Sie sind hier:
 

Robin Dyer von Dolby im Interview: "Die Musik-Industrie sieht noch nicht die Vorteile von Surround"
Herr Dyer, jemals Probleme mit den Nachbarn bekommen?

von Michael Knott Uhr veröffentlicht

Diesen Artikel weiterempfehlen
SHARES

Als "Vice President Europe - Consumer Division" hat Rob Dyer das gesamte Dolby-Reich im Blick. Im Interview mit netzwelt gibt er einen Ausblick auf kommende Technologien aus dem Hause Dolby, Tipps zum Kauf und Einrichten der eigenen Anlage und erläutert, warum wir immer noch mit dem 40 Jahre alten Stereo-Klang leben müssen.

Als "Vice President Europe - Consumer Division" hat Robin Dyer das gesamte Dolby-Reich im Blick. Im Interview mit netzwelt gibt er einen Ausblick auf kommende Technologien aus dem Hause Dolby, gibt Tipps zum Kauf und Einrichten der eigenen Anlage und erläutert, warum wir immer noch mit dem 40 Jahre alten Stereo-Klang leben müssen.

netzwelt: Gibt es ein besonders trauriges Lied, bei dem Sie, wenn es im Radio läuft, den Sender wechseln müssen?

Dyer: Ja, "One Sweet Day" von Mariah Carey

netzwelt: Das schönste Geräusch, das Sie jemals gehört haben?

Dyer: Regen

netzwelt: Klingt Regen auf einer guten Anlage genauso schön, oder ist er doch nur ein Abbild vom Original?

Dyer: Er kann genauso gut klingen, realistisch hört er sich jedoch nur an, wenn man ihn in Surround Sound hört.

netzwelt: Was ist emotionaler, Klang oder Bild?

Dyer: Klang, da er die innere Vorstellungskraft stimuliert.

netzwelt: Verstärkt Dolby-Klang Emotionen?

Dyer: Ja, unser Ziel ist es, das emotionale Erlebnis bei jeglicher Unterhaltung wie Musik, Spielen oder Filmen zu verbessern.

Robin Dyer

Robin Dyer

Robin Dyer ist "Vice President Europe Consumer Division" der Dolby Laboratories in London.

Er ist für den Verkauf und das Marketing von Dolby-Technologien in den Bereichen Consumer Electronics, digitales Fernsehen, PC, Automobil und Spiele verantwortlich. Bevor er im Juli 2003 zu Dolby wechselte, konnte er Erfahrungen als europäischer Produktmanager bei Dell und bei Philips sammeln.

netzwelt: Genau wie "Tempo" für Taschentücher steht, ist "Dolby" mittlerweile ein Synonym für Raumklang. Wie halten Sie Ihre Konkurrenz in Schach?

Dyer: Konkurrenz ist gesund. Die Marke "Dolby" gibt es seit über 40 Jahren und ihre Stärke basiert auf herausragender technischer Leistung und Technologien, die Konsumenten echten Mehrwert bieten. Unser Ziel ist es, auch in der Zukunft immer bessere Technologien zu entwickeln.

netzwelt: Eine Regel, die man beachten sollte, wenn man sich ein neues Sound-System kaufen möchte?

Dyer: Man sollte soviel ausgeben, wie man sich leisten kann. Man sollte sich entscheiden, zu welchem Zweck man das System hauptsächlich verwendet. Wenn es zum Beispiel hauptsächlich zum Musikhören genutzt wird, dann sollte man ein System mit Dolby Pro-Logic II kaufen, mit dem man seine Lieblingsmusik in Raumklang genießen kann.

netzwelt: Können Sie kurz erläutern, was beim Aufstellen der Lautsprecher besonders zu beachten ist?

Dyer: Es ist enorm wichtig, dass man die Lautsprecher richtig aufstellt. In vielen und gerade in neueren Häusern ist dies schwierig und man muss oft Kompromisse eingehen. Die Lautsprecher sollten auf jeden Fall immer auf einer Höhe angeordnet sein.

netzwelt: Wie viel darf eine gute Hifi-Anlage ohne Bildschirm ungefähr kosten?

