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Abandonware: Alte Spiele kostenlos spielen
Was ist Abandonware?

von Christian Rentrop Uhr veröffentlicht

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Es ist zum Auswachsen: Vor zehn Jahren machte ein Computerspiel nächtelang Freude. Jetzt will man es wieder spielen, doch ach: Der Datenträger ist inzwischen unbrauchbar geworden. Eine Nachfrage im Videospiele-Geschäft bringt immer die gleiche, entmutigende Antwort: "Nein, das wird nicht mehr vertrieben" und auch bei eBay keine Chance. Das alte Spiel ist wie vom Erdboden verschluckt. Doch es gibt eine Lösung für das Problem. Ihr Name: Abandonware.

Es ist zum Auswachsen: Vor zehn Jahren machte ein Computerspiel nächtelang Freude. Jetzt will man es wieder spielen, doch ach: Der Datenträger ist inzwischen unbrauchbar geworden. Eine Nachfrage im Videospiele-Geschäft bringt immer die gleiche, entmutigende Antwort: "Nein, das wird nicht mehr vertrieben" und auch bei eBay keine Chance. Das alte Spiel ist wie vom Erdboden verschluckt. Doch es gibt eine Lösung für das Problem. Ihr Name: Abandonware.

Intakte Rechte

Abandonware, das ist "verlassene Software". Software also, die vielleicht nicht von allen guten Geistern, zumindest aber von ihren Rechteinhabern verlassen wurde. Das heißt: Der Titel wird weder vertrieben noch verkauft noch lässt er sich beim Hersteller nachbestellen. Es ist, als hätte das Programm nie existiert, obwohl die Rechte der Hersteller natürlich noch intakt sind. Genau dort setzt die Abandonware-Szene an.

Zeitvertreib 1992: Die Lemminge (Quelle: Abandonia.com)

Die Vertreter der Abandonware-Bewegung sorgen dafür, dass längst vergessene Spiele wieder kostenlos im Internet auftauchen. Sie rippen, zippen und uploaden alte Spiele-Titel, die schon lange nicht mehr im Handel erhältlich sind, damit sich die Fans diese Klassiker ohne finanziellen Aufwand wieder zu Gemüte führen können. Das geschieht, obwohl Abandonware-Titel in der Regel weder Freeware- noch Shareware- oder OpenSource-Status haben. Die Rechte liegen weiterhin bei den Herstellern, womit der Vertrieb der vergessenen Programme ohne eine gültige Lizenz rechtlich gesehen das Gleiche ist wie wenn aktuelle Titel kopiert werden: Es handelt sich um einen herben Verstoß gegen das Urheberrecht.

Die Abandonware-Szene lebt von der Duldung der Hersteller

Deshalb lebt die Abandonware-Szene von der Duldung durch die Hersteller. Ursprünglich nur eine Splittergruppe der Warez-Szene, die sich mit dem Verteilen alter Spieletitel befasste, strich man schon bald das das Treiben als illegal deklarierende "Z". Aus "Abandonwarez" wurde "Abandonware", aus Warez damit Ware, auch, um die Hersteller und Publisher nicht zu verschrecken. Deren Toleranz nämlich ist bei der Verbreitung von Abandonware gefragt. Legt der Hersteller ein Veto ein, rutscht der Abandonware-Download automatisch in den Status illegaler Software.

Streng genommen ist Abandonware nichts anderes als eine Raubkopie. Da die Rechteinhaber der Uralt-Software jedoch meist kein finanzielles Interesse mehr an den Spielen haben, weil sich damit ohnehin kein Gewinn mehr erwirtschaften lässt, verzichten sie in der Regel auch auf die Verfolgung der Täter. Die Abandonware-Szene arbeitet hier in einer rechtlichen Grauzone, sie tut etwas im Grunde Illegales, ohne jemanden zu schädigen. Viele Spielehersteller sind deshalb sogar dazu übergegangen, die Abandonware-Szene zu unterstützen, indem sie alte Titel selbst kostenlos auf ihren Websites zur Verfügung stellen.

Nicht alles, was alt ist, ist Abandonware

Im Umkehrschluss heißt das jedoch, dass noch lange nicht alle alten Spiele Abandonware sind. Abandonware ist nur, was vom Hersteller nicht mehr offiziell vertrieben und verkauft wird. Alles andere ist ganz normale Software, deren illegale Verbreitung auch ganz normal verfolgt wird. So sind steinalte Titel wie zum Beispiel "Tomb Raider 1", "Sonic the Hedgehog" oder "Super Mario" in der Regel immer noch geschützt. Das hängt damit zusammen, dass die Hersteller mit den Figuren oder sogar den Spielen selbst weiterhin Geld einnehmen.

Doch zurück zur Duldung: Inzwischen sind die Betreiber größerer Abandonware-Seiten dazu übergegangen, beim Hersteller nachzufragen, bevor sie einen Titel listen. Das gewährleistet nicht nur die Qualität der Software, sondern sorgt auch dafür, dass die Kommunikationskanäle zwischen Hersteller und Abandonware-Website geöffnet sind. Zudem schützt dieses Vorgehen Abandonware-Fans davor, dass ihre Portale geschlossen werden.

