Unkomfortabel aber sicher
Vorgestellt: Anonymes P2P mit Freenet
Christoph Scholl
Dateisuche und -download
Eine Suchfunktion für bestimmte Dateien gibt es im Freenet nicht. Stattdessen werden alle Inhalte auf "Freesites" genannten Webseiten gelistet und verlinkt. Diese Freesites sind nach dem Start des Freenet-Clients, der als kleines Tool im Hintergrund läuft, über jeden beliebigen Webbrowser erreichbar. Die Bedienung bei Freenet kann also komplett über den Webbrowser erfolgen (Freenet kann jedoch auch in andere Programme eingebunden und so über andere Oberflächen bedient werden).
Wenn eine bestimmte Datei heruntergeladen werden soll, müssen im ersten Schritt alle Splitfiles der Datei gesammelt werden. Dabei werden über eine Routing-Funktion die Rechner gesucht, welche genau diese Splitfiles anbieten können. Die Suchanfrage dazu wird innerhalb des Freenets von Rechner zu Rechner verschlüsselt weitergegeben. Wird ein Dateiteil gefunden, wird dieses auf gleichem Weg zurückgeliefert: Von Rechner zu Rechner.
Dass die Splitfiles auf diese Art und Weise durch das Netz wandern, trägt mit dazu bei, dass der Dateitausch mit Freenet anonym ist. Beim Datei-Transfer von einem Rechner auf den anderen kann nämlich nicht unterschieden werden, ob der empfangende Freenet-User der tatsächliche Empfänger der Datei ist oder nur als Durchreichstation benutzt wird. Diese umständliche Dateiweitergabe hat jedoch auch zur Folge, dass auf den mit dem Freenet verbundenen Rechnern ständig Daten-Traffic anfällt, weil jeder angebundene PC automatisch allerhand Suchanfragen und Dateien weitergeben muss.
Freenet in der Praxis
In der Praxis erweist sich Freenet als wenig komfortabel. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass die von uns getestete Version 0.7 eine frühe Alpha-Version ist, bei der noch kein großer Wert auf eine gute Bedienbarkeit gelegt wurde. Zum anderen ist Freenet im Vergleich mit anderen P2P-Netzen sehr langsam.
Das Aufrufen der Freesites dauert schon ewig lange. Noch länger dauert es, bis nach dem Start eines Downloads die einzelnen Splitfiles zusammengesucht und über zahlreiche Rechner als Zwischenstation auf der eigenen Festplatte gelandet sind. Deshalb ist Freenet sicher nicht als Alternative für BitTorrent und Co. anzusehen. Wer jedoch absolut anonymes Filesharing betreiben will und keinen großen Wert auf Geschwindigkeit und Bedienkomfort legt, sollte sich das Freenet-Projekt in jedem Fall einmal anschauen.
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