IPTV: TV-Empfang per DSL-Anschluss
Telekom-Kooperation mit Microsoft sorgt für Ärger
T-Online setzt bei der Einführung von IPTV auf die Plattform Microsoft-TV, die unter anderem einen elektronischen Programmführer und Bild-in-Bild-Funktion ermöglicht. Programmwechsel sollen im Vergleich zu konventionellem Digitalfernsehen zügiger vonstatten gehen: Innerhalb von 300 Millisekunden können Zapper laut Microsoft per Knopfdruck den Sender wechseln.
Die Kooperation mit Microsoft sorgte allerdings bereits für Ärger. Die öffentlich-rechtlichen Sender waren von der Aussicht, dass den Zuschauern die Microsoft-Technologie auf das Auge gedrückt werden sollte, nicht sonderlich begeistet. "Wenn ich höre, dass die Telekom mit Microsoft kooperiert, da wird mir ganz anders", sagte Herbert Tillmann, Vorsitzender der Produktions- und Technikkommission von ARD und ZDF der Financial Times Deutschland.
Inzwischen hat sich der Pulverdampf verzogen: "Wir stehen der Übertragung der ARD-Sender per IPTV sehr aufgeschlossen gegenüber", sagt Gerald Breunig, Leiter Neue Technologien in der Technischen Direktion des Bayerischen Rundfunks. "Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Telekom unsere Programme auf Basis von offenen Standards und unverschlüsselt durchleitet." So werde gewährleistet, dass alle Geräte-Hersteller die entsprechenden Empfänger bauen könnten, ohne etwa Lizenzgebühren an Dritte überweisen zu müssen. "Die Telekom hat inzwischen signalisiert, dass sie auf diese Anforderungen eingehen will", so Breunig.
DRM: TV-Aufzeichnungen nicht brennbar
Zumindest der Empfang der öffentlich-rechtlichen Sender wird also auch mit einer Set-Top-Box ohne Microsoft-Betriebssystem möglich sein. ARD und ZDF lehnen im Gegensatz zu den Privatsendern auch den Einsatz eines Digital Rights Management (DRM) ab. Die meisten anderen Sender werden dagegen voraussichtlich nur mit DRM ausgestrahlt werden: So können die Sender zum Beispiel verhindern, dass Aufzeichnungen auf DVD gebrannt oder illegal über das Internet verteilt werden können.
Beim IPTV-Service von Hansenet sind zum Beispiel sämtliche Privatsender nur mit DRM zu empfangen: Das Hamburger Unternehmen, das unter dem Namen Alice DSL in vielen Regionen Deutschlands DSL-Anschlüsse vertreibt, hat bereits Mitte Mai mit Alice homeTV ein IPTV-Angebot gestartet: Für 9,90 Euro zusätzlich zu den Gebühren für den zwingend zu buchenden Festnetzanschluss können alle wichtigen Free-TV-Sender empfangen werden.
Nicht im Repertoire sind derzeit die öffentlich-rechtlichen Sender: Die entsprechenden Verträge sollen demnächst aber unter Dach und Fach gebracht werden - rund 60 verschiedene Programme wird Hansenet dann per IPTV nach Hause liefern. Gegen ein zusätzliches Entgelt können Kunden außerdem Pay-TV-Sender zubuchen.
IPTV bei Hansenet: Annähernd DVD-Qualität
Die Bilder, die Hansenet mit einem H.264-Codec komprimiert, werden in einer Auflösung von 720 x 576 Pixeln übertragen. Die Bildqualität soll laut Hansenet annähernd DVD-Qualität erreichen. Inklusive Tonspur, die auch 5.1 -Mehrkanalton ermöglicht, liegt die Gesamtbandbreite der IPTV-Übertragung pro Sender bei rund 2,5 Mbit/s.
Bislang können allerdings nur Kunden in den Großräumen Hamburg und Lübeck per Alice DSL fernsehen. Eine Ausweitung auf die anderen Gebiete ist geplant, wird allerdings noch etwas Zeit in Anspruch nehmen: "Es wird fieberhaft an diesem Ausbau gearbeitet", sagt Torsten Peters von hansenet. "Dennoch sind gehörige Anstrengungen vor allem im technischen Bereich zu leisten, sodass erst in 2007 wohl eine nahezu gänzliche Abdeckung im Alice-Verbreitungsgebiet erreicht werden wird."
Kabel vs. IPTV: Offener Schlagabtausch
Künftig werden Fernsehjunkies wohl in großen Teilen der Republik die Wahl haben, ob sie ihre TV-Programme per Kabel oder über den Telefonanschluss empfangen können. Welche Technologie sich letztendlich durchsetzt, ist nicht abzusehen. Zumindest mittelfristig werden sowohl die Kabelnetzbetreiber als auch die Telekommunikationsunternehmen um die Gunst der Kunden buhlen.
Bis die Telekom sich auf dem Fernsehmarkt etabliert hat, könnte es allerdings noch etwas dauern: Das Beratungsunternehmen Goldmedia rechnet damit, dass bis 2010 in Deutschland erst 1,3 Millionen Haushalte Fernsehen per IPTV empfangen - einen Kabelanschluss haben derzeit mehr als 20 Millionen Haushalte.
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