Hamburg überwacht die Amüsier-Meile
Hamburg: Kameras auf der Reeperbahn
Christian Rentrop
Kameras im Rotlicht-Milieu sind eigentlich nichts Neues. In der Regel werden sie benutzt, um Pornos zu drehen. Hamburg hingegen verwendet sie, um das Rotlicht-Milieu zu überwachen: Hamburgs Reeperbahn wurde mit Kameras ausgestattet, die direkt in der Einsatzzentrale der Polizei senden. Die Anlage wurde am 30. März in Betrieb genommen. Ein Beispiel für deutschen Sicherheits-Wahn.
Teurer Spaß
Hamburgs Innensenator Udo Nagel freute sich, als er im Polizeipräsidium Hamburg das Überwachungssystem einschaltete: "Die Videoüberwachung ist eine zusätzliche Maßnahme, um die Sicherheit für die Bürger und Gäste im Bereich der Reeperbahn weiter zu stärken." Rechtzeitig zur WM nahm die Stadt Hamburg zehn schwenk- und neigbare Videokameras auf der Reeperbahn in Betrieb, weitere zwei Geräte sollen im Mai folgen. Die Kameras überwachen die weltbekannte Hamburger Amüsiermeile. 620.000 Euro ließ sich die Stadt die Anlage kosten.
Der Grund für die Überwachung der Reeperbahn liegt auf der Hand: Die Reeperbahn soll Angaben der Hamburger Polizei zufolge höchstgradig kriminalisiert sein. In den vergangenen Jahren sollen dort mehr Gewalttaten und Diebstähle registriert worden sein als an allen anderen Hamburger Kriminalitätsschwerpunkten zusammen, immerhin neun an der Zahl. Die Straße kann dank der bald zwölf Kameras komplett überwacht werden, die Bilder landen in der Einsatzzentrale der Hamburger Polizei.
Wie üblich rein präventiv
Ziel der Videoüberwachung ist, wie üblich, die Verbrechens-Prävention. Große Schilder zeigen den Besuchern der Rotlicht-Meile, dass sie überwacht werden. Die Polizei hofft, dass Gelegenheits-Täter auf diese Weise abgeschreckt werden. Udo Nagel drückt das so aus: "Der Einsatz der Videoanlage dient vor allem dazu, Straftaten im Vorfeld zu verhindern, um die Menschen, die im Bereich der Reeperbahn leben, arbeiten oder die vielen Theater und Unterhaltungseinrichtungen besuchen, noch besser vor Gefahren und Kriminalität zu schützen."
Noch besserer Schutz vor den Unterhaltungseinrichtungen? Der scheint bisher nicht besonders hochwertig gewesen sein, in Anbetracht der Kriminalitätsraten. Was die Hamburger nicht daran hindert, die Überwachung weiterer Schwerpunkte ins Auge zu fassen. Die Videoaufnahmen sollen über einen Monat aufbewahrt werden. Hamburgs Datenschutzbeauftragter Hartmut Lubomierski zeigt sich der Überwachung gegenüber skeptisch: "In der Regel führt Kamera-Überwachung lediglich zu einer örtlichen Verdrängung und Verlagerung der Kriminalität." Mit anderen Worten: Rational denkende Täter werden ihre Aktivitäten verlagern, Affekt- und Spontantäter hingegen werden durch die Überwachung nur wenig abgeschreckt.
Es machte trotzdem BUMM
Natürlich gibt es messbare Erfolge durch Video-Überwachung. So zeigt das Beispiel London, der Stadt mit der höchsten Kamera-Dichte weltweit, dass sich Kleinkriminelle durchaus abschrecken lassen. Allerdings wird, wie Lubomierski richtig anmerkt, das Verbrechen meist einfach verlagert. Zumal sich die wirklich großen Fische durch Videoüberwachung nicht im geringsten Abschrecken lassen, wie das Beispiel der Terroranschläge in London im Sommer 2005 beweist. Trotz eines perfekten Überwachungs-Systems konnten die Kameras die Terroristen nicht aufhalten.
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