Rechtliche Aspekte

Trotzdem wird auch bei uralten Titeln nicht selten auf dem Urheberrecht beharrt: Karsten Lehmann, Sprecher von Ubisoft, gegenüber der netzwelt: "Im Zweifelsfall werden wir unsere Markenrechte natürlich schützen. Sobald wir von einem Abandonware-Anbieter Kenntnis haben, gehen wir rechtlich dagegen vor." Doch was, wenn der alte Datenträger den Geist aufgegeben hat? "Bei ganz konkreten Anfragen wird auch ein Austausch sehr alter Titel durchgeführt." Zumindest, so lange der Titel noch auf Lager ist. Andere Hersteller dulden die Abandonware, die Duldung erfolgt entweder durch Absprache oder einen Verzicht auf Verfolgung der Urheberrechts-Verletzung.

Alt, aber keine Abandonware: Sim City 2000 (Quelle: Abandonia.com)

In einem Interview mit der Flash-Spieleseite Pepere.org bringt Cold Hand, ein Mitglied der französischen Abandonware-Szene, das Dilemma der Abandonware-Szene auf den Punkt: "Die Meinungen der Verleger sind verschieden. Einige sind mit der Veröffentlichung völlig einverstanden, andere jedoch sind vehement dagegen." Oft werden Anfragen nicht beantwortet, in anderen Fällen wurden die Spielefirmen im Lauf der Zeit so oft ge- und verkauft, "dass niemand mehr genau weiß, wo die Rechte liegen."

Auch der Download ist manchmal illegal

In der Regel zeigen sich kleine Software-Hersteller wesentlich kulanter bei der Zusammenarbeit mit der Abandonware-Szene als die großen Vertriebe. Die kleinen Schmieden, die im Lauf der Zeit möglicherweise sogar vom Markt verschwunden sind, haben den Vorteil, dass die Rechte nicht selten in der Hand des ehemaligen Eigentümers liegen oder sogar in der Hand des Entwicklers. Dort wird ein Computerspiel noch als eine Art Kunst betrachtet und nicht als Geldquelle. Wichtig ist jedoch, dass der Titel nicht mehr zum Geldverdienen genutzt wird. Das Resultat ist, dass sich auf vielen Abandonware-Seiten hauptsächlich unbekanntere Titel finden.

Doch wie steht es mit dem Download? Wenn es Websites gibt, die alte Software anbieten, heißt das noch lange nicht, dass diese legal sind. Das aktuelle Urheberrecht erlaubt die Erstellung von Privatkopien, allerdings nur, wenn diese nicht von "offensichtlich rechtswidrig hergestellten Vorlagen" gezogen wird. Besitzer einer Original-Lizenz mit defekten Datenträgern sind somit aus dem Schneider: Ihnen kann niemand ein Strick drehen, wenn sie sich den Titel noch einmal von einer Abandonware-Seite laden.

Große Websites setzen auf Kommunikation

Anders sieht es mit denen aus, die das Spiel oder das Programm nicht benutzen. Um es mit den Worten des Abandonware-Profis Cold Hand auszudrücken: "Um genau zu sein ist es total ungesetzlich." Denn streng genommen ist auch ein Abandonware-Titel eine Raubkopie, allerdings oft eine geduldete Form davon. Dennoch: Die Klausel im Urheberrecht macht die Unterscheidung schwer, zumal viele Abandonware-Websites im Eifer auch Titel uploaden, die zwar alt und nicht mehr verfügbar, aber eben noch lange keine Abandonware sind. Alte Windows-Versionen gehören genauso dazu wie viele alte Anwendungs-Programme. Im Grunde ist jede Abandonware-Seite eine "offensichtlich rechtswidrig hergestellte Vorlage" - legal ist nur, was die offizielle Duldung der Rechteinhaber besitzt. Dazu zählen jedoch nur wenige, große Abandonware-Websites.

Wenn die Abandonware einmal den Weg auf die Festplatte gefunden hat, besteht natürlich das Problem, dass alte PC-Spiele auf modernen Rechnern nicht laufen. Einerseits hängt das mit dem veralteten DOS-Betriebssystem zusammen, das von modernen Windows-Versionen nicht mehr richtig unterstützt wird. Andererseits sind auch die Prozessoren zu schnell, die Spiele laufen oft mit kaum spielbarer Geschwindigkeit.

Alt, aber keine Abandonware: Monkey Island von Lucasarts (Quelle: Abandonia.com)

Mittel und Wege, Abandonware zu nutzen

Es gibt zwei Möglichkeiten, den Rechner auf ein für Abandonware erträgliches Maß herunterzuregeln: Eine DOS-Startdiskette mit einem MS-DOS-Derivat wie FreeDOS und einem Verlangsamungs-Programm wie Slowdown sollte selbst aktuelle Gigahertz-Monster so stark in die Knie zwingen, dass 286er-Spiele in einem erträglichen Maß laufen. Dank Startdiskette auch ohne Windows oder Linux anzukratzen. Slowdown verlangsamt den Rechner, indem es den Prozessor mit sinnlosen Aufgaben beschäftigt. Dadurch wird er ausreichend gebremst, um alte Spiele ausführen zu können. Sollte ein Einsatz nicht reichen, kann das Programm noch ein zweites oder drittes Mal ausgeführt werden, um die notwendige Verlangsamung durchzuführen. Nach einem Neustart ist wieder alles beim Alten.

