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13.04.2006
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Microsoft auf dem Siegertreppchen?

China: Vorinstallierte Betriebssysteme sollen vor Raubkopien schützen

Christian Rentrop

In China dürfen ab sofort keine Rechner mehr ohne vorinstalliertes Betriebssystem ausgeliefert werden. Der Grund: Die chinesische Regierung möchte die Ausbreitung von Raubkopien unterbinden. Ein absolutes Novum im Reich der Mitte, das bisher als Raubkopierer-Himmel galt.

China ist ein Drache. Das Land boomt und versucht mit allen Mitteln, sich als Supermacht zu etablieren. Das Wirtschaftswachstum spricht für sich, der Plan der chinesischen Regierung ist es, China in den nächsten Jahren auf das Niveau westlicher Staaten zu befördern. Dabei ist die Regierung alles andere als zimperlich - sowohl im In- als auch im Ausland.

Nur noch mit Lizenzen

Die chinesische Regierung hat sich ein besonderes Schmankerl ausgedacht: Nicht nur, dass künftig alle Rechner mit einem lizensierten Betriebssystem ausgeliefert werden müssen, nein: Computer-Hersteller, Anbieter und Importeure müssen jährlich die Anzahl der verkauften Computer und Betriebssysteme an das chinesische Informationsministerium melden. Zwar können die Anbieter selbst entscheiden, welches Betriebssystem sie installieren. Allerdings muss es sich um eine lizensierte, legale Kopie handeln - bei einem frei verfügbaren Linux ein eher schwieriges Unterfangen.

Die Raubkopierer-Sperre, die nun vom chinesischen Informationsministerium gemeldet wurde, erfüllt einen einfachen Zweck: China möchte den Wirtschaftspartnern aus den USA und Europa ein solides Fundament für Investitionen bieten. Das jedoch war bisher kaum machbar, die Schwarzmärkte waren voll von billigen Raubkopien und zwar von Software, die aus Europa und den USA kam. Kein Wunder also, dass sich die Software-Unternehmen bis dahin eher skeptisch gegenüber China gezeigt haben.

Stein der Weisen gegen Raubkopierer?

Damit soll nach Willen des Informationsministeriums jetzt Schluss sein. Laut Urheberrechtsbüro - so etwas gibt es tatsächlich in China - ist die neue Verordnung jedoch keine Reaktion auf Druck von außen. Vielmehr sei der Schritt "notwendig für die Entwicklung von Chinas Wirtschaft." Propaganda-Sprache aus den sozialistischen Euphemismen-Kiste? Vielleicht. Fakt ist, dass die Verordnung auch für staatliche Einrichtungen in China gilt. Möglicherweise hat China den Stein der Weisen gefunden, um der Betriebssystem-Kopiererei Einhalt zu gebieten.

Möglich auch, dass Lobby-Arbeit geleistet wurde. So hat sich Microsoft-Gründer Bill Gates Ende der Neunzigerjahre nach bester Drogendealer-Manier über die Raubkopierer in China geäußert: "Solange sie die Software stehlen, sollen sie unsere Software stehlen. Sie werden abhängig und dann werden wir uns ausdenken, wie wir im Jahrzehnt darauf Gewinn abschöpfen." Dieses Jahrzehnt ist jetzt offensichtlich angebrochen.


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thomas aus Hürth, am 13.04.2006 18:27

Man kann doch jederzeit sein Rechner selbst zusammenbauen. Es ist ja wie in der DDR mit den Flüchtlingen Heissluftballon.

Die mussten Ihren Stoffe einzelen in verschiedenen Geschäften kaufen was nicht einfach war.

Wenn die dann jeden Kunden regiestieren und die stellen fest er Mainboard und Festplatte - dann klickert es bei den.

Mit Knoppix kann sogar eine Festplatte entfallen.

Wenn die es sehr eng machen gibt es platz für Schmuggler. Wie in den 80er Filmen wo Technologie im Untergrund zu finden war...


Tweek, am 18.04.2006 09:42

Zitat:

Es ist ja wie in der DDR mit den Flüchtlingen Heissluftballon.


Naja, ich glaube, da ist schon ein gewisser Unterschied. Die DDR-Bürger wollten fliehen, die Chinesischen Bürger "nur" Raubkopien verwenden. Ich denke, die chinesische Lösung ist durchaus berechtigt, würde auch hierzulande zumindest die Betriebssystem-Kopien einschränken. Das mit der Fluchtverhinderung hingegen ist dann doch mehr... naja, noch unrechtsstaatlicher, als China :-)


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