Teurer und schöner

OLPC: 100-Dollar-Notebook kommt 2007

Der 100-Dollar-Laptop kommt 2007 - allerdings etwas anders als geplant. So soll der Rechner vorerst teurer sein als angenommen, außerdem soll die markante Kurbel für die Stromversorgung geändert werden. Bis auf die Designänderungen hält Nicholas Negroponte, Vordenker des 100-Dollar-Notebook-Konzepts, aber weiter an der Schaffung des günstigen Computers fest.

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"OLPC" ist die kryptische Abkürzung für ein Programm, das es Kindern auch in den ärmsten Regionen der Welt erlauben soll, mit dem Computer zu arbeiten und im Internet zu surfen. Vorgestellt Ende 2005 als kleine grüne Kiste mit 7"-Bildschirm, 500 Megabyte Speicher und Handkurbel, eroberte das Konzept des OLPCs in Windeseile die Herzen derer, die an die mit dem Billigst-Rechner verbundenen Chancen für Länder der Dritten Welt glauben.

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Häme vom großen Bill

Schnell wurde klar: Quanta baut den Rechner. Superkapitalist und Microsoft-Gründer Bill Gates hingegen lästerte über die Farbe, das Design und vor allen Dingen die Handkurbel des Geräts. Und das, obwohl das Design nicht unerhebliche Ähnlichkeit mit dem Teletubbie-Desktop von Windows XP hat. Auf der OpenSource-Konferenz "Linux World" sagte Nicholas Negroponte laut einem Bericht des Magazins Wired vor Open-Source-Entwicklern, dass "man etwas Richtiges" tue, "wenn sowohl Intel als auch Microsoft hinter einem her sind."

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Die Läster-Eskapaden eines Bill Gates blieben dennoch nicht unerhört: Die Kurbel fällt, und zwar bildlich gesprochen. War sie ursprünglich als fester Teil des Gehäuses angedacht, möchten sich die Entwickler von dieser Idee trennen und die Kurbel stattdessen im Netzteil des Rechners verbauen. Negroponte denkt sogar so weit, die Kurbel durch eine Art Pedal zu ersetzen, das, ähnlich wie bei Omas Nähmaschine, für den Vortrieb sorgt. Der Vorteil wäre, dass die Kinder die Hände zum Tippen frei haben.

Auf den Weg gebracht

Doch warum überhaupt eine Kurbel oder ein Pedal? Der 100-Dollar-Laptop ist für die ärmsten Regionen der Welt konzipiert. Und dort ist nicht immer eine zuverlässige und jederzeit nutzbare Stromversorgung gewährleistet. Kurbel oder Pedal treiben einen Dynamo an, der den kompakten OLPC mit genug Strom versorgt, um damit arbeiten zu können. Natürlich ist der Wechsel der Dynamo-Idee keine Folge des Angriffs durch Bill Gates, sondern eine schlichte Konzeptänderung: "Die Kurbel hat sich als zu großer Hebel für das Gehäuse erwiesen", so Negroponte auf der Linux-Tagung.

Trotz der zahlreichen Spenden von verschiedenen Computer-Unternehmen sowie der tatkräftigen Unterstützung bei der Entwicklung durch Quanta und AMD wird der mit einem 500 Megahertz starken AMD Geode-Prozessor betriebene Laptop wohl teurer als erhofft. Herstellungskosten von rund 135 Dollar machen einen Preis von unter 150 Dollar eher unwahrscheinlich. Später allerdings will man den Preis drücken, immerhin hat der Rechner, der mit Linux betrieben werden soll, bereits rund zehn Millionen potentielle Abnehmer allein im ersten Jahr. Bei derartigen Absatzzahlen dürften auch die Preise schnell purzeln. Schon Anfang 2007 sollen die ersten Rechner an Indien, China, Nigeria, Ägypten und andere Schwellenländer ausgeliefert werden. Wenn der Rechner ein Erfolg wird, dürfte er auch bald in Europa erhältlich sein. Wir sind gespannt.

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