Was ist Abandonware?
Abandonware: Alte Spiele kostenlos spielen
Christian Rentrop
Große Websites setzen auf Kommunikation
Anders sieht es mit denen aus, die das Spiel oder das Programm nicht benutzen. Um es mit den Worten des Abandonware-Profis Cold Hand auszudrücken: "Um genau zu sein ist es total ungesetzlich." Denn streng genommen ist auch ein Abandonware-Titel eine Raubkopie, allerdings oft eine geduldete Form davon. Dennoch: Die Klausel im Urheberrecht macht die Unterscheidung schwer, zumal viele Abandonware-Websites im Eifer auch Titel uploaden, die zwar alt und nicht mehr verfügbar, aber eben noch lange keine Abandonware sind. Alte Windows-Versionen gehören genauso dazu wie viele alte Anwendungs-Programme. Im Grunde ist jede Abandonware-Seite eine "offensichtlich rechtswidrig hergestellte Vorlage" - legal ist nur, was die offizielle Duldung der Rechteinhaber besitzt. Dazu zählen jedoch nur wenige, große Abandonware-Websites.
Wenn die Abandonware einmal den Weg auf die Festplatte gefunden hat, besteht natürlich das Problem, dass alte PC-Spiele auf modernen Rechnern nicht laufen. Einerseits hängt das mit dem veralteten DOS-Betriebssystem zusammen, das von modernen Windows-Versionen nicht mehr richtig unterstützt wird. Andererseits sind auch die Prozessoren zu schnell, die Spiele laufen oft mit kaum spielbarer Geschwindigkeit.

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Alt, aber keine Abandonware: Monkey Island von Lucasarts (Quelle: Abandonia.com)
Mittel und Wege, Abandonware zu nutzen
Es gibt zwei Möglichkeiten, den Rechner auf ein für Abandonware erträgliches Maß herunterzuregeln: Eine DOS-Startdiskette mit einem MS-DOS-Derivat wie FreeDOS und einem Verlangsamungs-Programm wie Slowdown sollte selbst aktuelle Gigahertz-Monster so stark in die Knie zwingen, dass 286er-Spiele in einem erträglichen Maß laufen. Dank Startdiskette auch ohne Windows oder Linux anzukratzen. Slowdown verlangsamt den Rechner, indem es den Prozessor mit sinnlosen Aufgaben beschäftigt. Dadurch wird er ausreichend gebremst, um alte Spiele ausführen zu können. Sollte ein Einsatz nicht reichen, kann das Programm noch ein zweites oder drittes Mal ausgeführt werden, um die notwendige Verlangsamung durchzuführen. Nach einem Neustart ist wieder alles beim Alten.
Die zweite und wesentlich komfortablere Lösung ist der Emulator DOSBox. Das Programm stellt unter Windows, Linux und Mac OS X eine DOS-Eingabeaufforderung zur Verfügung, komplett mit Sound- und Maustreibern. In diesem Fenster lassen sich dann alte Spiele ausführen, gerne auch im Vollbild-Modus, ohne dass sich das Wirts-Betriebssystem dadurch stören lässt. Der Vorteil: Es muss nicht mit Startdisketten und Verlangsamungs-Programmen hantiert werden, stattdessen lässt sich der Emulator komfortabel per Tastenkombination beschleunigen oder verlangsamen.
Mac-Emulatoren für Mac-Anwender
Mac-Anwender haben für "ihre" Abandonware den passenden Emulator gleich im System eingebaut: Benutzer von PowerPC-Macs können zumindest alte PowerPC-Titel für das klassische Mac OS X in der Classic-Umgebung ausführen. Besonders zuverlässiger ist diese Methode jedoch nicht, besser ist die Nutzung eines Emulators wie Sheepshaver, der auch auf modernen Intel-Macs einen alten Mac emuliert und dort als Ersatz für die im Intel-OS X fehlende Classic-Umgebung genutzt werden kann. Wer richtig alte Spiele spielen will, sollte einen Blick auf den Apple II-Emulator OSXII werfen.
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