Zweifel an Musikindustrie-Fakten

Music Markt: Britische Phonoverbände in der Kritik

Der Musikindustrie-Verband IFPI untermauerte seine jüngste Klagewelle gegen Tauschbörsen-Nutzer mit einer ganzen Reihe von Marktforschungs-Erkenntnissen. Jetzt tauchen Zweifel an der Zuverlässigkeit der verwendeten Studien auf.

Tauschbörsen bedrohen die Umsätze der Musikindustrie, doch die Klagen gegen P2P-Nutzer zeigen erste Erfolge. Diesen beiden Losungen sind Kernbestandteil der PR-Kampagne, die das juristische Vorgehen der Plattenfirmen gegen Tauschbörsen und ihre Nutzer begleitet. Als Kronzeugen dafür müssen immer wieder Marktforscher herhalten, die ihre Erkenntnisse über Umfragen gewinnen. Doch wie glaubwürdig sind derartige Fakten-Häppchen wirklich?

Werbung

WinMX nach wie vor aktiv

Die Musikindustrie-Vereinigung IFPI stützte sich für ihre jüngsten Klagen insbesondere auf Studien aus Großbritannien, die dort im Auftrag der lokalen Musikwirtschafts-Vereinigung BPI erstellt wurden. Unter anderem erklärte die IFPI Journalisten die regionalen Unterschiede in Sachen P2P-Nutzung: Emule sei das beliebteste Tausch-Programm in Frankreich, Kazaa in Deutschland. Limewire sei in den USA Marktführer, WinMX in Großbritannien.

P2P-Kenner wird dies verwundern. WinMX stellte seinen Betrieb offiziell im Herbst letzten Jahres ein. Zwar gibt es nach wie vor Patches, die einen Zugriff auf das dezentrale Netzwerk ermöglichen. Aber wird der Inselstaat wirklich von Hardcore-P2P-Nutzern dominiert, die nicht vor dem Austausch obskurer DLL-Dateien zurückschrecken? Zweifel dürften angebracht sein.

Zweifel hat auch Jupiter-Marktforscher Mark Mulligan angesichts der Behauptung der BPI, Piraterie habe die britische Musikindustrie in den letzten drei Jahren 1,5 Milliarden Euro gekostet. "Tschuldigung, aber das ist Unsinn", meint Mulligan dazu auf seinem Blog. Die britische Industrie sei vor drei Jahren 2,8 Milliarden Euro wert gewesen. Heute seien es immer noch 2,6 Milliarden. Mulligan dazu: "Wo sind die übrigen Milliarden?" Die Industrie verlasse sich offenbar zu Gunsten ihrer PR-Kampagne auf Umfragen, anstatt sich an den tatsächlichen Zahlen des Markts zu orientieren.

Weitere Informationen

Wie geht's weiter? Zu diesem Thema haben wir eine redaktionelle Übersicht erstellt. Sie finden das Special zu Filesharing hier.

Links zum Thema

Kommentieren