Ungeschriebene Gesetze
Test: True Crime - New York City
Ein ehemaliger Gangster wechselt die Seiten und sorgt als Cop für (Un-)Recht und Ordnung. Fünf Monate nach Dienstantritt wird der GTA-Nachahmer von der Konsole ins PC-Gehäuse versetzt.

Inhaltsverzeichnis
- 1Vater unser im Untergrund
- 2Autoklau im Namen des Gesetzes
- 3Verbrechensbekämpfung für anatomisch Begabte
In den Anfangsminuten des Puppenfilms "Team America: World Police" legt eine Anti-Terroreinheit halb Paris in Schutt und Asche, um ein weit weniger folgenschweres Bombenattentat zu verhindern. Erinnerungen an diese Szene wurden beim Testen des Nachfolgers zu "True Crime: Streets of LA" häufiger wach. Ohne böse Absichten fuhren wir auf dem Weg zum Tatort regelmäßig nicht nur mehrere Ampeln und Autos zu Schrott, sondern auch diverse Fußgänger zu Tode. Am Ort des "Verbrechens" angekommen, galt es so prekäre Situationen zu lösen wie den Protest weiblicher Vegetarier in einem Fast-Food-Restaurant. Ein ebenso hoher wie sinnloser Preis für die Verbrechensbekämpfung, der sich durch die seifige Steuerung von Fahrzeugen und Hauptcharakter erklärt. Egal, ob mit Tastatur oder Gamepad auf Streife gegangen wird, richtig im Griff hat man das Geschehen nie.
Dabei sollte der Polizeidienst in einer Stadt wie New York eigentlich Herausforderung genug sein; selbst für einen Kenner des Verbrechermilieus - und ein solcher ist der Protagonist Marcus Reed. Der junge Afroamerikaner hat nach einem blutigen Rachefeldzug gegen eine Gang das unverschämte Glück, durch einen Freund der Familie eine Stelle als Polizist zu ergattern. In den folgenden fünf Jahren läuft für den Geläuterten alles wie geschmiert, bis sein Mentor und Kollege einem tödlichem Unfall zum Opfer fällt. Reed traut dieser Version der Geschichte nicht und sticht bei seinen Ermittlungen in ein Wespennest.
Vater unser im Untergrund
Auch wenn die Geschichte abgedroschen klingt; die erzählerische Komponente zählt zu den Stärken des Spiels. Ein hochkarätiges Sprecherensemble, darunter Stars wie Mickey Rourke und Laurence Fishburne, hauchen den Charakteren Leben ein. Gut inszenierte Cutscenes konfrontieren die Hauptfigur mit nebulösen Informanten und den Geistern der Vergangenheit. Pikant: Reeds Papa, eine untergetauchte Verbrecherikone, würde den Sohnemann gern für seine eigenen Interessen gewinnen. So steht der Spieler vor der Wahl, für den verbrecherischen Vater beispielsweise Geld einzutreiben. Mit der Zeit eröffnen sich weitere unmoralische Angebote. Wer will, darf für eine Puffmutter lästige Freier oder Zeitungsreporter maßregeln.
