Kanzlerin auf Sendung

Merkel-Podcast: Der Preis für fünf Minuten Langeweile



19.06.2006 14:38 Uhr

Langweiliges Politiker-Geschwafel gibt es in der Regel kostenlos auf Phoenix oder in den Tagesthemen. Ipod-Nutzer hingegen müssen blechen, wenn sie der Bundes-Chef-Langweilerin Angela Merkel zusehen möchten. Nicht direkt, natürlich, sondern aus dem Steuersäckel. Und das ist nicht ganz so billig, wie die Machart des Podcasts vermuten lässt.

Alle Frisur-Witze sind gemacht

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Wenn es im breiten Brandenburgisch heißt: "Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger", dann ist wieder Merkel-Time. Alle Witze über Optik und Frisur der ersten deutschen Kanzlerin sind gemacht, ihre Leistungen als Kanzlerin bisher kaum angreifbar. Doch halt, da war doch was: genau, der Merkel-Podcast! Frau Kanzlerin möchte sich progressiv präsentieren. Das hat ihr wahrscheinlich ein PR-Berater angetragen. Ein kleiner Image-Wechsel, weg von Wischmopp-Angie, hin zu einer Kanzlerin, die schneller auf neue Trends reagiert als manch Medienunternehmen. Der Kanzler-Podcast war geboren, Erstausstrahlung: 8. Juni 2006.

"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger" - Thema des ersten Podcasts war die Fußball-WM. Zehn Tage später die aktuelle Ausgabe. Thema: Elterngeld. Mindestens noch zwei Ausgaben folgen. Kostenpunkt für die ersten vier Ausgaben: 26.000 Euro. Im Paket. Im Anbetracht einer staatlichen Neuverschuldung von sekündlich 2.113 Euro laut dem Bund der Steuerzahler fällt der Preis für den Podcast kaum ins Gewicht. In zwölf Sekunden ist ein Wert erreicht, der die ersten vier Kanzlerinnen-Podcasts komplett abdeckt. Dennoch: Bezahlt wird die Summe aus dem Steuersäckel.

Der Preis für einen professionellen Video-Podcast

Verantwortlich für den Podcast zeichnet sich die Presseagentur RCC und kassiert für den Podcast ordentlich ab. Zwar mag die Summe von 6.500 Euro pro Podcast im Vergleich zu anderen Regierungs-Aktivitäten verschwindend gering sein. Zur Ehrenrettung der Kanzlerin ist das sogar im Vergleich zu anderen professionellen Video-Podcasts günstig: Wie eine Mitarbeiterin der ravenrocker GbR, der Produktionsfirma des erfolgreichen Internet-Fernsehformats "Ehrensenf" gegenüber der Netzwelt versicherte, ist die Produktion einer Folge Ehrensenf inklusive Technik, Personal, Maske, Licht, Recherche und Gags "vermutlich sogar teurer als der Merkel-Podcast."

Warum eine Folge Ehrensenf so teuer ist? Die Lösung ist einfach: Professionelle Gagschreiber sind teuer - ein Utensil, auf das die Kanzlerin Kraft ihres Amtes bisher zum Glück verzichtet. Wobei: Eine witzelnde Kanzlerin im Ehrensenf-Stil auf dem iPod wäre sicherlich mal etwas ganz Neues. Und ganz so ermüdend monoton wäre der Podcast dann auch nicht.

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Kommentare: Merkel-Podcast: Der Preis für fünf Minuten Langeweile (5)

  1. 1News - Merkel-Podcast: Der Preis für fünf Minuten Langeweile
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Im Forum diskutieren: News - Merkel-Podcast: Der Preis für fünf Minuten Langeweile

Thema: News - Merkel-Podcast: Der Preis für fünf Minuten Langeweile

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19.06.06 18:46

ich bin ja mal gespannt was angie zu diesem bericht sagt *gggg*


Gast
20.06.06 10:52

An und für sich ist die Idee aber gelungen.

Vielleicht mangelt es etwas an der Aufmachung und dem Inhalt, aber seien wir doch mal ehrlich, eine Angela Merkel die Politik á la Harald Schmidt dem Zuschauer beibringt hat doch eh keiner erwartet. Insofern ist der Podcast eher als eine Erweiterung des heute-Journals oder der ZDF Nachrichten zu sehen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ob die Kosten für den Podcast nur richtig sind oder falsch, darüber entscheide ich nicht, und dazu möchte ich auch nichts sagen.


Mucho
20.06.06 12:08

Mit dem Podcast hat Angie aber erklärtermassen den Versuch unternommen neue Zuhörerschichten zu erschliessen. Eine fantastische Idee vielleicht noch ein paar mehr Leute von der Politikverdrossenheit abzubringen. Aber wenn man das schon tut, dann auch richtig. Niemand verlangt von der alten Dame Slapstick Humor a la Dick und Doof. Aber solch ein trockenes Gerede kann sie genausogut im Fernsehen ablassen. Und wenn sie das ganze nur tut um ihr Image aufzupolieren, dann soll sie das gefälligst aus eigener Tasche bezahlen!!!
Selbstverständlich sind 26.000€ nicht viel Geld für den Staat. Aber wieviele Familien in Existenznot hätte man mit diesem Geld aus der Scheisse ziehen können, dass sie dafür verpulvert ihr Schlaftabletten-Gesäusel auf ein neues Medium zu bringen?
Ich bin dafür: Cancelt den blöden Podcast und verhökert das Geld an 10 hochverschuldete Familien. Bringt auch sicherlich mehr fürs eigene Image!


Mascha 2
10.07.06 20:15

Habe gerade die ultimative Alternative zum Merkel Podcast entdeckt. Geht mal auf die Seite www.echtebundeskanzlerin.de. Da gibt es auch einen Podcast. Ich schmeiß mich weg!


Internetsurfer
03.09.06 17:57

Stimmt mit ab, was haltet Ihr vom Merkel Podcast?

http://www.netzwerk-des-wissens.de/UmfrageZusammenstellen_DB.php?umfrage_id=10


(5) Kommentare

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