Verkehrte Netzwelt: Die vernetzte Kehrtwelt
Die Dame vom Amt
Die gleißende Sonne traf meine Augen wie ein Fausthieb. Sofort fiel ich nach hinten, schlug mit dem Kopf heftig auf der Tischkante auf und landete auf allen Vieren am Boden. Winselnd griff ich nach einem Besenstiel, hielt die Hand vor Augen und versuchte, aus der Hocke heraus den Vorhang mit Hilfe des Besenstiels wieder vor das Fenster zu schieben. Es gelang mir. Aufatmen. Sonne, ein von der Oberwelt völlig überbewerteter Himmelskörper. Benommen schlief ich eine Weile.
Langsam bekam ich Hunger. Normalerweise genügen wenige Klicks und mein Essens-Bote schiebt mir eine halbe Stunde später mein Care-Paket zwischen Tür und Angel durch. Es ist das immer gleiche Prozedere. Ich bestelle online, er kommt wenig später, klopft dreimal an der Tür, damit ich weiß, dass er es ist. Ich drücke ihm das Geld in die Hand, ein kurzes, angedeutetes Nicken und er geht wieder. Einmal wollte er mich in ein Gespräch verwickeln, er hatte schon fast den Fuß in meiner Tür. So gerade eben konnte ich ihn noch abwimmeln, indem ich irgendetwas von einem wichtigen Prozess am Rechner schwafelte.
Zum Hunger gesellte sich noch dessen kleiner Bruder, der Durst. Die Kaffee-Reste in den zahlreichen, im Zimmer verteilten Tassen würden mich höchstens über die nächsten zwei Stunden retten. Was aber, wenn dort oben ein echtes Problem mit dem Netz vorliegen würde. Vielleicht war ja nicht nur mein Anschluss tot, sondern das ganze Internet lahmgelegt? Ich kramte nach meinem Mobiltelefon, um jemanden anzurufen.
Doch wer sollte dieser Jemand sein? Gähnende Leere im Telefonbuch des Handys. Ich hatte die Auswahl zwischen dem ADAC-Notdienst, einem Ticket-Shop und der Service-Nummer des Mobilfunkbetreibers. Da Letzterer am besten zu meinem Problem passte, versuchte ich einfach mein Glück. Drei Freizeichen später eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung:
"Guten Tag, was kann ich für Sie tun?" Ich öffnete meinen Mund, spannte die Stimmbänder, ein seltsames Gefühl. Wann hatte ich überhaupt das letzte Mal gesprochen? "Gnten Taac Önntrenet karrpitt, karrpitt?", war dann der nicht gerade vielversprechende, erste Sprechversuch seit unschätzbar langer Zeit. "Hallo" - die ruhig und gelassen wirkende Stimme am anderen Leitungsende war offenbar Kummer dieser Art gewohnt.

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Ach... so macht der Schluß auch viel mehr Sinn :-) Grüße
So, wieder alles in Ordnung...
Ich glaube, dass es davon ganz ganz viele gibt...Nur merke ich gerade, dass der Artikel plötzlich aufhört. Eigentlich hatte der 6 Seiten :-( Wird aber wieder behoben! Grüße
Danke für den Artikel!! Ich kannte auch so jemand. Aber der lebt ---glaube ich--- noch. Grüße