Die zweite und wesentlich komfortablere Lösung ist der Emulator DOSBox. Das Programm stellt unter Windows, Linux und Mac OS X eine DOS-Eingabeaufforderung zur Verfügung, komplett mit Sound- und Maustreibern. In diesem Fenster lassen sich dann alte Spiele ausführen, gerne auch im Vollbild-Modus, ohne dass sich das Wirts-Betriebssystem dadurch stören lässt. Der Vorteil: Es muss nicht mit Startdisketten und Verlangsamungs-Programmen hantiert werden, stattdessen lässt sich der Emulator komfortabel per Tastenkombination beschleunigen oder verlangsamen.

Mac-Emulatoren für Mac-Anwender

Mac-Anwender haben für "ihre" Abandonware den passenden Emulator gleich im System eingebaut: Benutzer von PowerPC-Macs können zumindest alte PowerPC-Titel für das klassische Mac OS X in der Classic-Umgebung ausführen. Besonders zuverlässiger ist diese Methode jedoch nicht, besser ist die Nutzung eines Emulators wie Sheepshaver, der auch auf modernen Intel-Macs einen alten Mac emuliert und dort als Ersatz für die im Intel-OS X fehlende Classic-Umgebung genutzt werden kann. Wer richtig alte Spiele spielen will, sollte einen Blick auf den Apple II-Emulator OSXII werfen.

Doch all die Technik nutzt nichts, wenn die Spiele nicht mehr legal erhältlich sind. Denn viele Spiele-Hersteller weigern sich, ihre alten Spiele freizugeben. Abandonware-Experte Cold Hand: "Unglücklicherweise scheinen die Spielemacher nicht bereit zu sein, darüber zu diskutieren und sehen lieber ihre alten Meisterwerke sterben, als sie kostenlos zu vertreiben."

Neuveröffentlichung möglich

Karsten Lehmann von Ubisoft begründet dieses Verhalten vor allem mit der möglichen Neuveröffentlichung alter Titel auf Heft-CDs, als Budget-Titel oder als Dreingabe bei Nachfolge-Titeln. Ähnlich wie das alte "Maniac Mansion" als Bonus im ebenfalls nicht mehr taufrischen Lucasarts-Adventure "Day of the Tentacle" eingebaut war, wurden in der Siedler IV-Platinum-Box auch die ersten Siedler-Titel verwertet. Auch andere Hersteller greifen inzwischen zur kostenpflichtigen Neuveröffentlichung: Electronic Arts hat mit "Command & Conquer - die ersten 10 Jahre" sämtliche Titel der Strategiespiel-Reihe "Command & Conquer" neu veröffentlicht. Auch Lucasarts und Blizzard zählen zu den Firmen, die ihre alten Titel immer wieder neu auf den Markt bringen und an neue Betriebssysteme anpassen.

Der Klassiker überhaupt: Wing Commander 1 (Quelle: Abandonia.com)

Was jedoch fehlt, ist eine deutsche Community, auf der Sammler ihre Originaltitel kaufen, tauschen und verkaufen können. Ebay zum Beispiel ist als reine Verkaufsplattform nicht unbedingt die optimale Quelle. Das hängt auch damit zusammen, dass sich kaum ein guter Preis für alte Spiele erzielen lässt. Deshalb werden wirklich alte Originalspiele für den PC nicht oft eingestellt. Eine bessere Quelle ist Amazon, die zahlreichen Amazon-Shops verfügen über die meisten bekannteren Originaltitel, oft für ein Taschengeld. Auch über die Abandonware-Website Abandonia.com lassen sich Spiele käuflich erwerben.

Legal Originale kaufen

Eine weitere Quelle für alte Originale sind Sammlerbörsen wie Meinesammlung.com. Hier können Gesuche und Angebote inseriert werden, zusätzlich erlaubt die Plattform dank zahlreicher Foren auch den Austausch über die Lieblingstitel. Auch Spieleforen wie das Spielerboard eignen sich hervorragend. Natürlich darf auch in der Gaming-Ecke des netzwelt-Forums nachgefragt werden.

Doch immer schön daran denken: Abandonware ist und bleibt, bis auf wenige Ausnahmen, illegal. Die Spiele sind, sofern man nicht im Besitz eines Originals ist, möglicherweise illegal. Besonders dann, wenn sie aus dem Internet stammen. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Software-Hersteller Verstöße gegen ihr Urheberrecht verfolgen. Zumindest dann, wenn der Titel ohnehin nicht mehr verkauft wird. Dennoch: Vom Anbieten von Abandonware auf der eigenen Website sollte in jedem Fall abgesehen werden. Es sei denn, die Hersteller wurden um Erlaubnis gebeten.

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http://www.netzwelt.de/news/74020-abandonware-alte-spiele-kostenlos-spielen.html
2006-04-25 12:23:00
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