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Fototipp: Den Zauber der Nacht einfangen
Wie der Ausflug ins Dunkle zum Erfolg wird

von Tobias Heinze Uhr veröffentlicht

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Tausende Lichter funkeln nachts in der Stadt, hunderte Autos malen leuchtende Spuren in die Dunkelheit. In der Nacht ergeben sich für Fotografen viele bezaubernde Motive.

Tausende Lichter funkeln nachts in der Stadt, hunderte Autos malen leuchtende Spuren in die Dunkelheit. In der Nacht ergeben sich für Fotografen viele bezaubernde Motive. Der Reiz des nächtlichen Lebens kann mit der Digitalkamera eingefangen werden, wenn ein paar Spielregeln beachtet werden. Netzwelt zeigt, wie Nachtfotografie gelingt.

Nachts sind alle Katzen grau, sagt ein Sprichwort. Das ist für das menschliche Sehen sicher richtig. Denn wenn wenig Licht zur Verfügung steht, sieht der Mensch keine Farben mehr. Eine Fotokamera aber kann Licht sammeln und auch in der scheinbar dunkelsten Umgebung mit ausreichender Belichtungszeit ein farbiges Bild kreieren. Abhängig vom vorhandenem Licht muss das Motiv entsprechend lange belichtet werden, damit genügend Licht eingefangen wird. Lange Belichtungszeiten sind der Schlüssel zur erfolgreichen Nachtaufnahme. Die Verschlusszeit muss dafür manuell an der Kamera einstellbar sein. Dies ist möglich, wenn die Digitalkamera einen Betriebsmodus mit der Bezeichnung Tv, S oder M hat.

Ausrüstung

Lange Verschlusszeiten haben den Nachteil, dass das Foto sehr schnell verwackelt. An ein Fotografieren aus der Hand ist nicht zu denken. Die Kamera wird für den Einsatz in der Nacht daher von einem Stativ gestützt. Wichtig ist ein stabiles, leicht handzuhabendes Stativ, das sich gut transportieren lässt. Ein Tischstativ (Bild rechts) ist nur für den Anfang ausreichend. Größere Stative erleichtern das Fotografieren und geben mehr Spielraum für verschiedene Perspektiven. Zudem ist eine Schnellwechseleinrichtung mit Schnellkuppelplatte am Stativ sinnvoll. So muss die Digitalkamera nicht jedes Mal an- und abgeschraubt werden.

Dazu ist ein Fernauslöser eine Anschaffung wert. Die Firma Hama bietet zum Beispiel Drahtauslöser für Digitalkameras an, die keinen Anschluss für einen Fernauslöser haben (Bild rechts). Alternativ kann aber auch der Selbstauslöser der Kamera betätigt werden. Beide Methoden vermeiden Druck auf das Stativ, wenn der Auslöser betätigt wird, und verhindern so kleinere Verwacklungsunschärfen. Für das nächtliche Fotografieren hat sich auch eine kleine Taschenlampe und reichlich Verpflegung bewährt.

Am Abend geht an unzähligen Stellen in der Stadt das Licht an. Viele Gebäude sind, sobald es dunkel wird, effektvoll beleuchtet. Diese Wasserspiele gibt es im Sommer vor den Gebäuden von T-Com in Bonn zu bewundern. Ein Stativ und eine lange Verschlusszeit liefern dieses Ergebnis - Belichtungszeit drei Sekunden.

Alles Einstellungssache

Bevor es losgeht, sollte die Kamera noch richtig vorbereitet werden. Die ISO-Empfindlichkeit ist auf der niedrigsten Stufe richtig eingestellt. In der Regel ist das ISO 100 oder ISO 80. Als Betriebsmodus hilft die Blendenautomatik gerade bei den ersten Versuchen bei Nacht sehr gut weiter. Hierbei wählt der Benutzer die Belichtungszeit aus, die passende Blende wird für eine optimale Belichtung automatisch angepasst. Bei den meisten Kameras ist dieser Modus mit dem Kürzel Tv oder S gekennzeichnet. Bei Kameras mit Bildstabilisator ist es besser, diesen für den Stativbetrieb auszuschalten. Der Weißabgleich kann automatisch geschehen. Besser aber auch hier verschiedene Einstellungen ausprobieren. Ein Abgleich für Kunstlicht zum Beispiel macht sich häufig gut an stark beleuchteten Bahnhöfen.

Bei Panasonic und Nikon steht S steht für die Blendenautomatik. Canon bezeichnet diesen Betriebsmodus mit Tv. Diese Halbautomatik ist bestens für das Fotografieren bei Nacht geeignet (links). Die ersten Versuche können zum Beispiel mit einer Belichtungszeit von 2,5 Sekunden gemacht werden. Experimentieren Sie mit verschiedenen Zeiten (rechts).