Dyer: Für eine gute Surround Sound-Anlage sollte man ungefähr 400 Euro einplanen.

netzwelt: Hilft viel viel? Sind teure Anlagen besser als billigere?

Dyer: Nicht unbedingt, man bekommt auch gute Sound-Effekte mit billigeren Systemen. Allerdings können die billigeren Systeme nicht die Qualität erzeugen, die man für anspruchsvolleren Musikgenuss benötigt.

Optimales Setup für ein 5.1-System

Dies ist die optimale Aufstellung für die 5.1-Kanal-Wiedergabe. Die Lautsprecher sollten sich möglichst genau in Ohrhöhe befinden (viele werden schon mit passenden Ständern geliefert), und weder Vorhänge noch Möbel sollten sie verdecken. Achten Sie darauf, dass Ihr Sessel keine zu hohe Rücken- und Armlehnen hat, die den Schall auf dem Weg zu Ihren Ohren behindern.

netzwelt: Stellt Raumklang besondere Anforderungen an den Raum, zum Beispiel an dessen Größe und Beschaffenheit?

Dyer: Nicht wirklich, man sollte nur darauf achten, dass die Hörposition möglichst zentral ist und man möglichst wenig kahle Flächen hat, die störende Reflexionen erzeugen.

netzwelt: Dolby-Technik ist mittlerweile nicht nur im Kino, sondern in den unterschiedlichsten Bereichen zu finden. Stereo-Anlagen, PC-Hardware, Spielekonsolen - sogar Autos fahren mit Surround-Sound durch die Gegend. Wo wird uns das Doppel-D in Zukunft noch überall begegnen?

Dyer: Bei Dolby halten wir immer Ausschau nach Bereichen, in denen wir das Unterhaltungs-Erlebnis verbessern können. Solche Bereiche sind z.B. digitales Fernsehen, HDTV und die wachsende Nachfrage von Konsumenten nach Unterhaltung und Information durch mobile Produkte.

netzwelt: Stichwort DVD-Nachfolgeformat: Welches Medium eignet sich besser für das Speichern und die Wiedergabe von hochwertigem Klang - Blu-Ray oder HD DVD?

Dyer: Beide enthalten Dolby-Technologien und werden in puncto Klang sehr gut sein.

netzwelt: Lieber eine gute Stereo- als eine schlechte Surround-Anlage?

Dyer: Alle Anlagen sollten gut klingen, egal ob Stereo oder Surround.

netzwelt: Würden Sie in Ihrem Wohnzimmer zugunsten eines guten Klanges auf Vorhänge verzichten?

Dyer: Nein, in manchen Zimmern sind Vorhänge sogar nötig, um unnötige Klangreflexionen zu vermeiden.

netzwelt: Ihr letzter Moment, wo Sie dachten: "Mann, ich habe einen tollen Job!"

Dyer: Jetzt gerade, als ich Ihre Frage gelesen habe!

netzwelt: Je höher man den Lautstärkeregler dreht, desto besser kommt der Surround-Effekt rüber. Stimmt das?

Dyer: Bestimmte Surround-Effekte gehen bei niedriger Lautstärke verloren. Dolby arbeitet mit allen großen Filmstudios zusammen, um sicherzustellen, dass das Heimkino-Erlebnis unter normalen Hörbedingungen mit einer normalen Lautstärke ideal ist.

netzwelt: Jemals Probleme mit den Untermietern oder den Nachbarn wegen zu lauter Musik bekommen?

Dyer: Nein, eigentlich nicht.

netzwelt: Kennen Sie Ray Dolby persönlich?

Dyer: Ja, ich habe ihn einige Male getroffen.

netzwelt: Was ist er für ein Mensch?

Dyer: Er ist ein sehr bescheidener Mensch, sehr intelligent und immer auf den Konsumenten, den Menschen hinter den Produkten fokussiert.

netzwelt: Und was hört er für Musik?

Dyer: Ach, so alles mögliche.

netzwelt: Gibt es typische Vorurteile gegenüber Dolby, gegen die Sie in Ihrem Job ankämpfen müssen?

