Texas will die Bürgerwehr per Internet

Mexikanerjagd: Moorhuhn-Schießen, US-Version

Familie langweilig, Fernsehen langweilig, Videospiele langweilig und Internet erst recht langweilig? Diese Schwierigkeiten haben viele Wohlstandsbürger. Der texanische Gouverneur Rick Perry hat einen Vorschlag zur Lösung des Problems, der es dem medienmüden Bürger gleichzeitig erlaubt, seine staatsbürgerlichen Qualitäten zu beweisen. Der Lösungsvorschlag lautet: Mexikanerhatz per Internet.

?
?


Verzweiflung pur: Raus aus Mexiko, rein nach Texas

Werbung

Mexikanerhatz in Texas - da fallen Filmfreunden sofort die ersten Szenen des Klassikers "Planet der Affen" ein. Leicht bekleidete Menschen werden von riesigen Gorillas auf noch riesigeren Gäulen gejagt, mit Netzen gefangen oder erschossen. Stilistisch würde diese Art sicher zum texanischen Way-of-Life passen, doch auch im texanischen Hinterwald ist inzwischen das 21. Jahrhundert angekommen: Gejagt wird nicht mehr per Pferd, sondern per Provider.

Konkret sieht Gouverneur Rick Perrys Vorschlag so aus: Hunderte Überwachungskameras sollen entlang der rund 1600 Kilometer langen texanisch-mexikanischen Grenze aufgestellt werden. Dort schleichen sich täglich Hunderte von Mexikanern über die Grenze, um vom armen Mexiko in die reichen Vereinigten Staaten überzusiedeln. Die USA lassen die Flüchtlinge nicht gewähren, sondern fangen sie ein und schieben sie ab. Der Effekt ist jedoch gering, viele der Flüchtlinge können erfolgreich in den USA abtauchen, bis sie einen US-Bürger heiraten oder ein Kind auf die Welt bringen. Das nämlich ist dann nach amerikanischer Gesetzeslage Amerikaner, womit seine Eltern nicht mehr ausgewiesen werden können.

Webcam-Denunzianten willkommen.

Überwachungskameras also, die die gesamte Grenze bewachen. Und weil Texas genau wie andere Staaten auf der Welt ständig die Geldnot plagt, hat sich der Gouverneur eine perfide Lösung zur Kostenersparnis ausgedacht: Statt Sicherheitsbeamten sollen Internet-Nutzer in den ganzen USA die Grenze überwachen und bei Eindringlingen eine schnelle Eingreiftruppe alarmieren, natürlich über eine kostenfreie Rufnummer.

Moorhuhnschießen für den gelangweilten texanischen Redneck, eine freiwillige Tätigkeit als Staatsschützer und Webcam-Denunziant. Nach der Meldung bei den Behörden kann er dann per Webcam verfolgen, wie die Wachmänner den Latino hochnehmen. Auch, wenn nicht unbedingt die Fetzen fliegen. Wann das rund fünf Millionen Dollar teure Überwachungssystem installiert werden soll, sagte der Gouverneur allerdings nicht.

Mehr zum Thema »

Links zum Thema