Für den Fokus ist es bei Panoramaaufnahmen sinnvoll, diesen auf unendlich einzustellen, wenn manuelle Fokuswahl möglich ist. Ansonsten darauf achten, dass der Autofokus nicht etwa die nur zwei Meter entfernte Laterne anvisiert und den Hintergrund dadurch in Unschärfe taucht. Stattdessen sollten Sie weiter entfernte Objekte anvisieren. Bei ganz dunklen Motiven kommt jetzt die Taschenlampe zum Einsatz. Denn damit kann das zu fokussierende Objekt kurz angeleuchtet werden, die Kamera stellt scharf und die Aufnahme kann gemacht werden.

Die Bahnhaltestelle vor der Telekom in Bonn ist nachts klasse beleuchtet. Hier finden sich vielzählige Motive - Belichtungszeit 2 Sekunden (links). Siegburg bei Bonn entwickelt sich mehr und mehr zu einer sehr fotogenen Stadt. Das neue Parkhaus am Krankenhaus ist abends effektvoll beleuchtet - Belichtungszeit drei Sekunden (rechts). Beide Fotos leben vom ungewohnten Hochformat. Bedenken Sie, dass Ihre Kamera nur hochgestellt werden muss, um dieses Format zu erhalten. Öfter einmal im Hochformat fotografieren ist eine Devise, die zu hervorragenden Fotos führt.

Motivsuche

Mit wachen Augen seine Umgebung wahrnehmen, ist ein ganz einfacher Weg, um Motive für gute Fotos zu finden. Oft übersieht man tolle Gelegenheiten, weil die Besonderheit gewohnter Gebäude und Orte gar nicht mehr wahrgenommen wird. Selbst in einer Stadt, in der man glaubt, alles zu kennen, können immer wieder neue Motive gefunden werden. Es gibt aber auch ein paar Standardtipps, die mit großer Wahrscheinlichkeit schnellen Erfolg bringen. So sind Parkhäuser und Bahnhöfe oft aufwändig beleuchtet. Brunnen und Gewässer in der Stadt laden zum nächtlichen Spiel mit dem Wasser ein. Nahe an Gebäude liegende Stadtteiche spiegeln die Umgebung effektvoll wieder.

20 Sekunden Belichtungszeit lassen kleine Wellen im Wasser verschwinden und die Umgebung kann sich perfekt spiegeln. Schwierigkeiten machen bei diesem Motiv die starken Strahler um den Teich herum. Hier ist Experimentieren angesagt und dank der Digitalfotografie kann zum Glück sofort das Ergebnis kontrolliert werden.
An einem Kreisverkehr bei Nacht ist manchmal ein wenig Wartezeit angesagt, bis endlich ein Auto vorbeifährt. Das Beispielbild hat einen Bus und zwei Autos in einem Bild eingefangen. 15 Sekunden Belichtungszeit und ein bisschen Glück, dass mehrere Fahrzeuge nacheinander durchs Bild fuhren, waren dafür nötig. Wie die Sterne um die Lampen herum entstehen, wird später noch beschrieben.

Beliebte Kurzreiseziele für Nachtfotografen sind auch Flughäfen, Bahnübergänge, Straßen und Kreisverkehre. Es ist sehr wichtig, sich darüber zu informieren, was erlaubt ist und was nicht. Das gilt besonders für den Flughafen. Stets an die eigene und die Sicherheit anderer denken. Stative am Straßenrand können Autofahren erschrecken ("Huch, eine Blitze bei Nacht?"). Daher vielleicht nicht mitten auf die Kreuzung stellen oder am Straßenrand ein wenig verdeckter stehen. Industrieanlagen bei Nacht geben ebenfalls hervorragende Motive her. Hier ist es manchmal jedoch sehr schwer, näher an die Gebäude zu kommen, schnell erscheint der Wachdienst der Einrichtung und man wird weggeschickt. Auf Anweisungen des Wachpersonals sollte gehört werden, es droht sonst sogar eine Anzeige.

Kameras, die viel Brennweite (Zoom) bieten, helfen in derartigen Fällen, Fotos von einer entfernteren Position aufnehmen zu können. So kann dezenter agiert werden. Ansonsten bieten sich auch Orte an, an denen das Nachtleben pulsiert und viele Menschen zu beobachten sind. Bewegung im Bild schafft Atmosphäre.

Im Winter ist die Weihnachtszeit in vielen Städten Anreiz für stilvolle Beleuchtungen. Diese Eisfläche ist offensichtlich ein Volltreffer für Fans der Nachtfotografie. Hier hätte sich auch eine Aufnahme direkt an der Eisfläche gelohnt. Durch die lange Belichtung verwischen die Silhouetten der Eislaufenden. Vier Sekunden war hier der richtige Wert.
Industrieanlagen belohnen weite Anfahrten mit tollen Aufnahmen. Leider riecht es dort manchmal nicht so gut. Das ist aber der Preis für Bilder von den Anlagen. Vorher erkundigen, ob Fotografieren erlaubt ist. Das Bild entstand mit 200 Millimetern (etwa 8-fach optischem Zoom) Brennweite und drei Sekunden Belichtungszeit.
Der Blick führt in die Tiefe, das Motiv Bahnhof fördert das Fernweh. Die Lichtstimmung lässt den Betrachter träumen und der Himmel bezaubert. Ein Standardmotiv gut in Szene zu setzen, stellt auch Anforderungen an die Bildgestaltung. Kreatives Experimentieren ist der Schlüssel. Hier wurde drei Sekunden belichtet.