Dyer: Nein, die gibt es eigentlich nicht.

netzwelt:Dolby Headphone - eine tolle Sache! Glauben Sie, dass in Zukunft mehr Menschen Musik über Kopfhörer hören werden?

Dyer: Dolby Headphone-Technologie kann man mit jedem Kopfhörer verwenden. Jeder, der z.B. Musik über Kopfhörer hört, kann diese Stereo-Quelle in Raumklang hören, stört niemanden um sich herum und vermeidet Ermüdungserscheinungen beim Hören.

netzwelt: Ist es denkbar, dass diese Technik auch in MP3-Playern zum Einsatz kommt?

Dyer: Gut möglich, haltet die Augen offen...

netzwelt: Werfen Sie doch einmal einen Blick in die Zukunft. Wird es in zehn Jahren noch normalen Stereo-Klang zu hören geben?

Dyer: Stereo-Klang ist noch nicht einmal 40 Jahre alt und wir leben immer noch in einer Stereo-dominierten Welt. Fast alle Musik, die wir hören, ist in Stereo, und solange die Musikindustrie die Vorteile des Surround Sound nicht annimmt und umsetzt, wird Stereo weiterhin bleiben.

netzwelt: Was halten Sie für den wichtigsten Schritt in der Dolby-Geschichte, welche Entwicklung für den größten Meilenstein?

Dyer:Dolby Digital, es wurde erst für das Kino entwickelt und dann in Konsumenten-Produkte integriert. Die Technologie hat das Kino revolutioniert und mit der DVD Kinofilme ins Wohnzimmer gebracht.

netzwelt: Wenn Sie aus dem Stegreif eine neue Technologie entwickeln könnten, ganz gleich welcher Art. Wie sähe diese aus?

Dyer: Es wäre eine Technologie, mit der man andere Leute beim Handy-Telefonieren im Zug stören kann.

netzwelt: Ihre größte berufliche Sorge?

Dyer: Sicherzustellen, dass ich unter all den vielen E-Mails, die ich bekomme, die wichtigsten lese.

Kommentare zu diesem Artikel

Als "Vice President Europe - Consumer Division" hat Rob Dyer das gesamte Dolby-Reich im Blick. Im Interview mit netzwelt gibt er einen Ausblick auf kommende Technologien aus dem Hause Dolby, Tipps zum Kauf und Einrichten der eigenen Anlage und erläutert, warum wir immer noch mit dem 40 Jahre alten Stereo-Klang leben müssen.

Jetzt ist Ihre Meinung gefragt. Diskutieren Sie im Forum zu diesem Artikel.

Jetzt Diskutieren!

DSL- & LTE-Speedtest

Testen Sie mit unserem Speedtest Ihre tatsächliche DSL- oder LTE-Geschwindigkeit. Test auch mit Smartphone und Tablet möglich.

Jetzt Testen!

Der große Android-Update-Fahrplan

Welche Android-Version ist für mein Smartphone oder Tablet-Computer aktuell? Der große Android-Update-Fahrplan bringt Licht ins Dickicht der Versionen.

Jetzt ansehen!

article
18047
Robin Dyer von Dolby im Interview: "Die Musik-Industrie sieht noch nicht die Vorteile von Surround"
Robin Dyer von Dolby im Interview: "Die Musik-Industrie sieht noch nicht die Vorteile von Surround"
Als "Vice President Europe - Consumer Division" hat Rob Dyer das gesamte Dolby-Reich im Blick. Im Interview mit netzwelt gibt er einen Ausblick auf kommende Technologien aus dem Hause Dolby, Tipps zum Kauf und Einrichten der eigenen Anlage und erläutert, warum wir immer noch mit dem 40 Jahre alten Stereo-Klang leben müssen.
http://www.netzwelt.de/news/74137-robin-dyer-dolby-interview-musik-industrie-sieht-noch-vorteile-surround.html
2006-06-03 10:45:00
News
Robin Dyer von Dolby im Interview: "Die Musik-Industrie sieht noch nicht die Vorteile von Surround"