So kurz vor der WM ist wohl niemand mehr zu klaren Gedanken fähig

Verkehrte Netzwelt: Gottes Hand und Teufels Ellenbogen

Dass die Welt derzeit nur noch Ball und Ballack im Kopf hat, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Zu spät. Ich habe es trotzdem getan. Denn mir geht es nicht anders. Ich habe Angst. Versagensangst. Kurzer Uhrenvergleich: Noch eine Stunden bis zum Anpfiff. Was, wenn Deutschland bereits das erste Spiel verliert?

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Inhaltsverzeichnis

  1. 1Anpfiff
  2. 2Halbzeit
  3. 3Abpfiff

Anpfiff

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So langsam macht dieser Fußball ganz schön breiig. Du und ich, DAS ist Fußball. Zwölf Freunde sollt ihr sein. Der zwölfte Mann auf dem Feld. König Fußball, Kaiser Franz. Dieser Schuss ging nach hinten los. It's coming home. Bananen-Flanken, Lattenknaller, Abseits-Falle, Auswechselbank. Zinedine Zidane, Zielwasser, zirkeln - zum Heulen. Hoffentlich geht es bald los.

And the Winner is - Deutschland: Seitdem im Jahre 2000 bekannt wurde, dass Weißwurst-Deutschland Austragungsort der Fußball-Weltmeisterschaft, der Fifa Fussball-Weltmeisterschaft, der FIFA-WM 2006 TM...Wie schreibt man dieses Turnfest denn jetzt richtig? Einigen wir uns auf Fußball-WM. Kommt doch her und verklagt mich, wenn ihr euch traut. Hey, das macht Laune. Gleich weiter: Sämtliche Schiedsrichter sind bestechlich, die Linienrichter betrunken, Budweiser ist eine farblose Plörre. Bin ich jetzt gefeuert? Willkommen in der Bannmeile. Bitte reißen Sie sich jetzt Ihre nicht sponsorenkonforme Kleidung vom Leib.

Halbzeit

Nackt und arbeitslos schreibt es sich auch viel besser, irgendwie befreiter. Jetzt kann ich befreit aufspielen. Während ich hier so sitze, nackt wie Gott mich schuf, ziehen die ersten Fans in Richtung Stadion. Mutter mit Kind, Vater mit Sohn, Hooligan mit Knüppel. Zum Aufblasen, ist doch Ehrensache. Die Welt ist zu Gast bei Freunden, nicht?

Ich gehe nicht mit, obwohl ich mich schon seit sechs Jahren auf diesen Tag gefreut habe. Fußball ist doch völlig überbewertet. Sie müssten mich mal reden hören. Ich höre mich schon an wie meine Mutter: Kind, um acht bist du zu Hause, und mach dich nicht wieder so dreckig auf dem Bolzplatz. Ja, Bolzplätze. Das waren noch Zeiten. Da fällt mir ein, Sie können mich zwar nicht hören, aber immerhin lesen Sie ja diese Zeilen. Jetzt habe ich Sie dort, wo ich Sie haben will, kann Sie nach Strich und Faden manipulieren, Ihnen Ihre Fußball-Flausen aus dem Kopf radieren.

Geben Sie keine zehn Pfifferlinge auf unsere Nationalmannschaft. Steuern Sie der allgemeinen Euphorie mit einer gesunden Portion germanischer Verbittertheit entgegen. Kopf senken, Augen zu, Fahne einrollen.


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