Tipps und Tricks

Zum Schluss gibt es noch ein paar Tipps mit auf den Weg. Die besten Nachtaufnahmen entstehen meistens gar nicht während der Nacht, sondern in der Abenddämmerung. Zur so genannten Blauen Stunde ist das Licht für begeisternde Fotos perfekt. Kurz nach Sonnenuntergang ist ein Großteil der Lampen in einer Stadt schon an und das verbleibende Tageslicht liefert dazu eine noch ausreichende Beleuchtung der Umgebung. Zu dieser magischen Stunde erscheint der Himmel tiefblau auf Fotos, daher der Name. Diesen Zeitpunkt gilt es nicht zu verpassen, danach kann aber selbstverständlich auch weiter fotografiert werden. Langzeitbelichtungen zeichnen sich häufig durch Sterne aus, die um helle Lichtquellen herum entstehen. Diese sind die Folge einer weit geschlossenen Blende. Wenn die Digitalkamera manuell die Verschlusszeit verstellen lässt, dann gibt es dort auch die Möglichkeit die Blende frei zu wählen. Mit einer weit geschlossenen Blende, die Blendenzahl ist recht hoch, ist dieser Effekt dann zu erzielen. Mit der Zeitautomatik (Av oder A) ist die Blende einfach gewählt, die richtige Belichtung übernimmt die Kamera.

Blende 22 und vier Sekunden Belichtungszeit zaubern dieses Bild auf die Speicherkarte. Die Sterne entstehen, weil stark abgeblendet wurde, dass heißt der Blendenwert wurde erhöht.
Wasser, Wasser und nochmal Wasser. Wer stehende Gewässer nahe oder besser noch in Gebäuden findet, hat schon gewonnen. Jetzt noch ein wenig auf die richtige Belichtungszeit achten (auf dem Bild waren es zehn Sekunden) und fertig ist ein echter Hingucker.

Je nachdem wie wertvoll die Ausrüstung ist, kann es sinnvoll sein, für nächtliche Ausflüge Verstärkung mitzunehmen. In der Gruppe macht das Fotografieren bei Nacht ohnehin mehr Spaß und es ist weniger zu befürchten. Der ein oder andere mag das für übertrieben halten, es ist aber ein gut gemeinter Rat, der in der heutigen Zeit leider nicht unbegründet ist. Den eigenen Personalausweis soll man sowieso stets bei sich führen, beim nächtlichen Fotografieren aber besonders. Denn es kommt nicht selten vor, dass ein übernervöser Wachdienst völlig verängstigt die Polizei ruft, weil er hinter den harmlosen Fotografen schlimme Dinge vermutet. Ein kurzes Gespräch mit den Polizeibeamten klärt jedoch schnell die Absichten und die Kavallerie rückt in der Regel freundlich wieder ab. Und das alles kann wirklich beim nächtlichen Fotografieren passieren? Ja, das kann es - alles schon erlebt. Daher vorbereitet sein, Stativ auf den Rücken und es kann los gehen.

Kommentare zu diesem Artikel

Tausende Lichter funkeln nachts in der Stadt, hunderte Autos malen leuchtende Spuren in die Dunkelheit. In der Nacht ergeben sich für Fotografen viele bezaubernde Motive.

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  • thomas aus Hürth schrieb Uhr
    Re: AW: News - Fototipp: Den...

    Die Dienstleistung von Jungen Damen um die Ecke sind auch nicht schlecht
  • eos99 schrieb Uhr
    AW: News - Fototipp: Den Zauber der Nacht einfangen

    Hallo, diese Wasserfontänen gibt es vor den Gebäuden der T-Com. Das ist so Ecke Museumsmeile... glaub ich... ich denke nochmal drüber nach, mein Ortsgedächtnis ist echt schlecht.... :gn8:
  • Anonym schrieb Uhr
    Re: News - Fototipp: Den Zauber...

    Hi mich würde mal interessieren wo genau die Wasserspiele vor dem T-Com Gebäuden sind ? Meinst du vielleicht den Post-Tower ? grüsse alex

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Fototipp: Den Zauber der Nacht einfangen
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Tausende Lichter funkeln nachts in der Stadt, hunderte Autos malen leuchtende Spuren in die Dunkelheit. In der Nacht ergeben sich für Fotografen viele bezaubernde Motive.
http://www.netzwelt.de/news/74189-fototipp-zauber-nacht-einfangen.html
2006-06-03 11:28:00
http://img.netzwelt.de/dw120_dh90_sw0_sh0_sx0_sy0_sr4x3_nu0/article/bonn_2_450_1149163733.jpg
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