interessant. Was die blöde Musikindustrie auch immer noch nicht ändert ist ihr...

Ganz meine Meinung. Gut, ich kenne die Szene jetzt nicht, aber als Kunde weiß ich, dass ich seit der Einführung des Kopierschutzes massig Geld sparen. Weil ich diese oder jene CD kopiergeschützt ist. Oder weil das...

Besonders die letzte Seite des Interviews finde ich interessant: Die Kunden wollen den Kopierschutz doch gar nicht, weil er sie einschränkt. Das vergrault die Kunden. Außerdem werden "Raub"kopien (was ein dämliches...

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